Gasteig: Grundsanierung oder Generalsanierung?

Warum die SPD von der Generalsanierung des Gasteig abrückt und nur noch auf eine Grundsanierung setzt.
| Robert Braunmüller
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Julia Schönfeld-Knor ist SPD-Stadträtin und stellvertretende Sprecherin im Kulturausschuss und Mitglied im Gasteig-Aufsichtsrat.
Johannes Seyerlein/Privat/SPD Julia Schönfeld-Knor ist SPD-Stadträtin und stellvertretende Sprecherin im Kulturausschuss und Mitglied im Gasteig-Aufsichtsrat.

Warum die SPD von der Generalsanierung des Gasteig abrückt und nur noch auf eine Grundsanierung setzt.

München - Am Montag hat die SPD-Fraktion entschieden, nicht weiter an der 2017 im Stadtrat beschlossenen Generalsanierung des Gasteig festzuhalten. Die SPD favorisiert nun eine Grundsanierung mit akustischer Optimierung der Philharmonie.

Julia Schönfeld-Knor ist 1970 in München geboren. Die SPD-Stadträtin ist stellvertretende Sprecherin im Kulturausschuss und Mitglied im Gasteig-Aufsichtsrat. Sie leitet das Kultur- und Bürgerhaus Pelkovenschlössl in Moosach.

Das Äußere und die Raumaufteilung im Inneren sollen unverändert bleiben. Das wäre nach gegenwärtigem Stand rund 200 Millionen Euro billiger als die eine halbe Milliarde schwere Generalsanierung, an der die Grünen festhalten wollen. Sie haben für die Vollversammlung des Stadtrats am 20. März einen entsprechenden Antrag eingebracht. Auch Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD) hält an der Generalsanierung fest, die CSU ebenfalls.

AZ: Frau Schönfeld-Knor, warum will die SPD den 2017 gefassten Beschluss umwerfen?
JULIA SCHÖNFELD-KNOR: Die Unwägbarkeiten haben zugenommen. Das Vergabeverfahren ist gescheitert und muss wiederholt werden. Außerdem liegt uns eine Denkschrift von Eike Rollenhagen vor, dem Sprecher der ursprünglichen Architekten. Er lehnt unter Verweis auf sein Urheberrecht drastische Veränderungen am Äußeren ab. Wenn man das alles zu Ende denkt, könnten weitere Klagen folgen, die zu weiteren Verzögerungen führen. Wir wollen beim Gasteig endlich vorankommen.

Lesen Sie auch: Die CSU steht zur Generalsanierung

Gibt die SPD gleich bei der ersten Schwierigkeit auf? So gravierend ist die Wiederholung des Vergabeverfahrens auch wieder nicht.
Angenommen, im neuen Vergabeverfahren gewinnt nicht der Entwurf von Henn, sondern einer der anderen Architekten. Die wollten das Äußere so weit verändern, dass die ursprünglichen Urheber womöglich klagen. Oder Henn klagt, weil er nun verliert. Wenn das schief geht, hängen wir wirklich in der Schleife.

Kann es sein, dass der Ursprung aller Probleme darin besteht, dass es beim Architektenwettbewerb keinen eindeutigen Sieger, sondern drei erste Preise gab?
So schaut es aus.

Die Grundsanierung erlaubt laut einer Sitzungsvorlage von 2017 aber, abgesehen von akustischen Veränderungen in der Philharmonie, für 300 Millionen Euro lediglich eine Sanierung der Haustechnik und keine Weiterentwicklung des Gasteig.
Ich erwarte, dass für 300 Millionen Euro nicht nur neue Leitungen verlegt werden. Ich bin sicher, da wird eine Menge für die Stadtbibliothek und die Volkshochschule dabei rausspringen.

Davon seht aber nichts in dieser bis heute maßgeblichen Sitzungsvorlage. Für 300 Millionen Euro kriegen Sie außerhalb der Philharmonie nur, was zur Aufrechterhaltung des Betriebs ohnehin gemacht werden muss – wie Reparaturen an den Dächern. Aber keine Anpassung des Gebäudes an heutige Anforderungen.
Auch bei einer Generalsanierung würde es im Verlauf der Planung weitere Beratungen im Stadtrat geben – gegebenenfalls mit Streichungen bei der Umgestaltung der Glashalle, dem Umbau des Carl-Orff-Saals zu einer multifunktionalen Bühne oder einem Restaurant auf dem Dach. Das haben wir uns ausdrücklich und einstimmig vorbehalten.

Ein vergrößerter und variabel bespielbarer Carl-Orff-Saal ließe sich besser vermieten. Er wäre eine Spielstätte für städtische Festivals wie „Dance“ und die Lösung aller Raumprobleme des Münchener Kammerorchesters.
Das Kammerorchester fällt bei einer Grundsanierung hinten runter. Wegen der Chancen für den Carl-Orff-Saal haben wir uns ja anfangs für die Generalsanierung entschieden. Aber was haben wir von Planungen, über die entweder alle lachen oder über die ewig vor Gericht gestritten wird? Außerdem funktioniert der Gasteig – so wie er jetzt ist – sehr gut.

Die Räume der Bibliothek entsprechen kaum heutigen Standards – Sie selbst waren doch bei der Debatte „Public!“, bei der über die Bedeutung kommerzfreier öffentlicher Räume gesprochen wurde.
Auch bei einer Grundsanierung können wir Akzente setzen. Der Platz wäre vorhanden. Auch ich finde, dass die Kinder- und Jugendbibliothek beengt untergebracht ist. Davon abgesehen: Wir finden den dezentralen Ausbau der Stadtbibliothek zum Lernort ebenso wichtig. Wir haben in den letzten Jahren viel modernisiert, weitere Stadtteilbibliotheken eröffnet und die Samstagsöffnung durchgesetzt. Das ist deutschlandweit einmalig.

In dem Papier von 2017 steht nichts von Umbauten bei einer Grundsanierung.
Das heißt doch nicht, dass wir ab jetzt die Bibliothek nicht mehr weiterentwickeln wollen. Wünschenswert wäre eine verbesserte digitale Anbindung. Auch die Räume der VHS sollen durch Whiteboards und neue Lichtsysteme aufgewertet werden.

Das klingt für mich, als wollten Sie die Generalsanierung zum Preis der Grundsanierung.
Ich kann mir nach wie vor nicht vorstellen, dass es 300 Millionen kostet, nur neue Elektroleitungen einzuziehen.

Im Stadtrat gibt es derzeit dank der CSU und den Grünen keine Mehrheit für einen Kurswechsel beim Gasteig.
Man kann auch hin und wieder als Stimme der Vernunft auftreten. 

Lesen Sie auch: Die Generalsanierung bröckelt weiter

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