Die Generalsanierung bröckelt weiter

Die SPD-Fraktion favorisiert in ihrer Sitzung am Montag ein Aus für die große Lösung am Isarhochufer
| Robert Braunmüller
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Die Stadtrats-SPD rückt weiter von der Generalsanierung des Gasteig ab. „Wir empfehlen dringend, diesen Weg nicht weiter zu gehen und sehen das Verfahren eines Realisierungswettbewerbs in Kombination mit einem Vergabeverfahren nach der Entscheidung der Vergabekammer Südbayern als gescheitert an“, erklärte Fraktionschef Alexander Reissl am Montag.

Die SPD favorisiert nun eine Grundsanierung mit akustischer Optimierung der Philharmonie. Auf die geplante Veränderung des Äußeren würde verzichtet. Dies wäre nach derzeitigem Stand 200 Millionen billiger wie die eine halbe Milliarde schwere Generalsanierung, die der Stadtrat im Frühjahr 2017 beschlossen hat – mit den Stimmen der SPD und ohne größere Diskussion.

Das Projekt hinwerfen?

Auf diesen Beschluss folgte ein Architekturwettbewerb mit drei ersten Preisen und ein Vergabeverfahren, aus dem der von den im Gasteig ansässigen Institutionen favorisierte Entwurf des Münchner Büros Henn siegreich hervorging. Die beiden unterlegenen Büros haben dagegen Widerspruch eingelegt, nun muss der letzte Schritt wiederholt werden.

Das ist nicht so dramatisch, um das ganze Projekt hinzuwerfen. Auch die Querelen um das Urheberrecht der ursprünglichen Architekten werden seitens der Gasteig-Geschäftsführung als lösbar dargestellt. Aber tonangebenden Teilen der SPD ist das Projekt offenbar zu teuer.

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In Reissls Stellungnahme klingt das zwischen den Zeilen durch. Der Fraktionschef und seine Mitstreiter empfehlen, das Vergabeverfahren abzubrechen und „eine Sanierungsversion zu wählen, die technisch und finanziell deutlich überschaubarer ist und dadurch auch sicherer realisiert werden kann.“

CSU und Grüne halten an der Generalsanierung fest

Dafür müsste ein neuer Stadtratsbeschluss herbeigeführt werden. Aus der SPD ist zu hören, dass mittlerweile auch in der Rathaus-CSU die Begeisterung über die teure Generalsanierung nachlässt – was dort bestritten wird. Auch die Grünen rosa liste lehnen die von der SPD in der vorigen Woche ins Spiel gebrachte Minimallösung weiter ab.

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Ihr Fraktionschef Florian Roth erklärte, die Modernisierung des Gasteigs dürfe sich nicht nur auf die Philharmonie beschränken. Ihn ärgert, dass die vielen Besucher der Stadtbibliothek und der Veranstaltungen der Volkshochschule mit „ein paar neuen Kabeln und Sprinkleranlagen abgespeist werden“ sollen. „Wir sind höchst erstaunt, dass die SPD sich hier vom Prinzip ‚Kultur für alle‘ verabschieden will“, so Roth.

Der Anfang neuer Probleme

Aus der SPD ist zu hören, dass die Grundsanierung sehr wohl auch eine Weiterentwicklung der Bibliothek und Verbesserungen für die Volkshochschule beinhalte. Ob die akustische Optimierung des Gasteig nach einem Aus für die Generalsanierung wirklich von Yasuhisa Toyota durchgeführt wird, ist nach Ansicht von Insidern offen. Er hat den Wettbewerb innerhalb einer Ausschreibung für die Generalsanierung gewonnen. Ob er sich die Verbesserung einer baulich kaum veränderten Philharmonie antut, ist weiß niemand.

Und so kann sein, dass sich die SPD mit ihrem vorgeblichen Befreiungsschlag einen riesigen Haufen neuer Probleme und Klagen einhandelt.
 

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