"Frechheit": Polizei wehrt sich nach Schuss in Schwabing gegen Rassismus-Vorwürfe
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Bayern hat sich zum polizeilichen Schusswaffengebrauch gegen einen 14-Jährigen in München und zur darauffolgenden Demonstration gegen vermeintliche Polizeigewalt geäußert und vertritt eine klare Position.
14-Jähriger von Polizeischuss schwer verletzt: Das sagt die Gewerkschaft der Polizei
"Ein Schusswaffengebrauch ist eine der schlimmsten Einsatzsituationen für Polizeibeamte. Innerhalb von Sekunden müssen sie entscheiden, welche Gefahr besteht und wie sie sich selbst, ihre Kollegen und Unbeteiligte schützen können", verteidigt die GdP die eingesetzten Polizeikräfte.
14-Jähriger soll gerufen haben: "Es ist ein Spielzeug, bitte nicht schießen!"
Die Beamten seien "moralisch und gesetzlich" verpflichtet, in Gefahrensituationen zu handeln: "Und das tun sie, jeden Tag, rund um die Uhr. Dafür haben Sie einen Eid geleistet, und stehen dafür mit ihrem Leben ein."
Der GdP-Landesvorsitzende Florian Leitner gibt zu bedenken, dass eine Softair-Waffe "in einer dynamischen Einsatzlage" nicht von einer scharfen Schusswaffe zu unterscheiden sei: "Unsere Kollegen können nicht erst abwarten, ob tatsächlich geschossen wird. Dann ist es zu spät."
"Das Alter macht eine vermeintliche Schusswaffe nicht weniger gefährlich"
Laut Polizei hatte der 14-Jährige mit einer täuschend echt aussehenden Softair-Waffe herumhantiert und Bewegungen gemacht, als ob er durchlade. Danach habe er sich mit der Waffe in der Hand zu den Beamten umgedreht.

Der Jugendliche wurde in den Oberkörper getroffen, er liegt im Krankenhaus. Die Mutter des Buben sagte "München TV", ihr Sohn habe ihr erzählt, dass er gerufen habe: "Es ist ein Spielzeug, bitte nicht schießen!"
Die Tatsache, dass es sich bei dem Schwerverletzten um einen 14-Jährigen handelt, sei "zweifelsohne tragisch", so Leitner. Aber: "Unsere Kolleginnen und Kollegen können weder in einen Menschen hineinsehen noch seine Absichten kennen. Das Alter macht eine vermeintliche Schusswaffe nicht weniger gefährlich. Entscheidend ist die Situation, die sich den Einsatzkräften in diesem Augenblick darstellt."
GdP in Bayern wehrt sich gegen Rassismusvorwürfe
Als "unglaublich" empfindet es der GdP-Bayern-Vorstand, dass öffentlich die Frage aufgeworfen wird, ob auch geschossen worden wäre, wenn es sich um einen Deutschen gehandelt hätte.
Am Samstagabend hatten etwa 100 Menschen aus der linken und kommunistischen Szene in Schwabing gegen Polizeigewalt demonstriert. Sie skandierten "Deutsche Polizisten, Mörder und Rassisten". Am Hohenzollernplatz fand eine Kundgebung statt, danach gingen die Demonstranten zur Belgradstraße, wo der Schüler am 18. August von einem Polizisten niedergeschossen worden war.
Fraktionen fordern Konsequenzen
"Diese Unterstellung lässt mich fassungslos zurück und ist eine Frechheit! Herkunft oder Nationalität eines Täters sind in einer lebensbedrohlichen Einsatzlage völlig unerheblich", sagte Florian Leitner: "Die Polizei muss in dieser Situation alle Menschen schützen. Wer hier der Polizei Rassismus unterstellt, verdreht die Realität. Oder – viel beschämender – nutzt die Situation, um einen wie auch immer gearteten Vorteil aus diesem tragischen Ereignis zu ziehen."
Die Stadtratsfraktionen Die Grünen/Rosa Liste und SPD forderten nach dem Vorfall, die Stadt solle sich beim Bund, dem Freistaat und beim Deutschen Städtetag für eine Verschärfung der gesetzlichen Regelungen einsetzen. "Spielzeug-, Softair- und vergleichbare Waffen sollen nicht mehr verkauft werden dürfen, wenn sie aufgrund von Größe, Form und Gestaltung nicht unmittelbar von echten Schusswaffen zu unterscheiden sind."
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