Fluglärm in München: Ruhe, bitte!

Am Freitag protestieren in ganz Deutschland Tausende gegen den Ausbau von Flughäfen. In München findet die Kundgebung im Terminal statt – die Betroffenen sorgen sich um ihre Gesundheit
| Matthias Maus
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Immer wieder werden Piloten Opfer einer Attacke mit einem Laserpointer. (Archivbild: dpa)
dpa Immer wieder werden Piloten Opfer einer Attacke mit einem Laserpointer. (Archivbild: dpa)

Für die einen ist er der Beiklang des Fortschritts, für die Anwohner ist es Krach – und mehr als das: Am Samstag gehen in mehreren deutschen Städten die Nachbarn der großen Verkehrsflughäfen auf die Straße und demonstrieren. In Frankfurt, in Berlin, in Leipzig – und natürlich in München. Unter dem Motto: „Fluglärm macht krank.“

„Dieses Problem verbindet die Flughafenanwohner in ganz Deutschland“, sagt Hartmut Binner vom Sprecherrat der Bürgerinitiativen gegen die dritte Startbahn in München. „Von Berlin nach München wir sind solidarisch.“ Wie die Demos im Einzelnen stattfinden, ist unterschiedlich, einheitlich ist der Zeitpunkt: Samstag 15 Uhr.

Da gehen wir dahin, wo es ruhig ist“, heißt es bei den Bürgerinitiativen im Münchner Umland: „Ins Terminal II.“ Dort soll unter anderem ein Maibaum aufgestellt werden (siehe Interview rechts). An jedem Standort gibt es andere Probleme, nur die Nachbarn sind überall gleich sauer:

  • Mehr als 70 Bürgerinitiativen kämpfen gegen die dritten Startbahn am Münchner Flughafen. Von Volksmusikabenden bis Mahnwachen organisieren die Gegner seit Jahren Aktionen gegen die dritte Bahn. Die wird von der Staatsregierung, der bayerischen Wirtschaft, einer Pro-Ausbau-Aktion, von OB Ude und von CSU, SPD und FDP im Münchner Rathaus befürwortet.
    Am 17. Juni haben die Münchner bei einem Bürgerentscheid das Wort. Die Anwohner des Flughafens werden nicht gefragt. Nur die Münchner: weil die Stadt 23 Prozent am Flughafen hält (26 Prozent Bund, 51 Prozent Freistaat). Das Ergebnis ist bindend. Gegen ein Münchner Nein könnte die Startbahn nicht gebaut werden, weil der Baubeschluss im Aufsichtsrat Einstimmigkeit erfordert.
  • In Berlin klagen die Umweltverbände und mehrere Kommunen gegen die Flugrouten für den neuen Flughafen Berlin Brandenburg in Schönefeld: Einige Einflugschneisen sollen über den Südwesten („Wannseerouten“) und damit über Vororte geführt werden. Bürgerinitiativen beklagen „Verlärmung“ und Bevorzugung wirtschaftlicher Argumente vor Bürgerbelangen.
  • Nirgends ist das Lärmproblem näher in der Stadt als in Frankfurt. Dort entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über den Bestand des Nachtflugverbots. Das will die Lufthansa an ihrem Drehkreuz Nummer Eins aushebeln. Es sei ein Wettbewerbsnachteil, der sie pro Jahr 40 Millionen Euro koste. Allerdings: Nur unter der Bedingung des absoluten Nachtflugverbots von 23 bis fünf Uhr war die vierte Startbahn des größten deutschen Airports überhaupt genehmigt worden. Das Urteil soll am 4. April fallen. Die Gegner haben gute Karten – es wird erwartet, dass die Richter die geplanten 17 Flüge pro Nacht nicht zulassen. Zur Montagsdemo kamen zuletzt 3000 Menschen – sie forderten eine Stilllegung der neuen Landebahn. Am Samstag wollen die Gegner erneut im Terminal demonstrieren.
  • Demos gegen Fluglärm sind auch in Düsseldorf, Hamburg und Köln-Bonn geplant.

Gemeinsam argumentieren die Betroffenen mit Gesundheitsgründen. Das GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit listet mögliche Lärmfolgen auf: Sie reichen von Hörschäden über Kreislaufkrankheiten und Schlafstörungen bis zu verminderter Lernfähigkeit bei Kindern und „Beeinträchtigung sozialen Verhaltens“: Nach Studien des Umweltbundesamts gehen jährlich 4000 Herzinfarkte auf Verkehrslärm zurück. Nächtlicher Fluglärm stört schon bei geringen Dezibel-Zahlen den Schlaf und fördert nach einer Studie des Zentrums für Luft- und Raumfahrt Schlafstörungen. Außerdem soll er laut Herzstiftung für Bluthochdruck und Schlaganfälle verantwortlich sein.

 

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