Filmreif! Wulff auf der Wiesn

Als niedersächsischer Ministerpräsident wurde er auf zwei Nächte in den Bayerischen Hof eingeladen – von einem Filmunternehmer, für dessen Produktionen sein Land haftet.
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Christian Wulff und seine Frau Bettina feiern auf der Wiesn
dpa/ddp 3 Christian Wulff und seine Frau Bettina feiern auf der Wiesn
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dpa/ddp 3 Christian Wulff und seine Frau Bettina feiern auf der Wiesn
Christian Wulff und seine Frau Bettina feiern auf der Wiesn
dpa/ddp 3 Christian Wulff und seine Frau Bettina feiern auf der Wiesn

Als niedersächsischer Ministerpräsident wurde er auf zwei Nächte in den Bayerischen Hof eingeladen – von einem Filmunternehmer, für dessen Produktionen sein Land haftet.

München - Wieder Ärger für Wulff: Er hat sich von einem Unternehmer auf die Wiesn einladen lassen – der damalige Aufsichtsratsvorsitzende der Filmfirma Odeon, David Groenewold, zahlte 2008 einen Teil der Kosten für die Unterbringung des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten im Bayerischen Hof. Das Problem dabei: Die niedersächsische Landesregierung war zu der Zeit Bürge für eine weitere Filmfirma Groenewolds. Außerdem soll der Produzent zuvor laut „Spiegel“ mehrere tausend Euro Honorar an den Autor eines wohlwollenden Buchs über Wulff gezahlt haben.

Darum geht’s: Christian und Bettina Wulff waren am 28. September 2008 zu einem Wiesn-Besuch beim Käfer eingeladen. „Die Einladung diente dem Networking, also dem Informationsaustausch“, sagte Groenewolds Anwalt der „Bild am Sonntag“. Quartier bezog er in einer Suite des Bayerischen Hofs. Der Odeon-Chef sorgte dafür, dass Wulff für zwei Nächte ein besseres Zimmer zur Verfügung gestellt wurde und bezahlte den Differenzbetrag von 400 Euro. Wulff habe eine eigene Rechnung über dem Grundbetrag erhalten, diese habe das Land Niedersachsen und die CDU gezahlt. Grund für das Upgrade sei gewesen, dass das Ehepaar Wulff mit seinem damals vier Monate alten Kind angereist sei und Groenewold ihm daher ein größeres Zimmer überlassen habe.

Außerdem habe der Firmen-Chef privat ein Kindermädchen für ihren Sohn engagiert. Das Geld dafür gab ihm Wulff aber später zurück.

Groenewolds Anwalt Christian-Oliver Moser betont aber: „Von der Übernahme der Kosten des Upgrades durch meinen Mandanten hat Wulff nichts gewusst.“

Groenewold hat Wulff seit geraumer Zeit gefördert und unterstützt: 2005 erhielt Karl Hugo Pruys, Autor des Buchs „Christian Wulff - Deutschland kommt voran“, Honorare des Unternehmers, der Werke wie „Der Wixxer“ oder das „Wunder von Lengede“ finanzierte. Im selben Jahr spendete er der CDU laut „Spiegel Online“ 26.900 Euro. Seit Ende 2006 sind Filmproduktionen vom Groenewolds Firma Waterfall in Hannover durch eine Bürgschaft des Landes Niedersachsen abgesichert – Regierungschef damals: Christian Wulff.

Bei einem Upgrade einer Flugreise von Air Berlin Ende 2009 hatte Wulff bereits einen Verstoß gegen das Ministergesetz eingeräumt und die dafür fälligen 3000 Euro nachgezahlt.

 


Wulffs Hausbank: So kulant sind die BW-Banker

Für sein Haus in Niedersachsen bekam Wulff ein Geldmarktdarlehen zu einem Zins zwischen 0.9 und 2,1 Prozent von der BW-Bank (AZ berichtete). Neben einer Vielzahl von Anzeigen, die jetzt wegen des Verdachts der Untreue bei der Stuttgarter Staatsanwaltschaft eingegangen sind, weckt das Vorgehen des zur Landesbank gehörenden Kreditinstituts auch moralische Bedenken. Denn nicht alle Kunden der Bank werden so zuvorkommend behandelt wie Wulff: Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ machte nun den Fall einer Frau aus Bietigheim öffentlich.

Ihr Mann war im März 2010 an Zungenkrebs gestorben. Sie war allein mit ihrer Tochter (12) und einer Eigentumswohnung. Das Darlehen hierfür war kurz vor dem Tode des Mannes nach zehn Jahren Laufzeit zu 4,88 Prozent für weitere zehn Jahre verlängert worden. Mit dem Geld aus der Lebensversicherung – 123.000 Euro – wollte die 44-Jährige den Kredit ablösen. Dafür verlangte die Bank aber fast 10.000 Euro Gebühr. Erst als die Frau drohte, zur Presse zu gehen, wurde die Summe um ein Drittel verringert.

Die Frau ging darauf ein – es blieb eine Restschuld von 3000 Euro. Dafür bot die Bank einen Kredit mit neun Prozent Zinsen an, worauf die Frau verzichtete. Am Fall Wulff sehe man, so die Frau, „wie kulant eine Bank sein kann. Dabei hatte es Herr Wulff gar nicht nötig.“

 

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