Faschingsdienstag: Wenn im Glockenbach Ausnahmezustand herrscht

Der Faschingsdienstag im M.C. Mueller ist eine feste Größe. Dabei hat Wirt Franz Josef Schmidbauer Zweifel am Münchner Fasching.
| Anne Hund
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Hotspot am Faschingsdienstag: das M.C. Mueller.
Hotspot am Faschingsdienstag: das M.C. Mueller. © Daniel von Loeper

München - Der Faschingsdienstag, da kommt schon der erste große Unterschied zum Rheinland, ist für viele Münchner ein Arbeitstag. Wer ausnahmsweise ein bisserl früher heim darf oder einen halben Tag Urlaub nimmt, hat ab dem frühen Nachmittag noch Chancen auf einen Stehplatz beim Münchner Kneipenfasching.

Und da ist das M.C. Mueller an der Müllerstraße eine gute Adresse. Hier stiegt die Party am Faschingsdienstag schon seit 13 Jahren. Los geht's hier im Glockenbachviertel schon um 14 Uhr mit DJ "Karl Schlagerfeld" und den typischen Faschingsschlagern. Als Burger-Bar ist der Laden dann kaum noch zu erkennen.

Tische und Stühle sind zur Seite geräumt. Es ist laut, heiß und eng. Mehr als hundert Gäste trinken im Stehen oder schwofen auf der Tanzfläche zu "Marmor, Stein und Eisen bricht", Mickie Krause oder wenn's sein muss zu Helene Fischer.

Und das ist nur die Momentaufnahme. Rund 400 Gäste seien es an einem Faschingsdienstag "im Durchlauf" allein im M.C. Mueller, sagt Inhaber Franz Josef Schmidbauer. Er meint damit das Kneipen-Hopping.

Kneipen-Hopping im Glockenbach

"Viele laufen von Bar zu Bar", sagt Schmidbauer. Eine Art "Ausnahmezustand" herrsche hier am Faschingsdienstag. Die Stimmung ist lustig und ausgelassen. "Jemand, der den Fasching mag, fühlt sich, glaube ich, ganz gut in diesem Viertel aufgehoben."

Der Viktualienmarkt samt Tanz der Marktweiber sei schließlich gleich um die Ecke – danach strömen die Faschingsfans in die Cafés und Kneipen im Gärtnerplatz- und Glockenbachviertel. An dieser Tradition hat sich aus Schmidbauers Sicht seit Jahren nichts geändert.

Was erwartet einen an so einem Faschingsdienstag? "Es wird immer exzessiv gefeiert", sagt Schmidbauer. Der 41-Jährige hat das M.C. Mueller vor acht Jahren übernommen und lädt natürlich auch heuer wieder zur Faschingsparty unter dem Motto "Vollgas".

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Der Münchner bleibt ein Faschingsmuffel

"Es gibt keine Pflicht, sich zu verkleiden", betont er. Trotzdem seien über 90 Prozent der Gäste kostümiert. Vom Superhelden über die klassische Piratenbraut bis hin zu Captain Future habe es schon alles Mögliche gegeben. "Ein bisschen stylisch" darf die Faschingsparty allerdings schon sein, so die Idee. Umso schöner, wenn sich die Gäste "ein bisschen Mühe geben mit dem Kostüm". Das klappt allerdings nicht immer. "Es sind auch mal welche oben ohne im Laden gestanden", erzählt er. Das blieb aber die Ausnahme.

Ausgelassene Stimmung schön und gut. Insgesamt hält Schmidbauer die Münchner aber eher für "Faschingsmuffel". Allein der Faschingsdienstag sei eine Ausnahme. "Ansonsten spürt man den Fasching in München nicht", so sein persönlicher Eindruck – von ein paar Faschingsbällen und Faschingsveranstaltungen und zum Beispiel den Kölnern, die in München Karneval feierten, mal abgesehen.

Das sei aber gar nicht schlimm. Denn, so Schmidbauer gelassen: "In München haben wir dafür die Wiesn."


Am Dienstag lesen Sie in der letzten Folge der AZ-Serie: Der Faschingsprinz von 1972 erzählt

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