Weiße Feste in der Max-Emanuel-Brauerei: Eskalation mit Tradition

Die "Weißen Feste" in der Max-Emanuel- Brauerei sind legendär. Einige Gäste halten ihnen seit mehr als 40 Jahren die Treue. Wie es dazu kam.
| Victoria Kunzmann
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13 weiße Feste gibt es heuer in der Max-Emanuel-Brauerei.
Daniel von Loeper 13 weiße Feste gibt es heuer in der Max-Emanuel-Brauerei.

München - Eines sei vorweg gesagt: Wer nicht weiß trägt, kann nicht mitfeiern. "Wer kein weißes Kostüm anhat, den lassen wir nicht rein!", sagt Celile Mittermeier. Nur das Personal trägt schwarz.

Das Motto ist Programm, ist Lebensgefühl, zumindest für fünf Wochen im Jahr. Die Gäste kommen als Elfen, Engel, weiß gekleidete Hexen (auch so etwas soll es geben), als Kapitän, Pastor, Arzt. Auf dem Fest findet sich fast jedes Kostüm wieder, nur eben in Weiß. "Manche von meinen Stammgästen nähen sich nur für dieses Fest ein neues Kostüm. Jedes Jahr!", erzählt Mittermeier.

Eine Institution im Münchner Faschingskalender

Wer zur Tür hereinkommt, den Nebel sieht, das Vibrieren der Musik spürt, die Duftmischung aus Parfüm, Haarspray und Schweiß schnuppert, weiß, weshalb das so ist. Die Räume sind in Neonlicht getaucht, die weißen Kostüme leuchten. Eine mystische Atmosphäre.

Die Weißen Feste sind Jahr für Jahr eine Institution im Kalender – in Mittermeiers, aber auch in dem ihrer Stammgäste. Manche von ihnen kommen seit 1967.

Die Anfänge sind studentisch

Damals fanden die Weißen Feste zum ersten Mal statt – und hießen noch Schwabinger Künstlerfasching. Weiße Kleidung war aber schon damals Pflicht. "Die Studenten hatten kein Geld für aufwendige Kostüme", erzählt einer der Stammgäste. "Deshalb einigten sich alle darauf, in Weiß zu kommen."

Er ist von Anfang an dabei. Seinen Namen möchte der Münchner aber nicht verraten, vielleicht wegen seines Kostüms. Das besteht nämlich nur aus einem weißen Tanga und einer weißen Fliege um den Hals. "Die Gäste machen hier die Party", sagt er augenzwinkernd.

Die Studenten feierten legendäre, exzessive Partys, auf denen Mädchen ausgezogen und bemalt wurden. Daran erinnert sich auch Jakko, wie er genannt werden möchte.

"Die Mädchen haben sich ausgezogen"

Der 69-jährige Stammgast kennt die allerersten Feiern. "Um zwölf Uhr haben sich die Mädchen ausgezogen und dann wurden sie weiß angemalt", erzählt er. Die Hippie-Zeit eben. Rebellion und Exzess. Da sei ganz viel "Nachholbedarf" dagewesen. "Das war eine andere Zeit damals! Da wurde getanzt, da wurde gesoffen . . .", ergänzt Chefin Mittermeier.

Sie würde lügen, wenn das heute anders wäre. Aber längst nicht mehr so exzessiv. Ausgezogen wird niemand mehr, angemalt in der Regel auch nicht. Insgesamt sind weniger Studenten da als früher, das Publikum wächst eben mit. Gefeiert wird aber immer noch, heuer seit dem 1. Februar. 13 Weiße Feste gibt es in diesem Jahr insgesamt, zwei pro Woche plus Sonderveranstaltungen, zum Beispiel am vergangenen Donnerstag an Weiberfasching.

Alle feiern an allen Tagen unter demselben Motto – und doch ist jede Feier unterschiedlich. Im vergangenen Jahr, erinnert sich Mittermeier, habe sie eine Tänzerin bestellt – zum Vergnügen der Männer. "Dann waren alle Frauen beleidigt", lacht die Chefin.

Wo Fassbinder, Moshammer und Freddie Mercury feierten

Der Fasching ist anders als sonst

Ein DJ gibt den Ton an, "aber nicht diese gewöhnliche Faschingsmusik, die am Marienplatz läuft!", sagt Mittermeier. Überhaupt ist hier vieles anders als auf den großen Faschingsveranstaltungen. Tatsächlich erinnern die tanzbare Popmusik, die Neonlichter, die Longdrinks eher an eine Partynacht in einem Münchner Club als an närrisches Treiben. Münchnerischer. Spontaner. Kreativer.

Früher sei das noch extremer gewesen, erzählen die Stammgäste. Die Studenten seien schon sehr kreativ gewesen. Auch heute erinnert noch vieles an einen Kostümball. Der Saal sieht jedes Jahr ein bisserl anders aus, dafür sorgt Celile Mittermeier. Die Bilder aus den ganz frühen Jahren, die in Schwarz-Weiß auf Leintücher gedruckt wurden, bleiben. Heuer überzieht ein weißes Tuch die komplette Saaldecke.

An einem Tag aber ist dann traditionell doch alles anders. Alle Gäste erscheinen in Schwarz, das Personal trägt Weiß. "Der letzte Tag ist Trauertag", sagt Mittermeier. Schwarzes Fest genannt. Die Partylaunigen, die Stammgäste verabschieden sich. Freilich nur bis zum nächsten Jahr. Und zur nächsten Eskalation.

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