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Fahrgäste atmen auf: ÖPNV-Streik in München beendet

Ein ereignisreicher Tag ist bei der MVG zu Ende gegangen. Seit den frühen Morgenstunden wurde bei U-Bahnen, Bussen und Bahnen gestreikt.
| Michael Schleicher Lukas Schauer
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Dienstagmorgen, 6.20 Uhr am U-Bahnhof Maillingerstraße: Die Anzeige weist auf den ÖPNV-Streik hin.
Dienstagmorgen, 6.20 Uhr am U-Bahnhof Maillingerstraße: Die Anzeige weist auf den ÖPNV-Streik hin. © Sven Hoppe/dpa

München - Die Münchner U-Bahnen, Trams und Busse haben nach dem ganztägigen Warnstreik der Beschäftigten am Dienstagabend den Betrieb wieder aufgenommen.

"Seit 18 Uhr ist der Warnstreik der Gewerkschaft ver.di beendet", teilte die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) am Abend mit. Auf einzelnen Linien sollte es noch Ausfälle geben, die anderen spätestens ab 21 Uhr wieder im gewohnten Takt fahren.

In Würzburg fielen auch Müllabfuhr und Straßenreinigung aus

Der Warnstreik hatte auf den Straßen und Radwegen der Millionenstadt zu mitunter chaotischen Verhältnissen geführt. Auch in zehn anderen bayerischen Städten hatte ver.di die Beschäftigten von kommunalen Verkehrsbetrieben und privaten Omnibusunternehmen zum Arbeitskampf aufgerufen: in Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Landshut, Fürth, Coburg, Bamberg, Aschaffenburg, Würzburg und Schweinfurt. In Würzburg fielen zudem Müllabfuhr und Straßenreinigung aus.

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So lief der ÖPNV-Streik in München

Seit Betriebsbeginn (etwa 3.30 Uhr) wurde in München gestreikt. Wie die MVG-Verantwortlichen schon am Vortag mitgeteilt hatten, sollte bis circa 18 Uhr keine einzige U-Bahn in der Stadt fahren.

Das hatte auch mit Sicherheitsbedenken zu tun. Denn hätte die MVG doch einige einzelnen U-Bahnen fahren lassen, wären die Fahrgäste möglicherweise doch in die U-Bahnhöfe gegangen, um zu versuchen einen der Züge zu bekommen. Bei einem Gedränge am Bahnsteig hätte es so ganz schnell gefährlich werden können.

Auch bei der Tram ging am Dienstagmorgen kaum etwas. Zunächst fuhr laut MVG nur die Linie 19 im 20-Minuten-Takt, um 8 Uhr folgten dann die Linien 16, 17 und 27. "Die restlichen Linien fuhren nicht. Laut MVG waren rund 20 von 100 Zügen im Einsatz.

Bei den Bussen sah die Lage deutlich besser aus. Der Grund: Für den Busverkehr waren auch private Unternehmen im Einsatz, deren Fahrer nicht zum Warnstreik aufgerufen worden waren. Alle Linien fuhren nach einer Verzögerung mit etwa 250 Fahrzeugen zumindest im 20-Minuten-Takt. Normalerweise sind mehr als 550 Busse in der Hauptverkehrszeit unterwegs.

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Der Gewerkschaft zufolge folgten am Dienstag rund 800 Beschäftigte in München dem Streikaufruf. Einen weiteren ÖPNV-Streik in dieser Woche soll es nicht mehr geben.

Die MVG warnte bereits im Vorfeld vor großen Einschränkungen und Behinderungen. Da viele Fahrer am Streik teilnehmen, stellte die MVG den U-Bahnverkehr von Betriebsbeginn bis etwa 18 Uhr komplett ein – auch aus Sicherheitsgründen. Viele der Bahnhöfe werden dafür zugesperrt.

Der U-Bahnhof am Hauptbahnhof – menschenleer. So sah es im vergangenen Jahr beim Streik aus.
Der U-Bahnhof am Hauptbahnhof – menschenleer. So sah es im vergangenen Jahr beim Streik aus. © Tobias Hase/dpa

Streik im ÖPNV: Busse im Notbetrieb

Bei den Bussen versuchte die MVG, zumindest einen Notfahrplan aufrechtzuerhalten. Wir hoffen, einen 20-Minuten-Takt einrichten zu können", so MVG-Chef Ingo Wortmann am Donnerstag zur AZ. Bei den Trambahnen war im Vorfeld noch unklar, wie sehr der Streik die Verfügbarkeiten einschränken wird. Doch die aktuelle Lage zeigt, dass auch bei der Tram zu massiven Problemen kommt.

Alle Fahrgäste wurden gebeten, sich am Dienstag auf der MVG-Webseite und über den Streckenagenten zu informieren. Die S-Bahn war nicht vom Streik betroffen und fuhr normal.

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Streik: Am Dienstag fährt keine U-Bahn in München

Wortmann zeigte bereits am Sonntag Unverständnis für den angekündigten Streik: "Wir können unseren Fahrgästen zum jetzigen Zeitpunkt nur raten, am Dienstag auf andere Verkehrsmittel auszuweichen. Wenn wir bestreikt werden, wird der Platz in den verbleibenden Fahrzeugen knapp, sofern überhaupt ein sinnvoller Linienbetrieb möglich ist. Die Gewerkschaften müssten sich fragen lassen, wie sich ein solcher Warnstreik in Coronazeiten verantworten lässt."

ver.di fordert einheitliche Regelungen in ganz Deutschland

ver.di fordert im Tarifkonflikt für bundesweit 87.000 Beschäftigte unter anderem einheitliche Regelungen in jedem Bundesland in Bezug auf Urlaubstage und Sonderzahlungen. Seit März fordert die Gewerkschaft hierzu die Verhandlung eines bundesweiten Rahmentarifvertrags. Am Wochenende hatte sich die Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) gegen die Aufnahme von Verhandlungen ausgesprochen.

Der ÖPNV brauche dringend einheitliche Regelungen zur Entlastung für die Beschäftigten, sonst könne die Verkehrswende angesichts des Fachkräftemangels nicht gelingen, erklärte Kai Winkler von ver.di Bayern. "Der Warnstreik ist ein entschlossener Weckruf an die Arbeitgeber, an den Verhandlungstisch zu kommen", betonte Winkler: "Die Arbeitgeber haben mit ihrer Verweigerungshaltung den Streik provoziert. Wir hoffen, dass sie das Signal verstehen und baldmöglichst in Verhandlungen eintreten werden."

SWM: "Warnstreik in München wäre nicht nachvollziehbar"

Albrecht äußerte ebenfalls Unverständnis über das Vorgehen der Gewerkschaften. "Die in München gültigen Tarifverträge TV-N Bayern und TV MVG haben bereits ein hohes Niveau. Und beide werden aktuell bereits verhandelt. Es macht keinen Sinn, jetzt zeitgleich und zusätzlich über einen Bundestarifvertrag zu sprechen."

Laut MVG sind die nächsten Verhandlungsrunden für den TV-N und den TV MVG am 19. und 30. Oktober angesetzt. Wortmann: "Ich fordere die Gewerkschaften auf, schnellstmöglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren."

Bereits im vergangenen Jahr war es in München zu einem Streik im ÖPNV gekommen. Stundenlang fuhren keine U-Bahnen, der Verkehr bei Bus und Tram war stark eingeschränkt.

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