Expertin erklärt: Warum ein Party-Verbot in München nicht sinnvoll ist

Jugendliche brauchen Platz zum Feiern. Da während der Pandemie Partys nur draußen stattfinden können, sind Konflikte vorprogrammiert. Eine Psychologin erklärt, warum Krawalle entstehen und wieso Verbote nichts bringen.
| AZ/dpa
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Der Münchner Gärtnerplatz gilt als Party-Hotspot für Jugendliche. (Archivbild)
Der Münchner Gärtnerplatz gilt als Party-Hotspot für Jugendliche. (Archivbild) © Sven Hoppe/dpa

München - Die einen wollen nachts draußen feiern, die anderen schlafen – ein Konflikt, der sich während der Pandemie dramatisch verschärft hat. Polizei und Behörden sind auch dieses Wochenende wachsam. Auch in München. 

Immer wieder kommt es zu Krawallen, Konfrontationen und Konflikten zwischen der Polizei und Jugendlichen, die draußen feiern müssen, da es sonst keine Möglichkeit gibt. Beim Deutschen Jugendinstitut (DJI) heißt man diese Eskalation nicht gut. Doch Jugendliche pauschal zu verurteilen und öffentliches Feiern zu verbieten, halten die Experten für verkehrt. "Ein Gegeneinander der Generationen ist alles andere als hilfreich", sagt die Diplompsychologin Nora Gaupp der Deutschen Presse-Agentur.

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Am DJI sucht man nach Gründen, warum es in manchen Nächten eskaliert und etwa Polizisten mit Flaschen beworfen werden, wie Ende Mai am Odeonsplatz. Das Nachtleben vor der Pandemie habe sich verteilt, etwa auf Clubs und Bars. "Samstagabend in der Disco gab es auch Konflikte", meint der Sozialwissenschaftler Bernd Holthusen. Jetzt verdichte sich alles an wenigen Orten: "Das Einzige, was jetzt noch offen hat, sind die öffentlichen Plätze."

Psychologin: Feiern im Freien soll auf keinen Fall verboten werden

Die meisten jungen Menschen seien sehr verantwortungsbewusst. Doch es gebe eine Minderheit von Gewaltbereiten oder gar Straftätern, die sich unter die Feiernden mischten. Gepaart mit Alkohol, dem Schutz der Dunkelheit und der Menschenmenge könne eine gefährliche Dynamik entstehen. "Jeder hat eine Flasche in der Hand, mit der man auch Unsinn machen kann", sagt Holthusen. Wer dann sage, "hört auf mit dem Scheiß", riskiere, selbst angegriffen zu werden.

Das Feiern im Freien sollte auf gar keinen Fall verboten werden, findet Gaupp. Jugendtypische Räume wie Clubs seien weggebrochen. Junge Menschen müssten ohne Eltern unterwegs sein, sich ausprobieren und Erfahrungen sammeln, auch mit der Liebe. "Es ist nicht naheliegend, dass 20-Jährige das in ihrem Kinderzimmer machen, während die Eltern nebenan fernsehen." Zudem dürfe man Jugendliche nicht nur unter den Aspekten Schule und Regeln brechen sehen. Denn ihre Bereitschaft, Corona-Maßnahmen zu beachten, sei ausgesprochen hoch.

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Öffentlicher Raum mit Konfliktpotenzial 

Kommunen sollten lieber mit jungen Menschen gemeinsam nach Orten zum Feiern suchen, auch mit Blick auf die Zeit nach der Pandemie. Denn auch in Zukunft werde es Konflikte um den öffentlichen Raum geben, gerade in wachsenden Städten wie München, sagt Gaupp. Viele Junge könnten es sich nämlich nicht leisten, sich gepflegt zum Italiener zu setzen und dafür viel Geld zu zahlen. "Jugendliche kaufen sich eher eine Flasche Weißwein im Supermarkt und setzen sich zusammen an die Isar."

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