Etliche Überstunden: Münchens Polizei kämpft am Limit

Der Ruf als eine der sichersten Großstädte in ganz Europa ist teuer erkauft. Die rund 5.700 Beamten in München schieben einen gigantischen Berg an Überstunden vor sich her.
| Ralph Hub
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Großeinsätze wie Fußball-Spiele sorgen immer wieder für Überstunden.
Andreas Gebert/dpa Großeinsätze wie Fußball-Spiele sorgen immer wieder für Überstunden.

München - Die Münchner Polizisten schuften bis zum Anschlag – und das bereits seit vielen Jahren. Die Arbeit wird sogar noch mehr, weil München weiter wächst. Jedes Jahr ziehen im Schnitt rund 30.000 Menschen nach München. Zum Vergleich, das sind fast doppelt so viele Menschen, wie Wolfratshausen Einwohner hat.

Die personelle Ausstattung des Polizeipräsidiums hält da nicht mit. Rund 5.700 Beamte beträgt die Soll-Stärke. Tatsächlich verfügbar sind aber etliche Hundert weniger. Ein Teil des Personals ist auf Fortbildung, in Elternpause, Krankheit oder aus sonstigen Gründen nicht im Dienst.

Die verbleibenden Kollegen müssen das ausgleichen. Mit dem Ergebnis, dass sich bei der Münchner Polizei ein gigantischer Überstundenberg auftürmt hat. 550.000 Stunden sind es laut aktuellen Zahlen aus dem Präsidium. "Damit sind wir in Bayern Spitzenreiter", sagt Jürgen Ascherl, Vize-Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. "Die Personalsituation ist äußerst kritisch", warnt Ascher.

Die Zahl der Überstunden ist 2012 um über 62 Prozent angestiegen, rechnet der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn vor. Pro Kopf seien es im Präsidium 2012 noch 51 Stunden gewesen, inzwischen aber 86 Überstunden.

München bräuchte mindestens 400 zusätzliche Polizisten

In einer Anfrage an die Staatsregierung wollte der SPD-Politiker wissen, was sich daran geändert hat. Fast nichts, lässt die Antwort aus dem Innenministerium erahnen. Demnach liege die Zahl der durchschnittlichen Überstunden pro Polizist in München bei 83. Insgesamt seien im Präsidium 492.536 Überstunden aufgelaufen (Stand 31.12.2016). "Da wird viel getrickst", erklärt Florian von Brunn die unterschiedlichen Zahlen. Er wirft dem Innenministerium vor, der Fürsorgepflicht gegenüber den Polizeibeamten im Bereich des Polizeipräsidiums München nicht nachzukommen.

400 neue Polizisten seien notwendig, sagt Gewerkschafter Jürgen Ascherl. Die wird München nicht bekommen. In ganz Bayern, so hat Innenminister Joachim Herrmann angekündigt, werden 500 Polizisten eingestellt. 2016 bekam München laut Innenministerium zu den vorgesehen 41 zusätzliche Stellen acht weiter. Für das laufende Jahr sind zehn weitere Stellen geplant.

Terror-Gefahr, Objektschutz, Fußballspiele, Konzerte, Oktoberfest, Sicherheitskonferenz: Die Liste der zusätzlichen Aufgaben ist lang. Momentan sind rund 800 Polizisten aus Bayern in Hamburg, um den Gipfel der G20 zu schützen. Von Brunn: "Der Anstieg der Überstunden ist beschämend. Das beweist die völlig unzureichende Personalsituation." Das Innenministerium wolle die Lage „kaschieren und schönreden“. So schaffe man weder mehr Sicherheit noch helfe man den Beamten und Beschäftigten bei der der Polizei.

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