Nuovo Mediterraneo: Mit Pasta optimistisch durch die Pandemie

Zum Konzept des "Nuovo Mediterraneo" gehört, sich immer wieder etwas Neues auszudenken. So schafft es der Italiener durch die Corona-Krise.
| Ruth Frömmer
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Wenn's mal schnell gehen muss, liefert Riccardo Pastore seine heißen Panzerotti auch persönlich aus.
Wenn's mal schnell gehen muss, liefert Riccardo Pastore seine heißen Panzerotti auch persönlich aus. © Daniel von Loeper

München - Es gibt Glückskinder, denen kann auch die Corona-Krise nichts anhaben. Zwei von ihnen sind die Brüder Riccardo und Antonio Pastore. Seit 40 Jahren arbeitet der 53-jährige Riccardo in der Gastronomie. Angefangen hat alles in seiner Heimatstadt Andria in Apulien. Schon als Bub hat er die Schule geschwänzt, um in der "Pizzeria da Bruno" Pizza zu backen. Vom dortigen Chef hat er alles gelernt, was man in Sachen italienische Küche wissen muss.

Vor 30 Jahren kam der quirlige Italiener nach Deutschland - zunächst als Kellner im Bayerischen Hof. Weitere Stationen sind unter anderem das Tantris und Eckart Witzigmanns Aubergine. Das Nuovo Mediterraneo ist sein viertes eigenes Lokal. Davor führte er ein gehobenes Restaurant, ebenfalls in Bogenhausen. "Das hat viel Spaß gemacht. Aber ich wollte ein neues Konzept", begründet er den Wechsel.

Seit 2013 setzt er in der Ismaninger Straße 27 auf eine lockere Atmosphäre mit guter, saisonaler Küche. Klein, aber fein, nicht zu ausgefallen, und immer besonders. So gibt es dort schon seit sieben Jahren die Pizza auch mit Dinkelteig oder glutenfrei. Brot, Grissini, Pastateig - hier ist alles hausgemacht. Sogar das Olivenöl kommt aus der Manufaktur des Vaters in Apulien.

Neu und exklusiv in München: apulisches Streetfood

Die Tageskarte wechselt oft - je nach Saison und Angebot. Aktuell gibt es viel mit Steinpilzen und Trüffeln. Brandneu im Sortiment sind ab sofort Panzerotti. Die frittierten Hefeteig-Taschen kann man in Apulien an jeder Ecke frisch auf die Faust kaufen - in München gab es diese bisher noch nicht.

Gefüllt sind sie entweder mit Mozzarella, Tomaten und Basilikum (5 Euro) oder mit Sardellen, Kapern und Basilikum (6 Euro). Panzerotti werden heiß und knusprig mit der Hand gegessen, eignen sich also perfekt als kleiner Snack zwischendurch.

Lieferando, Lastenrad und Heizstrahler

Da in Süditalien gerade Granatapfel-Saison ist, gibt es jetzt auch Granatapfelsaft im Nuovo Mediterraneo: frisch gepresst zusammen mit etwas Bio-Zitrone eine aromatische süßsaure Vitaminbombe (5,50 Euro). Selbstverständlich gibt es den Saft auch To-Go.

Die Kundschaft nimmt das Angebot schon seit eh und je gut an. Von Anfang an gab es bei den Pastores alle Speisen und Getränke auch zum Mitnehmen. Dank der Lage des Restaurants gegenüber vom Klinikum rechts der Isar holen sich täglich Patienten, Besucher und Personal ihr Mittag- oder Abendessen. Seit März arbeitet das Lokal mit Lieferando zusammen. Für persönliche Auslieferungen haben sich die Pastores vor Kurzem ein Lastenrad angeschafft.

Küchen-Maestro Antonio Pastore bereitet die apulische Spezialität immer frisch zu. Dann nur noch ab in die Fritteuse und Reinbeißen.
Küchen-Maestro Antonio Pastore bereitet die apulische Spezialität immer frisch zu. Dann nur noch ab in die Fritteuse und Reinbeißen. © Daniel von Loeper

Die Außenterrasse war schon vor Corona mit Paravents und Heizstrahlern ausgestattet. 40 Gäste finden dort Platz. Im Inneren des Lokals gibt es 30 Plätze, in den Corona-Monaten waren es immerhin noch 20. Den Einkauf macht Riccardo Pastore immer tagesaktuell. Er kauft lieber wenig und hält die Karte klein. Und vermeidet dadurch Verluste. "Und so war der vergangene Juli trotz Corona der umsatzstärkste Juli, den wir je hatten!" freut sich Pastore und sieht den nächsten Monaten optimistisch entgegen.

Unbürokratisches Tauschgeschäft: Pizza gegen Zucchiniblüten

Vergangene Woche hat er sich sogar einen Urlaub in seiner Heimat Apulien gegönnt. Und jede Menge Spezialitäten mit nach München gebracht. Von Granatäpfeln, Zitronen, Orangen, Kaktusfeigen bis zum Olivenöl. In München kauft Pastore möglichst viel regional ein.

Seine Lieferanten im Umland sind handverlesen. Wenn der sportliche Pastore in seiner Freizeit mit dem Fahrrad unterwegs ist und ein interessantes Feld entdeckt, setzt er sich mit dem verantwortlichen Gemüsebauern in Verbindung. So sind schon einige Lieferanten-Kontakte entstanden. Die Salate kommen zum Beispiel aus Oberpframmern bei Glonn. In Putzbrunn pflückt Pastore jeden Sommer Zucchiniblüten und versorgt den Gemüsebauern im Gegenzug mit Pizza.

Vitamin-Tipp der Pastore-Brüder im November: Granatapfelsaft.
Vitamin-Tipp der Pastore-Brüder im November: Granatapfelsaft. © Daniel von Loeper

Riccardo Pastores Erfolgskonzept besteht aus täglichen Schritten. So kann er kurzfristig auf Herausforderungen reagieren: "Bevor ich einschlafe, überlege ich mir jeden Tag, was ich morgen mache. Man muss das Wasser immer in Bewegung halten. Sobald es steht, fängt es zu stinken an."


Nuovo Mediterraneo | Ismaninger Straße 27 | Mo-Sa: 11 bis 14.30 Uhr, 17 bis 21.30 Uhr | Tel.: 470 66 99

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