Nach fast 41 Jahren: Münchner Kult-Wirtin gibt Wirtshaus auf
Wenn ein Mann 55 Kilometer radelt, um seiner Lieblingswirtin Servus zu sagen, dann muss sie etwas richtig gemacht haben. Die Wirtin heißt Lenka Timmermann und ihr Lokal Romina's. "Nach 40 Jahren und zehn Monaten höre ich jetzt auf", sagt sie zur AZ. Der radelnde Stammgast heißt Uwe Wagner. Seit vielen Jahren kommen er und seine Spezln nach dem Kegeln zu Lenka. Obwohl Wagner inzwischen in Landsberg wohnt, radelt er immer noch regelmäßig in die Garmischer Straße, ratscht mit Lenka, lässt sich ein Gulasch oder ein paar Fleischpflanzerl servieren, trinkt ein Bier dazu und macht sich wieder auf den Heimweg.

Lenka Timmermann fällt der Schlussstrich nicht leicht. "Ich werde bald 74 Jahre alt und arbeite, seit ich 17 bin", erzählt sie der AZ. Aber schließlich hat sie sich doch auf die Suche nach Nachfolgern gemacht und ein passendes Paar gefunden. Milan und Desa wollen alles so lassen, wie es ist, und nur ein paar Kleinigkeiten verändern, zum Beispiel die Küche ein wenig ausweiten. Lenka bietet nur kleine Speisen an. Ein Paar Wiener, Suppe, Toast Hawaii oder Schinkennudeln, auch oft Fleischpflanzerl oder Gulasch. Was hier im Mittelpunkt steht, ist das Menschliche. Die Gäste ratschen, spielen zwischendurch eine Runde Darts oder Karten. Weil's so gemütlich ist, vertrauen sie Lenka sogar die Geheimzahlen ihrer Kreditkarten an. Dann müssen sie zum Zahlen nicht aufstehen.

Lenka Timmermann hat fast ihr ganzes Leben lang in der Gastronomie gearbeitet. Das Lokal in der Garmischer Straße war ihr erstes eigenes. "Das ist mein erstes Kind, das ich ohne Mann in die Welt gesetzt habe", erzählt sie.
"Le jardin" hat sie es zunächst genannt. Sie sperrte morgens um acht Uhr auf und wollte es als Mischung aus Café und Bistro betreiben. Den Namen konnte kein Gast aussprechen und so hat sie es nach ihrer Tochter Romina umgetauft und auch die Öffnungszeiten nach hinten verschoben. Anfangs hatte sie noch ein Mitarbeiter-Team. Heute macht sie alles selbst: "Von Bierzapfen über Kochen bis Kloputzen."

Viele Stammgäste der ersten Stunde sind schon gestorben. Aber einige kommen auch heute noch. Die Atmosphäre ist familiär. Ex-Nachbarn, die aus München weggezogen sind, besuchen Lenka, wenn sie in der Stadt sind. Aber der Großteil der Menschen an den Tischen kommt aus der Nachbarschaft. "Schließlich ist das hier das einzige Wohnzimmer in Sendling inklusive Bedienung", sagt Lenka und lacht. Der Umgang mit ihren Gästen ist liebevoll. "Ich knuddle alle", sagt sie und liefert den Beweis ein paar Minuten später. Da kommt eine Damenrunde und verabschiedet sich bei ihr mit einer schönen Blume.

"Die kann ich gut gebrauchen", freut sich Lenka. Denn sie und ihr Mann ziehen nach Bad Tölz. "Mein Mann wollte raus aus der Stadt und einen Garten haben", sagt sie. Ob das ihr neues Hobby wird, kann sie noch nicht sagen. "Ich werde jetzt erst mal meinen Mann ärgern", sagt sie. "Vor allem will ich meine Knochen ausruhen!" Die vielen Hitzetage in diesem Jahr waren anstrengend. Am Donnerstag ist ihr letzter Arbeitstag. Bis dahin macht sie weiter wie gehabt. Eine Geburtstagsfeier findet noch statt und die Stammtische kommen wie gehabt. Vielleicht wird sie ihre Gäste ein bisschen fester knuddeln als sonst.

Hinter der Theke ist sie in ihrem Element. Wer sie so sieht, kann sich kaum vorstellen, dass sie in Zukunft nur noch als Gast ins Romina's kommen wird. Die AZ wünscht ihr, dass ihre Nachfolger sie herzlich umsorgen, wie sie selbst es ihr Leben lang gemacht hat.
Garmischer Str. 236
Die große Abschiedsfeier steigt am 27.8.
Nach einer kleinen Pause wollen die neuen Betreiber schon kurz darauf wiedereröffnen.
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