Frankenwein in München unter Druck: Nach Ratskeller-Aus droht nächster Einschnitt

Der Frankenwein verliert in München wichtige Ausschankorte: Nach der Schließung des Ratskellers im Jahr 2025 macht nun auch eine bekannte Weinbar am Odeonsplatz dicht. Im AZ-Interview erklärt Hermann Schmitt, Geschäftsführer des Fränkischen Weinbauverbands, wie es zum Bruch mit den Betreibern kam.
Niclas Vaccalluzzo
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Im AZ-Interview erklärt Hermann Schmitt, Geschäftsführer des Fränkischer Weinbauverbands, den Konflikt mit den Betreibern der Frank-Weinbar und die Folgen des Ratskeller-Aus.
Im AZ-Interview erklärt Hermann Schmitt, Geschäftsführer des Fränkischer Weinbauverbands, den Konflikt mit den Betreibern der Frank-Weinbar und die Folgen des Ratskeller-Aus. © Fränkischer Weinbauverband

Mit dem Ratskeller hat einer der größten Abnehmer fränkischen Weines der Stadt geschlossen. Nun hat sich der Fränkische Weinverband auch noch mit den Betreibern der Frank Weinbar am Odeonsplatz verkracht (AZ berichtete), die im September schließen. Was hat zum Bruch geführt? Und welchen Stellenwert hat Frankenwein in München heute noch? Darüber spricht die AZ mit Hermann Schmitt, Geschäftsführer des Fränkischer Weinbauverbands.

AZ: Herr Schmitt, die Frank Weinbar gilt vielen als Vorzeigeprojekt für Frankenwein in München. Warum ist es nun zum Bruch mit den Betreibern gekommen?
HERMANN SCHMITT: Die Betreiber haben von Problemen ganz unterschiedlicher Natur berichtet. Ein Punkt waren die Rahmenbedingungen vor Ort – etwa kurzfristige Veranstaltungen in der Umgebung, die den laufenden Betrieb massiv gestört haben sollen. Das kann ich durchaus nachvollziehen.

Gleichzeitig gab es Kritik an der Vertragsgestaltung mit dem Verband.
Man muss dazu wissen: Der Verband hat 2017 gemeinsam mit zehn Winzern eine GmbH gegründet und damals rund eine halbe Million Euro investiert. Die Vereinbarung sah vor, dass die Pächter deren Weine beziehen und – im Rahmen einer „Investitionspacht“ – zur Refinanzierung der Weinbar beitragen. Bei den Vertragsverhandlungen zur Verlängerung des Pachtvertrages ging es auch darum, dass weiterhin ein bestimmter Teil der Weine von den an der GmbH beteiligten Weingütern abgenommen werden muss. Die Pächter wollten sich jedoch künftig frei aussuchen können, welche Frankenweine sie beziehen. Das ist aber – um es plakativ zu sagen – ähnlich wie bei einer Brauereigaststätte: Wer pachtet, verpflichtet sich in der Regel auch zum Bezug bestimmter Produkte.

Schließung der Frank Weinbar: "Unsere Spielräume waren begrenzt"

Ein weiterer Streitpunkt war offenbar die kurze Vertragslaufzeit.
Wir hätten den Betreibern gern einen längerfristigen Vertrag angeboten. Allerdings mit der Einschränkung, dass bei Eigenbedarf des Freistaats geräumt werden müsste. Der Eigentümer – die Bayerische Schlösserverwaltung – vergibt in solchen Fällen in der Regel nur Jahresverträge. Deswegen konnten wir die gewünschten fünf oder zehn Jahre bedauerlicherweise nicht zusagen.

Hat es aus Ihrer Sicht dennoch Versuche gegeben, einen Kompromiss zu finden?
Wir standen in engem Austausch mit allen Beteiligten und haben intensiv nach Lösungen gesucht. Leider waren unsere Spielräume begrenzt. Unser Ziel war ein ausgewogenes Konzept: etwa die Hälfte der Weine von den GmbH-Weingütern, die andere Hälfte frei wählbar. Am Ende hatten die Pächter einfach andere Vorstellungen.

Nach einem Konflikt mit dem Verpächter – dem Fränkischen Weinbauverband – zieht Wirtin Candy Calligaro den Schlussstrich. Die Frank Weinbar schließt im September.
Nach einem Konflikt mit dem Verpächter – dem Fränkischen Weinbauverband – zieht Wirtin Candy Calligaro den Schlussstrich. Die Frank Weinbar schließt im September. © Daniel von Loeper

Warum hat die Frank Weinbar Ihrer Meinung nach so gut funktioniert?
Da kam vieles zusammen: Die Pächter haben einen guten Job gemacht, hatten ein für München stimmiges Konzept, aber natürlich hat auch der gute Standort eine Rolle gespielt. Frankenwein punktet zudem mit Rebsorten wie dem Silvaner, Weißburgunder oder auch Chardonnay, die hervorragende Speisebegleiter sind. Weißweine waren in den letzten Jahren generell stark gefragt. Insgesamt war das eine sehr gute Kombination.

Im Herbst ist nun Schluss. Wie geht es danach weiter?
Wir haben das Objekt bereits ausgeschrieben und es gibt erste Interessenten. Ich bin zuversichtlich, dass es im Herbst mit neuen Pächtern weitergeht. Der Standort ist nach wie vor sehr attraktiv.

Ratskeller seit 2025 geschlossen: "Ausgesprochen schade"

Mit der Schließung des Ratskellers ist Ende 2025 ein weiterer enormer Abnehmer fränkischen Weins weggebrochen. Was bedeutet das für den Verband?
Das ist ein schmerzhafter Verlust, auch wenn der Fränkische Weinbauverband davon nicht direkt betroffen ist. Der Ratskeller war für den Frankenwein etwas ganz Besonderes. Bereits 1983, im Rahmen der internationalen Gartenbauausstellung, wurde von dem späteren Wirt Peter Wieser bewusst entschieden, Frankenwein als Alleinstellungsmerkmal zu etablieren – als Weingaststätte, nicht an eine Brauerei gebunden. Das war damals visionär. Im Ratskeller wurden schätzungsweise über 100.000 Liter Frankenwein pro Jahr ausgeschenkt. Dass dieses Lokal nun fehlt, ist ausgesprochen schade. Viele Münchner werden den Ratskeller sehr vermissen.

Durch die Schließung des Ratskellers 2025 fließen rund 100.000 Liter weniger Frankenwein in München.
Durch die Schließung des Ratskellers 2025 fließen rund 100.000 Liter weniger Frankenwein in München. © imago

Lässt sich eine solche Menge überhaupt kompensieren?
Kurzfristig wahrscheinlich nicht. Für die Weingüter bedeutet das, neue Wege zu gehen – etwa durch den Aufbau weiterer Exportmärkte. Gleichzeitig suchen wir gezielt nach Gastronomen in München, die den Fokus stärker auf Wein und weniger auf Bier legen. Vielleicht findet sich jemand, der diese Lücke zumindest teilweise schließen kann.

Wie versuchen Sie, die Gastronomie davon zu überzeugen?
Mit Gesprächen, Verkostungen und Präsentationen – man könnte es eine Charmeoffensive nennen. Wir Franken haben ja nicht nur sehr trockene Weine, sondern auch einen sehr trockenen Humor.

Frankenwein auf der Wiesn: "Da geht noch mehr"

Wie kommt Frankenwein heute bei den Münchnern an?
Deutlich besser als noch vor 20 Jahren. Inzwischen führen viele Wirtshäuser Frankenweine auf der Karte. München ist eine Weinhauptstadt, hier treffen viele Anbaugebiete aufeinander – die Pfalz, Österreich, Südtirol. Insgesamt haben wir große Fortschritte gemacht, fränkische Weine sind längst auch südlich der Donau eine feste Größe. Darüber freuen wir uns. Ich glaube dennoch, man könnte noch stärker an den „Bayerischen Patriotismus“ appellieren: Franken ist das größte Weinanbaugebiet Bayerns.

Ein großes Schaufenster wäre die Wiesn. Wie präsent ist Frankenwein dort?
Wir sind vertreten, etwa in Käfers Wiesn-Schänke oder in Kufflers Weinzelt. Insgesamt könnten wir uns auf dem Oktoberfest deutlich mehr Frankenwein vorstellen. Bei Themen wie Regionalität und Ökologie sind wir sehr gut aufgestellt. Da geht noch mehr – das ist allerdings auch eine Frage der Zusammenarbeit zwischen Winzern und Gastronomen.

Wie ist das Ansehen des Frankenweins inzwischen generell in München?

Der Silvaner hat sich klar seinen Markt erobert. Der Erfolg der Frank Weinbar zeigt, dass Frankenwein in München begehrt ist. Mit dem Alten Hof haben wir außerdem eine sehr erfolgreiche Eventlocation, in der regelmäßig Frankenwein ausgeschenkt wird. Wir sind präsent, wünschen uns aber noch mehr Sichtbarkeit, sei es in der Gastronomie oder auch mit vielen Verkostungen. Wir werden auch in Zukunft auf München als Weinhauptstadt setzen.

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