Endspurt für Olympia: Jetzt holt München Kiel mit an Bord

Am Samstag gibt der DOSB bekannt, welche deutsche Stadt sich für Sommerspiele 2036, 2040 oder 2042 bewirbt. Warum sich schon an diesem Dienstag eine Richtung abzeichnet, welche Chancen München hat und warum auch der Wahlausgang in Berlin dafür eine Rolle spielt. 
Autorenprofilbild Christina Hertel
Christina Hertel
|
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen  AZ als Quelle bevorzugen
Finden hier im Münchner Olympiapark wieder Olympische Spiele statt? Bald trifft der DOSB eine wichtige Entscheidung.
Finden hier im Münchner Olympiapark wieder Olympische Spiele statt? Bald trifft der DOSB eine wichtige Entscheidung. © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

Stolz zeigt Wiesn-Wirt Christian Schottenhamel am Samstag kurz nach dem Anstich ein Foto  – und zwar von der Kutsche, in der er und OB Dominik Krause (Grüne) aufs Festgelände eingefahren sind. Genauer gesagt: von deren Rückseite. Ein Herz ist da angebracht, "Unterstützung der Olympiabewerbung" steht darauf. An seine Trachtenjacke hat der Wiesn-Wirt einen "OlympJA"-Anstecker gepinnt. Und in diesen Tagen werden Vertreter des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ins Festzelt eingeladen, so erzählt es der Wirt.

All das ist freilich kein Zufall: Nächsten Samstag wird der DOSB seine Entscheidung bekannt geben, welche deutsche Stadt sich für Sommerspiele 2036, 2040 oder 2042 bewerben darf. Neben München sind Berlin und NRW im Rennen. An diesem Dienstag könnte sich abzeichnen, in welche Richtung es geht.

Bewertungsmatrix ist entscheidend

Im Dezember 2025 hat die DOSB-Mitgliederversammlung entschieden, dass für die Suche nach der deutschen Bewerberstadt eine komplexe Bewertungsmatrix eingesetzt wird. Wie gut die drei Konzepte abgeschnitten haben, soll am Dienstag bekannt gegeben werden. Da tagt die sogenannte Evaluierungskommission zum letzten Mal. Sie kann eine Empfehlung für eine Stadt aussprechen – muss das aber nicht tun.

Die Kommission besteht aus sechs stimmberechtigten Mitgliedern, zu denen unter anderem der DOSB-Präsident Thomas Weikert und die Staatsministerin für Sport Christiane Schenderlein (CDU) gehören. Bindend ist ihre Empfehlung nicht.

Am Samstag stimmen die 42 olympischen Fachverbände, das DOSB-Präsidium und acht aktive und ehemalige Sportler darüber ab, wer für Deutschland ins Rennen gehen soll. Von 144 Stimmen, die vergeben werden, entfallen 126 auf die Verbände, zu denen etwa auch der Kneipp-Bund und der FKK-Verband zählen.

München passt Konzept an – jetzt soll es mehr Tickets geben

"Wir finden es gut, dass es jetzt zum ersten Mal eine Bewertungsmatrix gibt", sagt Michael Asbeck, der bei der Stadt für die Münchner Bewerbung verantwortlich ist. "Doch es bleibt abzuwarten, ob das Ergebnis wiedergibt, wie die Stimmberechtigten die Konkurrenzfähigkeit der Bewerberstädte tatsächlich einschätzen."

München hat sein Konzept in den vergangenen Monaten – auch wegen dieser Bewertungsmatrix – angepasst. Zum Beispiel spielt der Ticketverkauf für die Bewertung eine Rolle. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) wirbt mit 17,6 Millionen Tickets, "den größten Spielen aller Zeiten". Noch im Mai ging München von 12,5 Millionen Tickets aus. Jetzt sollen es 15,6 Millionen sein.

Laut Asbeck habe die Stadt mit Sportverbänden Gespräche geführt und daraufhin das Sportstättenkonzept angepasst: Boxen war ursprünglich in der Messe vorgesehen. Die Finale sollen nun – so wie die Schwimmwettbewerbe – in der neuen Arena in Freising stattfinden. Das temporäre Schwimmbecken wird dafür mit einem Boxring überbaut, erklärt Asbeck.

Ob München und NRW tatsächlich so viele Tickets verkaufen können, bleibt abzuwarten. Zum Vergleich: Paris verkaufte zwölf Millionen Karten.

Warum Berlins Chancen schwinden

Am einfachsten dürfte sich Berlin tun, ein großes internationales Publikum anzuziehen. Denn keine deutsche Stadt ist im Ausland bekannter. Trotzdem könnten die Chancen der Hauptstadt eher mau ausschauen. Denn anders als in NRW und München haben die Berliner bisher nicht über Olympia abgestimmt. Es gibt bisher nur einen Beschluss des Abgeordnetenhauses.

Doch der CDU-Bürgermeister Kai Wegner ist abgewählt. Nun könnte es zu einer rot-rot-grünen Regierung kommen. Wahlsiegerin und Olympia-Gegnerin Elif Eralp von der Linken räumt der Berliner Bewerbung nun kaum noch Chancen ein: "Wir haben jetzt die Wahl auch mit diesen Aussagen zu Olympia gewonnen." Sie habe ganz klar gesagt, dass sie die sechs Millionen, die schon für die Olympiabewerbung ausgegeben wurden, für eine Steuergeld-Verschwendung halte. "Und es sollen ja noch viele Millionen und Milliarden dazu kommen. Ich sehe keine Vorteil für Berlin", so Eralp.

Anders als hier in München sind in Berlin nicht nur die Linken, sondern auch die Grünen gegen Olympia. Womöglich ist dem DOSB das zu unsicher? DOSB-Chef Otto Fricke gegenüber dem „Tagesspiegel“, dass das Berliner Wahlergebnis erst einmal nichts ändere. Fraglich ist, ob die Sportverbände, die am Samstag abstimmen, diese Einschätzung teilen.

In Kiel finden die Segel-Wettbewerbe statt

Nicht nur auf der Wiesn versucht München, in diesen Tagen für sich zu werben. Am Montag geben Stadt und Freistaat bekannt, dass die Segel-Wettbewerbe in Kiel stattfinden sollen – so wie 1972.

"Kiel und München verbindet viel", sagt OB Dominik Krause. Zum Beispiel das Parteibuch der Oberbürgermeister. Der Kieler OB Samet Yilmaz ist auch ein Grüner.

NRW hat sich noch auf keinen Segelstandort festgelegt – und für Rhein-Ruhr kommt Kiel theoretisch ebenso in Frage. Doch der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein Daniel Günther (CDU) schlägt sich schon jetzt auf eine Seite: "Wir hoffen, dass München den Zuschlag bekommt", lässt er sich in einer Mitteilung zitieren.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
Noch keine Kommentare vorhanden.
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.