Eisbachwelle: OB Reiter findet Kompromiss mit den Surfern
Der Eisbach macht in diesen Tagen seinem Namen alle Ehre: Frostige 2,9 Grad hatte er laut Eisbachwetter.de Ende der Woche. Das hinderte den OB-Kandidaten der FDP, Jörg Hoffmann, und den Spitzenkandidaten der Jungen Liberalen, Felix Meyer, aber nicht daran, sich am Freitag halb nackt ins eisige Wasser zu begeben und vollen Körpereinsatz zu zeigen für die Rettung der Eisbachwelle.

Denn der Surfer-Hotspot am Haus der Kunst ist bekanntermaßen seit Oktober keiner mehr. Bei der Bachauskehr war die berühmte Welle weggeputzt worden (AZ berichtete). Zuletzt war die Situation komplett verfahren. Die Stadtverwaltung pochte darauf, dass sie in Haftungsfragen wasserdicht abgesichert ist, die Surfercommunity ächzte unter überbordender Bürokratie mit seitenlangen Anträgen und immer neuen Auflagen. Am Freitag ist nun überraschend Bewegung in das Wellen-Thema gekommen.
Projektversuch soll Surfen wieder legalisieren
Kurz nachdem sich die Eisbader der FDP für eine Änderung des Haftungsrechts und mehr Freiheit zur Eigenverantwortung für die Surfer stark gemacht hatten, traf sich Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) mit Vertretern des Surfervereins IGSM und des Surfclubs München.
Das 1,5-stündige Gespräch im warmen Rathaus war offenbar lösungsorientiert. Wie die Beteiligten danach in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten, haben sie sich auf einen Projektversuch zur Wiederherstellung der Welle geeinigt, bei der das Surfen wieder erlaubt ist – unter Vorgaben.

Demnach übernehmen die IGSM und der Surfclub München die Verantwortung und damit auch die Haftung für den Versuch. Details dazu sollen noch bilateral geklärt werden.
Die technische beziehungsweise statische Untersuchung für die Bauwerke des Versuchs übernimmt die Stadt. Damit dürfte sich der Antrag für den Projektversuch aus Surfersicht deutlich vereinfachen.
Surfer setzten sich durch, die Stadt lenkte ein
Sollte es in der Versuchsphase zu einem Notfall kommen – heißt es in der Erklärung weiter – seien die städtischen Leitstellen rund um die Uhr sieben Tage die Woche erreichbar. Damit ist eine bisherige Forderung der Stadt vom Tisch, dass eine Person aus der Surfcommunity rund um die Uhr erreichbar sein müsse für den Fall der Fälle. Die Surfer haben sich somit in wesentlichen Punkten durchgesetzt, die Verwaltung hat in einigen Punkten eingelenkt.
Gemeinsam erklärten die Beteiligten, dass "wichtige Fortschritte zur Zukunft der Eisbachwelle erzielt" worden seien. Ziel des Treffens im Rathaus sei gewesen, eine konkrete Perspektive für eine baldige Wiederherstellung der Welle zu schaffen.

Teilgenommen hatten an dem Treffen auch Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamts und der städtischen Fachreferate.
Für Martin Grün, Präsident des Surfclubs München, war’s ein wichtiger Tag. "Der Oberbürgermeister hat sich verpflichtet, dass absolut klar ist, dass dort wieder langfristig gesurft werden muss." Mit der (Eigen-)Verantwortung hätten die Surfer keine Probleme. "Das hatten wir noch nie."
Einigermaßen sicher scheint nun auch, dass die Surfer schneller wieder auf die Eisbachwelle können als es zuletzt kommuniziert wurde ("im Frühjahr"). Wann genau, ist aber noch unklar.
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