Einschenk-Test: Ganz volle Krüge gibt es nicht

Es sollte ein Liter sein – nur ist das praktisch nie der Fall. Bis zu 200 Milliliter weniger hat der Verein für betrügerisches Einschenken letztes Jahr gemessen. Aber es gibt auch vorbildliche Zelte
| Laura Kaufmann
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Eine Bedienung traegt in Muenchen auf dem Oktoberfest im Schottenhamel-Festzelt Bierkruege.
dapd Eine Bedienung traegt in Muenchen auf dem Oktoberfest im Schottenhamel-Festzelt Bierkruege.

Es sollte ein Liter sein – nur ist das praktisch nie der Fall. Bis zu 200 Milliliter weniger hat der Verein für betrügerisches Einschenken letztes Jahr gemessen. Es gibt auch vorbildliche Zelte

MÜNCHEN - Es ist so sicher wie die Anhebung des Bierpreises – jedes Jahr zieht der Verein gegen betrügerisches Einschenken durch die Wiesnzelte und kontrolliert, wie voll die Maßkrüge eingeschenkt sind. „Wir werden auch dieses Jahr zweimal unterwegs sein“, sagt Jan-Ulrich Bittlinger, der Präsident des Vereins. Per Facebook trommelt er dann Vereinsmitglieder und Fans zusammen und stattet sie mit Maßbändern aus. „So können wir um die 100 Liter Bier testen und bekommen ernst zu nehmende Ergebnisse“, sagt Bittlinger.

Die vollste Maß vom Vorjahr servierte die Ochsenbraterei. Beim Test in der ersten Woche schnitt das Zelt mit einem respektablen Füllstand von 0,88 Litern ab, in der zweiten Woche ist es mit 0,95 Litern Tabellenführer. „Es kann nicht jede Maß gleich sein“, sagt Wirtin Antje Schneider. „Wir haben unseren Tscholl Sepp, Oberaufsicht der Schankkellner, der seit ’79 bei uns ist. Der schaut, dass alles passt."

Super eingeschenkt sind die Krüge auch im Armbrustschützenzelt – zweimal 0,90 Liter maßen die Tester, kein Grund zur Beschwerde.

Das Hackerzelt, so Bittlinger, rangiert meist auf den vorderen Plätzen. „Ich habe meistens die gleichen Schankkellner, und unsere Bedienungen dürfen höchstens zehn Maß tragen, damit nichts verplätschert“, sagt Wirt Toni Roiderer. „Aber mit Absicht schenkt bei uns keiner schlecht ein“, meint er, „keiner will seine Gäste verärgern. Außerdem ist in Bayern ein schönes Bier mit Schaum versehen.“ Mit 0,94 Litern in der ersten und 0,86 Litern in der zweiten Woche konnte das Hacker letztes Jahr punkten.

Auch im Hippodrom sind die Krüge anständig gefüllt, 0,90 Liter in der ersten und 0,83 Liter in der zweiten Wiesn-Woche hatten die Tester notiert.

Durchschnittlich: die Bräurosl mit 0,88 und 0,86 Litern; das Löwenbräuzelt mit 0,85 und 0,89 Litern, der Schottenhamel mit 0,85 und 0,88 Litern.

Im Augustinerzelt bekamen die Tester in beiden Wochen schon magerere 0,86-Liter-Maßkrüge serviert.

Im Winzerer Fahndl und in Käfers Wiesn-Schänke notierten die Tester jeweils 0,84 und 0,86 Liter. „Bier ist bei uns nicht das Allerwichtigste, und da kann es sein, dass es mal zu hastig eingeschenkt wurde, wenn viel los ist“, sagt Michael Käfer. „Das sollte aber nicht vorkommen, das ist natürlich gegen unsere Philosophie.“ Nicht besonders glorreich sind auch die Zahlen aus der Fischer-Vroni mit 0,83 und 0,88 Litern im Glas.

Im Schützenzelt hielt der Verein in der ersten Woche noch einen anständigen Durchschnitt von 0,87 in der Hand, in der zweiten Woche notierte er hier das schlechteste Testergebnis: Mit nur 0,80 Litern Bier war der Krug gefüllt - 0,2 Liter weniger als eigentlich bezahlt.

„Wenn ein Krug schlecht eingeschenkt ist, kann der Gast einen Neuen verlangen“, sagt Wirte-Sprecher Toni Roiderer. „Manchmal liegt’s auch am Bier, wenn’s sehr Kohlesäure-haltig ist, ist’s schwieriger, genau einzuschenken.“

Natürlich ist nicht nur der Verein für betrügerisches Einschenken unterwegs – auch das Kreisverwaltungsreferat schickt täglich Kontrolleure durch die Wiesnzelte. Sie stoppen eine Bedienung, nehmen ihr die Krüge ab, lassen den Schaum setzen und fixieren Maßstäbe am Krug.

Bei 0,15 Liter liegt die Toleranzgrenze – so viel Spielraum hat der Schankkellner. Ist die über-, besser gesagt: unterschritten, gibt es für ihn eine mündliche Verwarnung, beim zweiten Mal eine schriftliche. „Beim dritten Mal würde für den Schankwirt ein Beschäftigungsverbot erlassen“, sagt KVR-Sprecherin Daniela Schlegel, „aber soweit kommt es nie, weil da die Wirte vorher aktiv werden.“

Letztes Jahr befand das KVR 90 Prozent aller getesteten Maß für okay, bei zehn Prozent gab es Beanstandungen. „Der Wiesnbesucher erwartet zu Recht eine voll eingeschenkte Maß", sagt KVR-Chef Wilfried Blume-Beierle. „Deswegen werden unsere Kontrolleure wieder ein wachsames Auge auf die Maßkrüge werfen.“

 

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