Sperrung des Luise-Kiesselbach-Tunnels: "Die Koordinierung der Baustellen ist eine Katastrophe"
Alle Autofahrer, die von Westen in die Stadt hineinfahren, müssen in den nächsten Wochen wohl deutlich mehr Zeit einplanen. Denn seit diesem Mittwoch ist der Luise-Kiesselbach-Tunnel Richtung Norden gesperrt. Bis zum 2. August dauert die Sperrung an.
Grund ist, dass vor zwei Jahren ein Lastwagen in dem Tunnel brannte. Danach stellte die Stadt den Tunnel nur provisorisch wieder her. Nur mit Tempo 40 war es seitdem erlaubt, durchzufahren. Jetzt saniert die Stadt den Tunnel richtig, unter anderem muss sie die Sicherheitssysteme darin austauschen.
Doch warum ausrechnet jetzt, wo es ohnehin schon so viele Baustellen gibt? Auf diese Frage wollte die CSU-Fraktion bei einer "Aktuellen Stunde" in der Vollversammlung am Mittwoch eine Antwort erhalten. Ihre Fraktion stehe hinter der Sanierung, sagte die verkehrspolitische Sprecherin der CSU Veronika Mirlach. Nur: "Der Zeitpunkt ist eine Vollkatastrophe." Mit den ganzen Baumaßnahmen werde der Münchner Südwesten "komplett lahmgelegt".
"Die Menschen in Laim, Forstenried und Hadern sind bereits am Limit", sagte Mirlach. Zum Beispiel wird gerade auf der Fürstenrieder Straße die Tram gebaut, der Landshuter Allee Tunnel wird saniert, die Brücke über die Dachauer Straße wird instand gesetzt und auf der Lindwurmstraße müssen sich die Münchner derzeit in Schienenersatzverkehr-Busse quetschen, weil Haltestellen der U6 ebenfalls saniert werden.
"Der Schienenersatzverkehr funktioniert nicht", sagte Mirlach. "Die Menschen kriegen fast einen Hitzschlag in den Bussen." Und bald kommt noch mehr Schienenersatzverkehr dazu: Ab Montag fährt zwischen Sendlinger Tor und Stachus keine Tram – bis Ende Juli. "Der Umstieg auf den ÖPNV ist nicht möglich", sagte Mirlach. "Die Koordinierung der Baustellen in dieser Stadt ist eine Katastrophe."
Darum hat die das Münchner Rathaus für diesen Zeitpunkt entschieden
Das Erstaunliche: Den Zeitpunkt der Sanierung des Luise-Kiesselbach-Tunnels hat die Stadt bewusst gewählt. So schilderte es Mobilitätsreferent Georg Dunkel (parteilos) in der Sitzung. Den Tunnel bereits im Sommer 2025 zu sanieren, sei nicht möglich gewesen, weil damals die Baustelle auf der Fürstenrieder Straße noch größer war. Jetzt sei die Straße wieder zweispurig.
Den Tunnel noch später – also zum Beispiel in diesem August – zu sanieren, sei keine Option gewesen, weil die Bahn ab August die Gleise zwischen Starnberg und München saniert. Für Züge der S6 und der Werdenfelsbahn fährt dann ein Schienenersatzverkehr – was zu mehr Verkehr auf den Straßen führt. Und während des Oktoberfests wollte die Stadt so eine Baustelle auch nicht durchführen, schilderte Dunkel.
Uneinigkeit über Zeitpunkt: "Optimale Lösung"
Um den Verkehr zu entlasten, seien nun andere Baustellen zurückgebaut worden – etwa auf der Fürstenrieder Straße, der Borschetsrieder Straße und der Wolfratshauser Straße. Auch Ampelschaltungen seien optimiert worden.
CSUlerin Mirlach blieb jedoch dabei: Aus ihrer Sicht ist der Zeitpunkt unpassend. Das sehen nicht alle im Stadtrat so. Grünen-Stadträtin Lux bedankte sich sogar beim Referat für diese "optimale Lösung". Wenn Straßen und Tunnel saniert werden, werde es in Zukunft häufiger zu solchen Vollsperrungen kommen – weil diese schneller gehen und damit günstiger seien, sagte sie.
"Die nächsten Wochen werden sicher herausfordernd, aber ein Investitionsstau wäre die deutlich schlechtere Alternative", sagte SPDler Felix Lang. Und Stadtrat Dirk Höpner von der München Liste sah sogar einen Vorteil darin, wenn alle Baustellen auf einmal kommen: "Dann ist der Zeitraum der Belastung kürzer." Für die Autofahrer in den nächsten Wochen womöglich ein schwacher Trost.
Die AZ hat sich bereits bei ein paar Münchnern umgehört, wie sie die Baustellen sehen. Tanzlehrerin Katharina Glas (39) hält es mit richtig guter Musik aus, im Stau zu stecken, sagt aber auch: "Es ist eine riesengroße Verarsche. Ich muss mindestens 30 Minuten mehr einplanen für meine Autofahrt. Aber ich bin ein tiefenentspannter Mensch – von daher denke ich mir, alles hat seinen Sinn."

Stefanie Benthin (36) sieht die Lage kritischer: "Ich wohne mit meiner Familie direkt an der Kreuzung zum Tunnel – das Leben hier ist eine Katastrophe. Das Hupkonzert ist unangenehmst. Die Kinder sicher über die Straße zu bringen ist hart – aber da muss man durch."

Und der 28-jährige Student Chris Kaitatzis sagt: "Ich hätte gedacht, dass wir eine bessere Infrastruktur in München haben. Alle sind genervt, ich bin als Radfahrer auch etwas genervt. Irgendwie muss man da durch."


