Ein Experte für die Langsamsten: CSU will Fußgänger-Beauftragten

Die Stadt soll einen Beauftragten für Fußgänger einsetzen, fordert die CSU. Ein Experte aus Leipzig erzählt, warum das wichtig ist.
| Christina Hertel
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Bloß weiße Farbe auf schwarzem Asphalt? So einfach ist es nicht, Fußverkehr zu planen, sagt ein Experte aus Leipzig.
Bloß weiße Farbe auf schwarzem Asphalt? So einfach ist es nicht, Fußverkehr zu planen, sagt ein Experte aus Leipzig. © picture alliance / Matthias Balk/dpa

München - Wer glaubt, für einen neuen Zebrastreifen müsse eine Stadt bloß einen Bauarbeiter etwas weiße Farbe auf den Asphalt pinseln lassen, täuscht sich gewaltig. Um die 75.000 Euro könne so ein Übergang schon kosten - weil es alles Mögliche zu bedenken gibt: Bordsteinhöhen und Ampeln zum Beispiel, sagt Friedemann Goerl.

München soll einen Fußgänger-Beauftragten bekommen

Seit 2018 ist der Geograf Beauftragter für Fußgänger bei der Stadt Leipzig. "Wenn vorher eine Straße gebaut wurde, haben Fußgänger den Platz bekommen, der übrigblieb", sagt er. Das habe sich in Leipzig inzwischen verändert. "Das Gehen wird als eigene Verkehrsart ernster genommen."

Leipzig war eine der ersten deutschen Städte, die eine extra Stelle für den Fußverkehr schuf. Auch München soll einen Experten für die langsamsten Verkehrsteilnehmer bekommen. Die CSU stellte nun den Antrag, einen Fußgänger-Beauftragten zu ernennen. Was die Fraktion übersah: Die gleiche Forderung hatten bereits Grüne und SPD gestellt - allerdings bereits vor Jahren.

2019 schlug die SPD vor, dass sich dieser Beauftragte mit der Barrierefreiheit beschäftigen und die Position der Fußgänger stärken solle. Außerdem solle die Stadt eine App entwickeln, die ein Spazierwegenetz enthält. Passiert ist allerdings seitdem wenig.

Fußgänger-Beauftragter: Forderung hatten auch schon SPD und Grüne

Aufgrund der pandemiebedingten Einbrüche im Haushalt sei es bislang nicht möglich gewesen, eine neue Stelle zu schaffen, antwortet das Mobilitätsreferat auf eine Anfrage der AZ. Eine Strategie zum Fußverkehr werde gerade weiterentwickelt, schreibt die Pressestelle außerdem.

Berlin ist damit schon fertig: In der Hauptstadt erließ das Abgeordnetenhaus vor Kurzem ein neues Gesetz, das den Fußverkehr stärken soll. Zum Beispiel durch längere Grünphasen an Fußgängerampeln, durch mehr Zebrastreifen und mehr Zwischeninseln auf Straßen.

In München gibt es Fußgänger-unfreundliche Plätze

Das Auto soll in Berlin an immer mehr Orten keine oder bloß noch eine nachgeordnete Rolle spielen, heißt es in einer Mitteilung. Deshalb soll es in Berlin bald mehr Fußgängerzonen, Spielstraßen und verkehrsberuhigte Bereiche geben.

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Ein Fußgänger-Beauftragter, der den Verkehr mitdenkt

Manuel Pretzl, der Chef der CSU im Münchner Stadtrat, stört vor allem, dass die Stadt bislang den Fokus zu sehr auf den Radverkehr setzt. "Auf die Fußgänger wird am wenigsten Rücksicht genommen", sagt Pretzl. Zum Beispiel seien in der Altstadt in vielen Straßen die Gehwege zu schmal.

Auch dem Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher fällt gleich die Altstadt als besonders Fußgänger-unfreundliche Gegend in München ein. Er ist Verkehrsplaner und sitzt im Vorstand des Vereins "Fuß", der sich in ganz Deutschland für die Interessen von Fußgängern einsetzt.

"Der Radentscheid ist in aller Munde. Dabei ist Gehen das, was jeder als erstes und als letztes in seinem Leben noch machen kann." Ein Anfang wäre aus seiner Sicht, wenn sich die Stadt Abstellplätze für E-Scooter schafft, damit die Gehwege nicht mehr so vollgestellt sind.

Der Fußgänger-Beauftragte Friedemann Goerl aus Leipzig ist jedoch für mehr verantwortlich. Er werde in fast alle Verkehrsplanungen einbezogen, sagt er. Denn sonst würden vermeintliche Kleinigkeiten fehlgeplant - etwa Bordsteine, die für Rollstuhlfahrer zu einer unüberwindbaren Hürde werden können.

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