Interview

Ein Christbaumhändler erklärt, was die Münchner kaufen

Rupi Bauer (61) verkauft seit mehr als 30 Jahren Christbäume. Ein Gespräch über duftende Nadeln, steigende Nachfrage – und darüber, was Tannen und Kopfsalat verbindet.
| Eva von Steinburg
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Rupi Bauer (l.) mit seinem Sohn Markus, der inzwischen auch mit ins Christbaumgeschäft eingestiegen ist.
Rupi Bauer (l.) mit seinem Sohn Markus, der inzwischen auch mit ins Christbaumgeschäft eingestiegen ist. © Daniel von Loeper

München - Am Korbinianplatz im Münchner Norden, am Laimer Platz oder am Steubenplatz am Hirschgarten: An 23 Ständen verkauft Rupi Bauer seine Christbäume. Ein Gespräch mit dem Weihnachtsbaum-Experten über Bio-Bäume, Hilfe bei unperfektem Wuchs und darüber, wie weich sich die glatten Nadeln der Nordmanntanne anfühlen.

AZ: Herr Bauer, wieso verkaufen Sie ausschließlich deutsche Nordmanntannen
RUPI BAUER: Sie kommen von Plantagen aus dem hügeligen und bewaldeten Sauerland. Ihre Nadeln sind viel länger und flacher als von anderen Tannenbäumen. Das sieht wesentlich schöner aus. Sie piksen auch nicht, wie die sehr stacheligen Nadeln einer Fichte. Es macht mir Freude, über die Nadeln der Nordmanntanne zu streichen. Es fühlt sich glatt und weich an, wie bei einem Fell.

Bauer: "Viele Münchner sind dieses Jahr nicht verreist"

10.000 Bäume haben Sie bei Ihrem Händler bestellt. Welchen Einfluss wird Corona auf Ihr Geschäft mit den Weihnachtsbäumen haben?
Ja, das ist spekulativ. Viele Münchner sind dieses Jahr nicht verreist, sondern zuhause. Wenn ich am ersten Weihnachtsfeiertag in den Skiurlaub fahre, kaufe ich mir für den Heiligen Abend, für den einen Tag, doch keinen Baum! Viele Leute, die sonst gerne in die Karibik fliegen über Weihnachten, können das jetzt nicht und müssen Zuhause sein. Es könnte ein bisschen mehr werden mit dem Christbaumverkauf heuer. Wenn die Nachfrage wirklich da ist, kann ich flexibel reagieren.

Halten Sie es für möglich, dass die Münchner dieses Corona-Weihnachten mehr Geld ausgeben für ihren Baum, weil sie ein besonders großes und hübsches Exemplar möchten?
Das kann ich mir vorstellen, weil der Urlaub nicht bezahlt werden muss, da bleibt Geld übrig. Generell gab es dieses Jahr den Trend, dass die Menschen mehr Geld fürs Zuhause ausgegeben haben: Für das neue Bad, oder sie haben mehr Renovierungsarbeiten gemacht als üblicherweise. Ich habe mir zum Beispiel eine Solaranlage geleistet auf dem Dach. Diese Idee hatte ich lange im Hinterkopf.

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Sie sind ein erklärter Fan von klassischen Weihnachtsfeiern im engen Familienkreis. Sie singen mit ihren drei erwachsenen Kindern traditionelle Weihnachtslieder. Wie sieht Ihr Christbaum heuer aus?
Mein Baum wird 2,20 Meter hoch sein und geht annähernd bis zur Wohnzimmerdecke. In Rot steht er da, das erinnert mich an meine Kindheit, wir hatten immer rote Kugeln. Jetzt kommen noch Sterne und Engel in Silber dazu.

Bauer: "Topfbäume habe ich auch"

Was ist eigentlich aus dem Trend zum ungespritzten Bio-Christbaum im Weihnachtszimmer geworden?
Drei Jahre lang habe ich Bio-Weihnachtsbäume angeboten, doch sie wurden zu wenig gekauft. Sie kosten das Doppelte. Gespritzt werden Nadelbäume ja hauptsächlich gegen Pilzbefall. Auf deutschen Plantagen dürfen sie nicht mit aggressiven Mitteln behandelt werden. Bei uns werden Christbäume mit den gleichen Mitteln besprüht wie Kopfsalat und andere Nahrungsmittel, um das Grundwasser und die Insekten zu schützen.

Gibt es bei Ihnen auch Bäumchen im Topf, die im neuen Jahr in den Garten gepflanzt werden?
Topfbäume habe ich auch, das mache ich schon lange. Aber das ist eine minimale Stückzahl. Es gibt Liebhaber dafür. Manchmal junge Leute, die brauchen so keinen extra Christbaumständer — das ist praktisch. Ein Christbaum im Topf kostet unwesentlich mehr.

Bauer: "Für mich ist jeder Baum perfekt"

Beim Christbaum zählt der Wuchs: ob ein Baum alle Reihen hat und rundherum alle Äste. Sie können sich noch an Zeiten erinnern, als die Münchner unperfekte Bäume gekauft haben, um sie selbst zu verschönern...
Heute macht das fast keiner mehr! Aber alte Münchner richten sich den Baum noch manchmal her oder Bastler. Früher war es normal, dass man sich zusätzliche Äste mitgenommen hat. Daheim bohrt man ein Loch in den Stamm und fügt den Ast an der richtigen Stelle ein, fertig ist der schöne Baum. Das kenne ich auch aus meiner Kindheit. Für mich ist übrigens jeder Baum perfekt. Das liegt im Auge des Betrachters.

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Bauer: "Ohne Baum wäre es ganz blöd"

Wenn nicht gerade Weihnachten ist, managen Sie für die Abendzeitung das Geschäft mit den Stummen Verkäufern. Im Münchner Christbaumgeschäft sind Sie seit über 30 Jahren. Macht die Arbeit Spaß?
Der Verkauf von Weihnachtsbäumen ist mir eine große Freude. Mein Sohn Rupert-Marko (26) ist mit eingestiegen ins Geschäft. Ich habe eine echte Liebe für den Baumverkauf. Schon als Kind habe ich mit meinen Eltern an ihrem Stand in der Knorrstraße Christbäume verkauft und die Stimmung miterlebt. Das Thema Weihnachtsbäume begleitet mich quasi schon mein ganzes Leben.

Können Sie sich eigentlich ein Weihnachtsfest ohne Baum vorstellen?
Für mich kommt das nicht infrage. Ohne Baum wäre es ganz blöd. Der Baum gehört dazu, sonst ist es kein Weihnachten. Das habe ich so gelernt. Und wie der duftet!

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