"Ein Armutszeugnis": Warum jetzt die Kritik an der grünen Bürgermeisterin wächst

Das Teufelsrad sorgt immer noch für eine große Aufregung im Rathaus. Die grüne Bürgermeisterin und der Wiesn-Chef halten wenig von der Umgestaltung – die, die eigene Gleichstellungsstelle forderte. Und das wiederum bringt sogar die eigene Koalition in Rage. 
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Bürgermeisterin Mona Fuchs hat die Debatte ums Teufelsrad als übertrieben abgetan. Dafür hagelt es nun Kritik.
Bürgermeisterin Mona Fuchs hat die Debatte ums Teufelsrad als übertrieben abgetan. Dafür hagelt es nun Kritik. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Die Frauenfiguren über dem Eingang vom Teufelsrad tragen mehr Kleidung – und darüber ist eine hitzige Debatte im Münchner Rathaus entbrannt. Eine Frau, deren Brüste vorher nur mit einer Blumenkette bedeckt waren, trägt nun ein gelbes Kleid und Schuhe. Eine andere Figur hat nun eine Radlerhose unterm Rock an. Bei einer weiteren ist die Dirndl-Bluse jetzt höher geschlossen. Zurück geht das auf eine Empfehlung der städtischen Stelle für Gleichstellung.

Nicht nur die CSU hat sich darüber aufgeregt. Auch der Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) und die grüne Bürgermeisterin Mona Fuchs äußerten sich kritisch. "Man kann es auch übertreiben", teilte die Bürgermeisterin mit. Er werde noch einmal den Dialog mit der Gleichstellungsbeauftragten suchen, kündigte der Wirtschaftsreferent an.

Bürgermeisterin Mona Fuchs hat die Debatte ums Teufelsrad als übertrieben abgetan. Dafür hagelt es nun Kritik.
Bürgermeisterin Mona Fuchs hat die Debatte ums Teufelsrad als übertrieben abgetan. Dafür hagelt es nun Kritik. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Auch an diesem Montag diskutiert das Rathaus weiter: Die CSU beantragt, dass der Stadtrat in solche Entscheidungen eingebunden werden müsse. Und nicht nur Die Linke ist über die Stadtspitze entsetzt.

Aber von vorn: Wie ist es überhaupt zu der Umgestaltung gekommen? Ganz überraschend dürfte sie zumindest für einige Stadträte nicht gewesen sein. In der vergangenen Legislatur hat sich die Stadtratskommission für Gleichstellung (in der auch die CSU vertreten ist) mit rassistischen und sexistischen Abbildungen auf der Wiesn beschäftigt. Daraufhin sei ein ganzer Schwung an Darstellungen verändert worden, schildert Mo Lüttig von den Grünen. Lüttig war damals Teil der Kommission und ist inzwischen aus dem Stadtrat ausgeschieden.

Sind jetzt weniger nackert: die Figuren auf dem Teufelsrad.
Sind jetzt weniger nackert: die Figuren auf dem Teufelsrad. © Ben Sagmeister

Auch eine Begehung der Wiesn hat es gegeben

Es sei ausführlich diskutiert worden, auch eine Begehung auf der Wiesn habe es gegeben. Am Ende – so erinnert sich nicht nur Lüttig – seien sich die vertretenen Mitglieder der Fraktionen einig gewesen, dass Empfehlungen für Umgestaltungen ausgesprochen werden.

Dass auch das Teufelsrad darunter ist, hält Lüttig nach wie vor für richtig. "Die Abbildung spielt damit, dass in dem Fahrgeschäft Röcke hochfliegen. Es werden bewusst nur weibliche Körper gezeigt, keine Burschen mit Lederhosen", sagt Lüttig.

Ähnlich argumentiert die städtische Gleichstellungsstelle. Sie erinnert daran, dass in den vergangenen Jahren wiederholt Frauen im Teufelsrad unter den Rock gefilmt wurde. Upskirting nennt sich das. Viele dieser Videos seien anschließend systematisch im Internet veröffentlicht worden.

Vor allem an der Figur unten rechts werden die Änderungen besonders sichtbar.
Vor allem an der Figur unten rechts werden die Änderungen besonders sichtbar. © Imago und Ben Sagmeister

Maßnahmen um Upskirting zu verhindern

Gemeinsam mit dem Referat für Arbeit und Wirtschaft und der Betreiberin seien mehrere Maßnahmen diskutiert worden, um ein Upskirting zu verhindern, heißt es von der Gleichstellungsstelle. Das bedeutet: Nicht nur die Stadtratsfraktionen waren involviert – auch die Behörde des Wiesn-Chefs wusste demnach Bescheid.

"Die bisherige Darstellung der Figuren am Teufelsrad spielte mit dem Hochfliegen von Röcken und dem frei werdenden Blick auf den Intimbereich", so die Gleichstellungsstelle. Vor dem Hintergrund, dass in den letzten Jahren vermehrt verbotene Foto- und Videoaufnahmen verbreitet wurden, sei vorgeschlagen worden, die Figuren zu überarbeiten. Nur wollen davon der Wiesn-Chef und die Bürgermeisterin wohl plötzlich nichts mehr wissen.

So kritisiert Die Linke die Bürgermeisterin

Nicht nur Die Linke im Stadtrat kritisiert die Bürgermeisterin nun jedenfalls scharf. "Wenn die eigene Bürgermeisterin die Gleichstellungsstelle öffentlich vorführt, statt sie zu schützen, ist das kein Ausrutscher, sondern ein Armutszeugnis. Gleichstellungsarbeit darf nicht dem nächsten Applaus von rechts geopfert werden", findet Fraktionschef Stefan Jagel.

Elisabeth Polaczy, Betreiberin des beliebten Teufelsrades, musste die Figuren über dem Eingang zum Fahrgeschäft umgestalten lassen.
Elisabeth Polaczy, Betreiberin des beliebten Teufelsrades, musste die Figuren über dem Eingang zum Fahrgeschäft umgestalten lassen. © Ben Sagmeister

Auch, dass Fuchs in dem Zusammenhang von einem "Verhüllungsgebot für weibliche Figuren" sprach, stört Die Linke: "Es geht bei der Umgestaltung nicht um Verhüllung, sondern um die Frage, wie Frauen im öffentlichen Raum dargestellt werden – und das ausgerechnet an einem Fahrgeschäft, an dem es wiederholt zu Upskirting-Vorfällen kam."

SPD: "Aufgabe der Stadtspitze, sich vor die eigenen Leute zu stellen"

Nicht glücklich darüber, wie die Diskussion verläuft, zeigt sich auch Paula Gundi, die für die SPD in der Gleichstellungskommission sitzt. Es sei eine "absolut verkürzte Debatte" entstanden, die der wichtigen Arbeit und den Errungenschaften der Gleichstellungsstelle und -kommission überhaupt nicht gerecht werde, findet Gundi.

"Stattdessen wird die Stelle öffentlich angefeindet und deren wichtige Rolle in der Stadt als übertrieben heruntergespielt und auch von führenden Figuren der Stadtpolitik kritisiert." Und weiter: "In einem Moment, in dem die Gleichstellungsstelle massiv angegangen wird, ist es die Aufgabe der Stadtspitze und des Stadtrates, sich schützend vor die eigenen Leute zu stellen."

Auch Stadträtin Marie Burneleit (Die Partei), die in der vergangenen Legislatur in der Gleichstellungskommission saß, klingt am Telefon fassungslos: "Dass die Bürgermeisterin der Gleichstellungsstelle in den Rücken fällt, ist unmöglich."

Betreiberin gibt wieder Hosen aus

Denn natürlich seien die Darstellungen sexistisch: Sie seien vor 100 Jahren gezeichnet worden, um Kunden anzulocken. "Aber im Teufelsrad werden keine Dessous verkauft. Es geht um Spaß." Nur erweckten die Figuren einen anderen Eindruck.

Burneleit vermutet, dass die Betreiber selbst merkten, dass sie – mit den Figuren, mit den Upskirting-Vorfällen – in einer Ecke landen, wo sie gar nicht sein wollen. Und offensichtlich liegt der Betreiberin Elisabeth Polaczy die Sicherheit ihrer Kundinnen tatsächlich am Herzen: Auch heuer wird sie wieder Shorts ausgeben, die sie unter ihrem Dirndl anziehen können. "Wenn Frauen sich sicher fühlen und ihren Tag einfach genießen können, passt das wunderbar zu dem, wofür unser Fahrgeschäft seit vielen Jahrzehnten steht", findet sie.

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  • FRUSTI13 vor 12 Minuten / Bewertung:

    Jetzt wissen wir‘s. Alle die das Übermalen der Figuren zumindest mal fragwürdig finden, gehören zu den Rechten! Der Jagel ist ja echt lustig!

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  • Normalist vor 23 Minuten / Bewertung:

    Ihr habt Sorgen

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  • Chris_1860 vor 29 Minuten / Bewertung:

    Ein Pharisäer größer wie der Andere.

    Es ist aber sehr beruhigend, dass wir aktuell keine schwerwiegenderen Probleme haben.

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