Ehemalige Rollofabrik in München: Künstler müssen Gebäude räumen

Die Künstler in den Fraunberg Ateliers müssen ausziehen. Dabei ist noch nicht klar, wann der Abriss beginnt. Für die Künstler ist das nicht nachvollziehbar, der BA berät am Dienstag darüber.  
| Victoria Kunzmann
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Künstlerin Josephine Kaiser, Immobilienentwickler Tobias Sehr und Künstler Markus Henning hatten die alte Rollofabrik wiederbelebt. Nun sollen sie ausziehen.
Victoria Kunzmann Künstlerin Josephine Kaiser, Immobilienentwickler Tobias Sehr und Künstler Markus Henning hatten die alte Rollofabrik wiederbelebt. Nun sollen sie ausziehen.

München - Seit knapp einem Jahr malen, sprühen, modellieren, diskutieren die Künstler in den Fraunberg Ateliers in Thalkirchen. Doch die Zeit des kreativen Schaffens in der ehemaligen Rollofabrik ist bald vorbei – Stand jetzt.

Zwischennutzungsvertrag läuft aus

Bis Ende des Jahres muss das Gebäude an der Fraunbergstraße 4 leer sein, dann läuft der Zwischennutzungsvertrag aus. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG plant auf dem Gelände ein mehrstöckiges Haus mit Wohnungen. "Der Abriss des Gebäudes ist frühestens für 2022 geplant", so die Information von Tobias Sehr.

Aktuell gebe es nicht einmal eine Bauvoranfrage für das Projekt, das an der Fraunbergstraße 4 entstehen soll. Der Immobilienentwickler hat die Fraunberg Ateliers maßgeblich geplant und vier Jahre mit der Stadt und insbesondere dem Bezirksausschuss verhandelt – für ein Jahr Zwischennutzung. "Ich frage mich, warum der Bezirksausschuss unser Vorhaben nicht unterstützt", sagt Sehr – und den Künstlern ein weiteres Jahr Arbeit in den Räumen ermöglicht.

Sein Eindruck: Der BA 19, zuständig für Thalkirchen, setzt sich nicht für die Künstler im Süden der Stadt ein. Die Fraunberg Ateliers, seien "das größte Kulturprojekt Thalkirchens", das wohl bald weichen muss – obwohl das Gelände dann erstmal wieder leer stehen wird.

Bis Ende 2020 muss das Gebäude leer sein

Der erste Teil steht bereits leer, und zwar seit dem 30. Juni: Ein Teil des Geländes, das die Künstler nutzen, gehört zur Schäftlarnstraße 178. Die Ateliers hier wurden vor allem von Kreativen der Kunstakademie genutzt, die noch dort studieren oder gerade fertig wurden. Einer der Künstler ist etwa in die 089-Bar umgezogen, die aktuell auch von Künstlern genutzt wird.

In dem Areal, das zur Schäftlarnstraße 178 gehört, soll ein Altenheim entstehen. Hier ist vergangenes Jahr zumindest eine Bauvoranfrage eingegangen, der Abriss soll heuer noch beginnen. Tobias Sehr habe dazu eine E-Mail von der Stadt erhalten. Eine Baugenehmigung stünde aber auch hier aus.

Warum auch die Künstler aus den Räumen in der Fraunbergstraße 4 so früh ausziehen müssen, ist ihm völlig unklar. Eine Begründung habe er vom BA nie erhalten. Unterstützung würden die Künstler von Andrea Barth (SPD) erhalten, Vorsitzende des BA-Unterausschusses Kultur. Eine Entscheidung, ob die Zwischennutzung verlängert wird, könne sie aber auch nicht im Alleingang durchsetzen.

Fraunberg Ateliers: Thema im Bezirksausschuss

Am Dienstag sind die Fraunberg Ateliers und die geplante Bebauung des Geländes erneut Thema im Bezirksausschuss. Für Tobias Sehr die Gelegenheit nachzufragen, weshalb der BA die Zwischennutzung nicht um ein Jahr verlängert. Und, weshalb das Kulturprojekt so wenig gefördert wird. Der Kulturförderer rechnet nicht damit, dass die Zwischennutzung verlängert wird.

In diesem Fall wäre das Kulturprojekt inmitten von Thalkirchen Geschichte. Schon seit vergangenem Jahr bemüht sich Sehr um die Verlängerung der Zwischennutzung – bislang vergeblich. Einen neuen Raum für die Künstler zu finden, hält er für unmöglich. "Künstler auf Wanderschaft" nennt er die Kreativen, die sich laut den Plänen zum nächsten Jahr eine neue Arbeitsstätte suchen müssen.

Besonders in der aktuellen Corona-Krise sei die Lage für die Künstler ideal gewesen. Tobias Sehr musste keine Miete an die Stadt abtreten – und die Künstler nur eine sehr geringe an ihn, die für die Instandhaltung des Gebäudes eingesetzt wurde. Doch es scheint, als müssten sie bald woanders malen, sprühen, ausstellen – und dafür vermutlich viel mehr zahlen.

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