Dieter Reiter rudert in der Posten-Debatte zurück: Was für ein unwürdiges Schauspiel

Nun sei er also nur als Gast auf einer Aufsichtsratssitzung gewesen, fix sei noch gar nichts, unterschrieben auch nicht. So argumentierte Dieter Reiter ernsthaft im Stadtrat. Und das, nachdem die Kritik zuletzt immer mehr angeschwollen war – weil nach AZ-Recherchen vieles dafür sprach, dass er für seinen Boss-Job beim FC Bayern sehr viel mehr Geld bekommen könnte als jene 10.000, die er maximal ohne Genehmigung des Stadtrats beziehen darf.
Seit Dienstagabend war in Rathaus-Kreisen eine von allen drei Bayern-Vorständen unterzeichnete neue Liste der Aufsichtsratsmitglieder kursiert, die ans Amtsgericht gemeldet worden war – inklusive Reiter. Am Mittwochnachmittag, wenige Stunden, nachdem er erklärt hatte, er sei gar kein Mitglied des Aufsichtsrats, bestätigt das Amtsgericht offiziell das Gegenteil: Er ist es bereits.
Am Nachmittag ist plötzlich alles ganz anders
Stunden später rudert er zurück, teilt mit, doch schon gewählt (!) zu sein, er hätte aber morgens noch nicht gewusst, dass das schon beim Amtsgericht gemeldet sei. Ein beispiellos peinlicher und unwürdiger Vorgang. Reiters Argumentation hatte schon am Morgen wenig stringent gewirkt. Wäre es tatsächlich wie plötzlich behauptet so gewesen, dass er noch gar kein Mitglied des Aufsichtsrats ist, hätte er einen wesentlichen Punkt der Kritiker schon vor Tagen im Keim ersticken können.

Ihr könnt mir gar nichts – das war es, was er im Stadtrat ausstrahlte. Oder: am Vormittag immer noch glaubte, ausstrahlen zu können. Offenbar war ihm die Tragweite immer noch nicht bewusst. Dazu passt das Verhöhnen von Oppositionspolitikern im Sinne von "Das wird den FC Bayern sicher schwer beeindrucken".
Was die Debatte mit Müllmännern zu tun hat
Bei den Nebeneinkünften geht es auch um das Signal an städtische Mitarbeiter – Stichwort Müllmänner –, die ganz genau schauen müssen, was sie annehmen dürfen: Alle müssen sich an Regeln und Gesetze halten. Der OB müsste jeden Anschein, dass das nicht so ist, vehement vermeiden. Tut er aber nicht.
Debatte um den Bayern-Boss-Job: Schwacher Auftritt der CSU
Nein, dieser Mittwoch war keine Sternstunde des Stadtrats, eher ein unwürdiges Schauspiel. Die CSU will so offensichtlich in wenigen Tagen unter Reiter regieren, dass sich ihr Kandidat Clemens Baumgärtner eigentlich vom OB-Wahl-Zettel streichen lassen könnte.
"Oppositionsführer" Manuel Pretzl, ebenfalls CSU, argumentierte ernsthaft, jene, die hier Transparenz verlangen, stärkten damit die AfD. Richtig ist das Gegenteil: Wer ausstrahlt, es gehe nur um Posten, wer jene verhöhnt, die Fragen zu Nebeneinkünften und Interessenskonflikten stellen (was als Dienstherr die Aufgabe des Stadtrats ist), gibt denen Futter, die die Etablierten verachten.
Und Reiter? Hoffte offenbar, den Ärger abzuräumen. Das ging komplett nach hinten los. Am Mittwoch wurde der Druck so stark, dass er die Karten doch noch (halbwegs) auf den Tisch legen musste.
Und jetzt? Mittags schien noch vorstellbar, dass Reiter das Thema irgendwie über den Wahltag hinaus gerettet hat, vielleicht noch einen Winkelzug probiert, etwa auf die Vergütung verzichtet oder sie spendet und den Posten so rettet. Stand Mittwochabend ist es rechtlich und politisch nur noch schwer vorstellbar, dass er den Posten als Bayern-Aufsichtsrat über die nächsten Wochen hinaus behalten wird.