Die Rache des Ramses

Hat Peter Ramsauer sein Geburtstagsfest extra so gelegt, dass dem Nockherberg einige Großkopferte abgehen?
| Angela Böhm
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 München - Wer auf dem Nockherberg in der ersten Reihe sitzen und sich derblecken lassen darf, hat’s nach ganz oben geschafft. Aber umgekehrt brauchen die Derblecker auch ihre Opfer. Da hat am Mittwochabend die gesamte Polit-Prominenz der CSU aus Berlin gefehlt.

Noch am Abend, als der Salvator erste Wirkung zeigte, kursierte unter den Gästen die „Gretchen-Frage“, warum die drei CSU-Minister samt Landesgruppen-Chefin Gerda Hasselfeldt das größte Polit-Theater boykottiert hatten.

Schnell machte eine Verschwörungstheorie die Runde: War es die Rache des Ramses? Denn ausgerechnet am selben Abend feierte Ex-Verkehrsminister Peter Ramsauer (Spitzname: Ramses) in Berlin seinen 60. Geburtstag.

Der war zwar schon am 10. Februar. Aber das sei pure Absicht gewesen, war man sich sicher. Weil Ramsauer diesmal auf dem Nockherberg nicht mehr eingeladen war, dann sollten auch die anderen nicht kommen.

Zum Lachen war dem mächtigen früheren Landesgruppenchef und Ex-Minister beim Starkbieranstich nie. Die höchste Strafe verpasste ihm einst Bruder Barnabas alias Michael Lerchenberg, als er während seiner Fastenpredigt den Maßkrug hob und sagte: „Prost, Herr Ramsauer. So, jetzt ham ma den a erwähnt.“

Von Fastenprediger Django Asyl musste er sich als „echter Pappkamerad“ runtermachen lassen. Selbst die gnädige Mama ging gar nicht lieb mit dem Buben um. Nicht mal jetzt, wo er gefallen ist „im Schlachtfeld der Koalition“.

„Ein herausragender Minister! Das sag nicht ich, sondern die ,ADAC Motorwelt’. Ab da ging es bergab mit ihm. Das war praktisch wie ein Todesurteil“, lästerte die Bavaria alias Luise Kinseher. Und trat nach: „In der Bundesregierung war er angeblich der einzige, der von der NSA nicht abgehört wurde. Die haben gesagt, bei dem rentiert es sich nicht.“

Während Ramsauer in den vergangenen Jahren im Gegensatz zu seinen Mitderbleckten nie gute Miene zum bösen Spiel machte, sondern offen zeigte, dass ihm das Lachen vergangen ist, wird er sich auf seiner Geburtstags-Nachfeier diebisch gefreut haben. Nach dem Motto: „Jetzt mit Fleiß“.

Einer, den die Nockherberg-Gastgeber gerne in der ersten Reihe gehabt hätten, blieb nämlich so in Berlin: Der neue Verkehrsminister Alexander Dobrindt. „Der ist auch gar nicht da heute!“, bedauerte die Bavaria auf der Bühne. „So mobil ist er halt dann doch nicht. Ach ja, mein Dopsilein! Der Bua ist ja von dem Berlin total eingeschüchtert. Aber ich würde sagen, wo immer Du auch bist! Du packst des! Gib jetzt nicht auf!“

„Dopsilein“ feierte da mit dem „Ramses“ in der bayerischen Vertretung in Berlin mit 160 Geburtstagsgästen, darunter Unions-Fraktionschef Volker Kauder. Am bayerischen Büfett waren natürlich auch die zwei neuen CSU-Minister Christian Schmidt (Landwirtschaft) und Gerd Müller (Entwicklungshilfe). Aber die kennt eh noch keiner.

Gelitten haben soll nur Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeld. Sie wäre gerne zum Nockherberg nach München gekommen, musste aber in Berlin die Geburtstags-Laudatio für Ramsauer halten. Schließlich war sie die Gastgeberin und hatte zu dem Empfang geladen.

„Bei der Planung haben wir nicht an alle Münchner Termine gedacht“, weist ihrer Parlamentarischer Geschäftsführer Max Straubinger jegliche Verschwörungstheorien zurück. „Wir haben uns nach dem Sitzungsplan des Bundestags gerichtet, da war es der beste Termin.“

Und das vielleicht schönste Geschenk für Jubilar Ramsauer, der gerne nachtragend ist.

 

 

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