Die Preise auf der Wiesn steigen: Mega-Inflation im Zelt

Die Preise auf der Wiesn steigen doppelt so schnell wie außerhalb – die Wirte sagen, es liegt am höheren Aufwand. Tatsche ist: Die Kosten für einen Wiesnbesuch steigen fast doppelt so schnell wie die Inflation.
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MÜNCHEN - Die Preise auf der Wiesn steigen doppelt so schnell wie außerhalb – die Wirte sagen, es liegt am höheren Aufwand. Tatsche ist: Die Kosten für einen Wiesnbesuch steigen fast doppelt so schnell wie die Inflation.

Der Preis der Wiesnmaß beutelt die Verbraucher – das bestätigen nun auch Finanzexperten. Denn eine aktuelle Studie der Hypovereinsbank/Unicredit kommt zu dem Schluss: Die Kosten für einen Wiesnbesuch steigen fast doppelt so schnell wie die Inflation. „Am stärksten ist der Bierpreis in die Höhe geschossen“, sagt Studien-Autor Alexander Koch der AZ. Kostete eine Maß 1985 auf der Wiesn noch umgerechnet 3,10 Euro, sind es heuer im Schnitt 8,35 Euro – das ist eine Steigerung von 168 Prozent. Auf das Jahr umgerechnet sind das vier Prozent Steigerung. Zum Vergleich: Die Inflationsrate beträgt pro Jahr im Schnitt etwa zwei Prozent.

Auch, wenn man den Standard-Verbrauch eines Besuchers betrachtet, ist die Steigerung enorm: Die Kosten für ein Paket aus zwei Maß, ein halbes Hendl und eine Streifenkarte sind binnen 24 Jahren um 140 Prozent gestiegen.

Die Studie vergleicht auch den Preis des Wiesnbiers mit dem einer Maß in Gaststätten. Fazit: Statt um vier Prozent verteuerte sich das Bier in Gaststätten um 1,5 Prozent. „Die Wiesn ist eine Sonderwirtschaftszone“ sagt Koch.

Dass auf der Wiesn spezielle Regeln für die Preise gelten, sagt auch Wirte-Sprecher Toni Roiderer. „Die Wiesn ist geprägt von Perfektion.“ In den vergangenen Jahrzehnten habe sich der Service in den Zelten verbessert. Sprich: Die Wirte haben wesentlich höhere Kosten für den Zeltaufbau und das Personal. „Die Kosten für mehr Toiletten, neueste Küchentechnik und nicht zuletzt das Sicherheitspersonal sind deutlich höher als vor 20 Jahren“, sagt Roiderer. Reichten 1989 im Hackerzelt noch 19 Ordner, seien es in diesem Jahr bereits 95.

Peter Inselkammer, Wirt des Armbrust-Schützenzelts, sagt: „Der Bierpreis steigt langsamer als das Lohngefüge.“ Dem stimmt auch Roiderer zu. „1950 hat ein Arbeiter 82 Minuten für eine Maß arbeiten müssen, 2008 waren es nur 28 Minuten.“

Dass die Preise steigen, bejaht auch Hippodrom-Wirt Sepp Krätz: „Ich glaube das schon. Das liegt aber nicht nur am Wirt, sondern auch am Einkauf.“ Will heißen: Der Wirt sei von der Brauerei abhängig und gibt die Preissteigerungen weiter. Stefanie Scharpf vom Brauereikonzern InBev, zu dem Löwenbräu und Spaten gehören, sagt allerdings: „Die Brauereien sind nicht für die Endpreise auf der Wiesn verantwortlich.“

Am Ende geht sogar Studien-Leiter Alexander Koch auf die Wiesn – trotz hoher Preise. „Effektiv spürt man heuer die Wiesn-Inflation nicht. Wir haben schon im letzten Jahr neun Euro für die Maß inklusive Trinkgeld gezahlt.“ Ob das nächstes Jahr noch reicht?

A. K. Koophamel

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