Die Münchner Stadt-CSU hat einen neuen Chef

Georg Eisenreich folgt auf Ludwig Spaenle. Mehr Frauen, scharf schießen gegen die Grünen, raus auf die Straße: Was der Justizminister mit der Partei in München vorhat.
| Felix Müller
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Der neue Chef der Münchner-CSU: Georg Eisenreich. (Archivbild)
Der neue Chef der Münchner-CSU: Georg Eisenreich. (Archivbild) © picture alliance/dpa

München - Selber Ort, nächster Versuch, diesmal aber wirklich: Nachdem der CSU-Bezirksverband im Februar die Wahl von Georg Eisenreich zum Parteichef nach massiver Kritik abgesagt hatte, kam man am Donnerstagabend nun tatsächlich am Nockherberg zusammen.

Der langjährige Vorsitzende Ludwig Spaenle hatte im Herbst sogar für CSU-Insider überraschend seinen sofortigen Rückzug vom Amt erklärt.

Traum-Ergebnis für Eisenreich

Dem 50-jährigen Eisenreich, der die Partei in den letzten Wochen schon kommissarisch führte, ist es offenbar gelungen, die Reihen intern zu schließen. Jene, die ihn für einen reinen Karrieristen halten, mucken nicht auf, auch sein alter Widersacher Markus Blume soll dem Vernehmen nach nicht nur öffentlich, sondern auch intern hinter der Personalie stehen. Und am Abend erzielte Eisenreich ein Traum-Ergebnis: Er wurde mit 83 von 84 Stimmen gewählt.

In seiner Rede würdigte Eisenreich Ludwig Spaenles "beeindruckende Tatkraft, Klugheit und Leidenschaft". Spaenle wurde anschließend zum Ehrenvorsitzenden des Bezirksverbands ernannt.
Eisenreich skizzierte am Nockherberg auch, wie er die Partei prägen will.

Eisenreichs zentrale Anliegen

Volkspartei: "Es gibt bei uns nicht nur eine Meinung", betonte Eisenreich. "Es gibt viele und auch verschiedene Strömungen in unserer Partei und jede hat ihre Berechtigung."

Mehr Frauen: "Ich möchte, dass wir für Frauen und junge Menschen attraktiver werden", sagte Eisenreich. Intern neu von ihm eingerichtete Arbeitsgruppen würden stets von einer Frau und einem Mann geleitet.

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Digital und auf die Straße: Eisenreich will neue Online-Formate testen, lässt in der Stadt-Zentrale der CSU ein Studio einrichten. Und: Er will raus in die Stadt. Gemeinsam mit der Stadtratsfraktion werde er alle Stadtteile besuchen, kündigte er gestern an.

Hauptgegner Grüne: Perspektivisch geht es vor allem um die Auseinandersetzung mit der Ökopartei, betonte Eisenreich gestern im Gespräch mit der AZ. In seiner Rede sagte er: "Die Grünen sind ideologisch und wirtschaftsfeindlich. Die können das nicht."

Aus der Partei heißt es, nun gehe es vor allem darum, sich schon mit Blick auf die nächsten Kommunalwahlen im Jahr 2026 aufzustellen. Auch Stadtrats-Fraktionschef Manuel Pretzl wird nun enger eingebunden. Er wurde mit einem ordentlichen Ergebnis von 70:11 Stimmen zu einem von Eisenreichs Stellvertretern gewählt. "Ich stehe für die Vernetzung der kommunalpolitischen Ebene mit dem Bezirksverband", sagte Pretzl. Er freue sich darauf, die Themen künftig noch intensiver auf Parteiebene zu begleiten.

Katastrophales Ergebnis für Kristina Frank

Eine Rechnung offen haben viele in der Partei hingegen offenbar noch mit Ex-OB-Kandidatin Kristina Frank. Sie wurde mit 46:33 Stimmen in den Vorstand gewählt – für CSU-Verhältnisse ein katastrophales Ergebnis.

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Dabei hatte sie es 2020 immerhin in die Stichwahl geschafft. Bei anderen Wahlen musste die CSU zuletzt herbe Niederlagen hinnehmen, in Moosach oder Giesing holten bei der Landtagswahl die Grünen Direktmandate – was früher undenkbar gewesen wäre.

Offenbar will Eisenreich aber nicht nur die Grünen attackieren – auch gegenüber dem SPD-Oberbürgermeister wurde er gestern ungewohnt deutlich. Über Dieter Reiter witzelte er: "Gemütlichkeit gehört schon zu München – aber eigentlich erst nach getaner Arbeit."

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