Die kleine Wiesn mit großem Charme und überraschend günstigem Fahrspaß

Die Nostalgie-Version des Oktoberfests lockt mit historischen Fahrgeschäften, bayerischem Brauchtum und hochwertigen Schmankerln. Ein AZ-Rundgang.
Sophia Willibald, Ruth Frömmer, Niclas Vaccalluzzo |
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Der Kettenflieger der Familie Kalb wurde vor über hundert Jahren gebaut und erfreut bis heute die Besucher des Oktoberfests. Passend zu dem historischen Feeling findet man das Kettenkarussell auf der Oidn Wiesn, am Fuße der Bavaria.
Der Kettenflieger der Familie Kalb wurde vor über hundert Jahren gebaut und erfreut bis heute die Besucher des Oktoberfests. Passend zu dem historischen Feeling findet man das Kettenkarussell auf der Oidn Wiesn, am Fuße der Bavaria. © Sophia Willibald

Die Oide Wiesn wird jedes Jahr gern besucht – von Familien, älteren Herrschaften und natürlich von all jenen Wiesn-Gängern, die es gern ein bisserl ruhiger und gmiatlicher mögen. Dass die Oide Wiesn einmal genauso zum Oktoberfest gehören würde wie der Blick auf das Riesenrad, damit hatte man bei ihrer Premiere wohl kaum gerechnet.
Doch wie ist das Konzept der Mini-Wiesn überhaupt entstanden?

Zum 200. Jubiläum des Oktoberfestes entschloss man sich, mit der "Historischen Wiesn" die Anfänge des größten Volksfestes der Welt wieder aufleben zu lassen. Im Süden des Festgeländes entstand so eine kleine, nostalgische Version der großen Wiesn mit historischen Fahrgeschäften, altem bayerischen Brauchtum und traditionellen Schmankerln.

Lohnt sich jedes Jahr: Ein Rundgang auf der Oidn Wiesn

Was als einmalige Hommage gedacht war, kam bei ihren Besuchern so gut an, dass der Stadtrat eine Fortsetzung beschloss. Aus der "Historischen Wiesn" wurde die leicht abgewandelte "Oide Wiesn", die bis heute ein Glanzstück des Oktoberfestes darstellt. Die AZ hat sich auch in diesem Jahr wieder dort umgesehen und einiges entdeckt, was die kleine Nostalgie-Wiesn immer noch so besonders macht.

Wenn man durch das Holztor auf das Gelände spaziert, hört man schon von Weitem eine urig-bayerische Stimme aus den Lautsprechern der historischen Kegelbahn schallen. Drei Schub kosten hier, bei Familie Erhardt, drei Euro. Charmant überredet der junge Kommentator Jonas zwei Damen, es doch einmal selbst zu probieren. Also greifen sie beherzt zu und versuchen ihr Glück. Geräuschvoll rumpeln die Kugeln über die Holzdielen, bis sie am Ende der Bahn auf die Kegel treffen, die polternd zu Boden fallen.

In der Kegelbahn rumpeln die Kugeln über die Holzdielen.
In der Kegelbahn rumpeln die Kugeln über die Holzdielen. © Sophia Willibald

Die lockere akustische Begleitung von Jonas erregt Aufmerksamkeit. Zahlreiche Menschen lehnen über der Brüstung, schauen bei dem Spektakel zu und klatschen, wenn wieder einem ein Treffer gelingt. Nach einer Weile zieht die AZ weiter – zu einem Fahrgeschäft, das bereits seit über 100 Jahren auf der Wiesn zu finden ist.

Auch die Erwachsenen haben sichtlich Spaß

Wenn man vor dem Kettenflieger der Familie Kalb steht, fühlt man sich noch ein bisserl mehr in die Vergangenheit zurückversetzt. Die bunte Bemalung des Kettenkarussells und das Kassenhäuserl mit seinen geschwungenen, farbenfrohen Ornamenten – pure Nostalgie. 1,50 Euro kostet hier eine Fahrt. Trotz des zusätzlichen Eintritts, den man zur Oidn Wiesn zahlt (vier Euro), ist das günstig und zeigt noch einmal mehr, dass es hier familienfreundlich zugeht.

Die Fahrt mit dem Karussell ist aber nicht nur für Kinder eine Gaudi. Auch die Erwachsenen haben sichtlich Spaß daran. Kein Wunder bei diesem Ausblick: Hinter dem Fahrgeschäft erhebt sich majestätisch die Bavaria.

In der Schiffschaukel führt die eigene Kraft zum Erfolg.
In der Schiffschaukel führt die eigene Kraft zum Erfolg. © Sophia Willibald

Auch bei einem zweiten Fahrgeschäft, an dem die AZ vorbeischlendert, kann man eine herrliche Aussicht genießen: bei der Schiffschaukel. Auch hier zahlt man 1,50 Euro. Bis zu zwei Personen dürfen in ein Schifferl hüpfen und es mit eigener Muskelkraft in Schwung bringen. Hat man erst einmal den Dreh raus, wirbelt man schon nach wenigen Sekunden durch die Luft. Herrlich übrigens ist der Duft, der einem dabei entgegenweht: deftige Schweinsbratwurstsemmel (7 Euro), Leberkäse (4,50 Euro) und der süße Geruch von gebrannten Mandeln (5 Euro, genau wie auf der großen Wiesn).

In der Boandlkramerei entscheidet sich die AZ für eine vegetarische Variante und eine mit Fleisch – beide überzeugen.
In der Boandlkramerei entscheidet sich die AZ für eine vegetarische Variante und eine mit Fleisch – beide überzeugen. © Sophia Willibald

Bei dieser Versuchung plagt langsam der Hunger und die Reporter machen sich auf den Weg zur Boandlkramerei. Draußen im Biergarten des Festzelts ist an diesem Freitagabend noch etwas frei. Ausgeschenkt wird Augustiner Oktoberfestbier für 15,30 Euro die Maß. Zum Essen entscheidet sich die AZ für eine vegetarische Variante und eine mit Fleisch.

Serviert werden ein Wiener Schnitzel vom Kalb mit Kartoffel-Gurken-Salat und Preiselbeeren für 35 Euro und ein Cordon Bleu vom Bio-Tofu aus Bayern mit getrockneten Tomaten, Bio-Bergkäse und Bio-Bärlauch-Pesto für 25 Euro. Beide Gerichte überzeugen sowohl geschmacklich als auch optisch und zeigen, dass Qualität auch bei einer großen Masse möglich ist.

Nachdem alles verputzt und ausgetrunken ist, spaziert die AZ gen Ausgang. Wieder mal hat die Oide Wiesn ihren Charme spielen lassen und bewiesen, dass eine Wiesn ohne sie nur halb so schön wäre.

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