Die Bahn wird ausgebuht

So einen Eklat hat es im Stadtrat lange nicht gegeben. Bei der Vorstellung der Umbaupläne für den Hauptbahnhof verweigert der Bahn-Chef Auskünfte. Danach gab's Tumulte.  
| Willi Bock
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Wie eine x-beliebige Einkaufsmeile: Der neue Entwurf für den Hauptbahnhof.
Deutsche Bahn Wie eine x-beliebige Einkaufsmeile: Der neue Entwurf für den Hauptbahnhof.

Das hat es im Rathaus noch nie gegeben. Bei der Vorstellung der Umbaupläne für den Hauptbahnhof wurde die Bahn ausgebuht.

MÜNCHEN „Buuuh” schallt es durch den Sitzungssaal, als der Bahnchef das Mikrofon verlässt. „Buuuh!” Und das von allen Fraktionen. Untereinander sind sie ja nicht zimperlich, die Stadträte. Doch dass ein Gast ausgebuht wird, hat es im Rathaus in den vergangenen 40 Jahren noch nie gegeben.
Die Stadträte waren sauer. Vor allem wegen der Art und Weise, wie die Bahn mit dem Stadtrat und den Münchnern beim bedeutsamsten Bauprojekt der Innenstadt umgeht: Bei der zweiten Stammstrecke oder wie gestern eben bei den nebulösen Umbauplänen für den Hauptbahnhof.

Wie berichtet, hat die Bahn die seit fast zehn Jahren favorisierten Pläne des Münchner Büros Auer + Weber über den Haufen geworfen und eigene Pläne vorgestellt. Angeblich, weil Auer + Weber zu teuer und das Bahn-Konzept wirtschaftlicher sei. Der Stadtrat wollte daher Fakten wissen. Doch die blieb Andre Zeug, Vorstandsvorsitzender der DB Station&Service, komplett schuldig. Deswegen das Buh-Konzert.
Zu den Kosten: Der erste Entwurf von Auer + Weber für einen Totalumbau wurde mit 650 Millionen Euro angegeben. Nach einer Umplanung wurden 300 Millionen Euro genannt. Jetzt legt Auer + Weber eine abgespeckte Variante vor: 252 Millionen Euro. Bahnchef Zeug behauptete gestern gegenüber der Presse: Der Bahnplan sei „70 bis 100 Millionen Euro billiger” als Auer+Weber. Nämlich: 300 Millionen. Das Zahlenrätsel konnte er aber nicht erklären. Den Stadträten sagte er: Der Entwurf sei nur eine Grobplanung. Doch trotz mehrfacher Aufforderung konnte oder wollte er nicht sagen, worin der wirtschaftliche Vorteil des Bahn-Plans liege.

Der Umbau des Hauptbahnhofs ist aber keine Bagatell-Baustelle. Und die Bahn muss nach dem Dilemma mit dem Lehrter Bahnhof in Berlin und mit „Stuttgart 21” vorsichtig sein. So droht auch eine Urheberrechtsklage von Auer+Weber – die haben den Architektenwettbewerb damals gewonnen.
Eine aufgebrachte Planungsreferentin Elisabeth Merk mahnte an: „Der Münchner Hauptbahnhof ist die größte cashcow der Bahn in Deutschland.” Nirgendwo sonst verdient sie mit einem Bahnhof so viel Geld. Das soll offenbar mehr werden.

Deshalb lautet die einhellige Meinung der Stadträte: Der neue Bahnhof gleicht eher einem großen Einkaufszentrum. Denn zugunsten der Verkaufsflächen wird beispielsweise die Eingangshalle deutlich verkleinert. Und was besonders schwer wiegt: Die Verbindungen zu den S-Bahnen und U-Bahnen ist kaum besser als mangelhaft.
Die Bahnpläne gefallen im Stadtrat niemandem. „Ich halte die ganze Entwicklung für einen Skandal”, meinte Planungs-Experte Walter Zöller (CSU) unter dem Beifall aller. Für Alexander Reissl (SPD) ist die Planung „ein Dilemma”, für Michael Mattar (FDP) „unerträglich”.

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