Kommentar

Die Alternative wäre weniger riskant: Warum Krauses Ampel-Plan trotzdem richtig ist

Mit der CSU hätte sich Dominik Krause weniger Sorgen machen müssen. Und trotzdem ist seine Entscheidung für eine Ampelregierung richtig, kommentiert AZ-Rathausreporterin Christina Hertel. Und erklärt, warum dieses Bündnis auch für die FDP eine große Chance werden könnte.
von  Christina Hertel
Bald-OB Dominik Krause.
Bald-OB Dominik Krause. © IMAGO/B. Lindenthaler

Der zukünftige OB Dominik Krause setzt für das Rathaus auf eine Ampel plus Freie Wähler plus Rosa Liste. Ein Bündnis aus fünf Gruppierungen klingt nach einer satten Mehrheit. Tatsächlich kommt diese Koalition mit OB bloß auf 43 von 81 Stimmen.

Mit der CSU hätte sich Krause weniger Sorgen machen müssen, was passiert, wenn mal ein Stadtrat krank, im Urlaub oder anderer Meinung ist. Und: Der Stadthaushalt ist so schlecht aufgestellt wie lange nicht. Kürzungen hätte man womöglich leichter verkaufen können, wenn die drei großen Parteien sie gemeinsam vertreten hätten. Und trotzdem ist Krauses Entscheidung richtig.

Der CSU-Wahlkampf hallt nach

Denn am Ende ist bei einer Koalition nicht die Mathematik das Entscheidende. Sondern die Frage, ob es passt. Nicht nur inhaltlich, auch zwischenmenschlich. Die CSU hat ihren Wahlkampf hauptsächlich damit bestritten, gegen die Grünen zu wettern. Gegen "ideologische" Radwege. Gegen den vermeintlichen "Parkplatz-Klau". Sauberkeit und Sicherheit waren die Schlagwörter. Nicht nur einmal nannte der CSU-OB-Kandidat die Grünen "Abteilung Jugend forscht". Schwer vorstellbar, wie all das wenige Wochen später vergessen sein soll.

Schwer vorstellbar, dass sich die CSU plötzlich unterordnet. Nun hat Krause vielleicht keine riesige Mehrheit, aber dafür eine, bei der die Machtverhältnisse klar geregelt sein dürften. Es heißt, dass sich Grüne und SPD momentan so nah sind wie in den sechs Jahren zuvor nie. Auch für das Verhältnis macht eine Ampel mehr Sinn als ein Riesen-Bündnis mit der CSU, bei der die SPD womöglich recht bald hätte feststellen müssen, dass sie eigentlich für die Mehrheitsfindung gar nicht gebraucht wird.

Für die FDP ist das nun auch eine große Chance

Und die FDP? Muss die jetzt ihre Überzeugungen über Bord werfen? Nicht unbedingt. Auch für sie bietet sich eine Chance. Sie kann zeigen, dass sie nicht nur Politik für Zahnärzte und Hauseigentümer macht. Dass liberale Politik auch sein kann, Chancengleichheit zu schaffen, die Digitalisierung voranzutreiben oder Bürokratie abzubauen.

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