Der neue Hauptbahnhof: „Macht mich rasend!“

Beim Neujahrsempfang der Denkmalschützer wird das Gebäude verbal in die Tonne getreten.
| Th. Müller
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Stein des Anstoßes: Der neue Hauptbahnhof, hier der 70-Meter-Turm, der vom alten Gebäude quasi nichts mehr übrig lässt. Kleines Bild: Der ernüchterte Generalkonservator Mathias Pfeil (l) und der stocksaure Kunstminister Ludwig Spaenle.
Auer Weber Assoziierte /AZ Stein des Anstoßes: Der neue Hauptbahnhof, hier der 70-Meter-Turm, der vom alten Gebäude quasi nichts mehr übrig lässt. Kleines Bild: Der ernüchterte Generalkonservator Mathias Pfeil (l) und der stocksaure Kunstminister Ludwig Spaenle.

München – Das Ambiente war perfekt: In der historischen Säulenhalle der Alten Münze, in der das Landesamt beheimatet ist, hatte Bayerns oberster Denkmalschützer Mathias Pfeil zum Neujahrsempfang geladen. Und lieferte eine launige Rede über Ehrengäste (wie den 88-jährigen Residenz-Wiederaufbau-Architekten Otto Meitinger), Rück- und Ausblicke – beim Thema neuer Hauptbahnhof freilich war’s mit der Festlichkeit schnell vorbei. Vor allem der geplante 70 Meter-Turm erregt sein Gemüt.

„Es ist eben nicht, wie die Stadt sagt, lediglich eine Einzelfallentscheidung, mit diesem Bau an der Stelle in die Höhe zu gehen“, sagte er der AZ. Vielmehr entstehe hier „ein neuer Bezugspunkt“, der bei anderen Bauherren schnell Begehrlichkeiten wecken könnte. „Ich habe meine Meinung ja deutlich gesagt in der Sitzung der Stadtgestaltungskommission“, so Pfeil. „Die Entscheidung der Stadt ist einfach falsch.“

Lesen Sie hier: Denkmalnetz Bayern kritisiert Entwürfe Das große Ringen um den neuen Hauptbahnhof

Noch viel, viel deutlicher wurde Kunstminister Ludwig Spaenle. Wobei ihn gar nicht mal der Höhenrausch der Stadt stört, „ob der Turm, ein paar Meter höher oder niedriger gebaut wird“. Nein – für ihn geht es um mehr: um „Kernelemente des Wiederaufbaus der Nachkriegszeit“, wie etwa das Nierentisch-Dach vorm Haupteingang, das Mosaik und die Bahnhofsuhr sowie natürlich den filigranen (aber arg heruntergekommenen) Starnberger Flügelbahnhof. Das alles könne man nun schön finden oder nicht. „Aber der Platz zeigt, wie sich die Bundesrepublik nach dem Krieg neu erfunden hat.“ „Diese Selbstvergessenheit der Stadt macht mich wütend, macht mich rasend“, rief er unter großem Applaus, „wie man diesen Kern unserer Stadt einfach abräumt“.

Freilich nicht ohne hinzuzufügen, dass es ihm nicht anstehe, Entscheidungen der Stadt zu kritisieren. Oder sogar CSU-Kollegen aus dem Münchner Stadtrat, die dem Hauptbahnhof-Neubau zugestimmt haben.

Lesen Sie hier: AZ-Interview mit Elisabeth Merk Das sagt die Stadtbaurätin zum neuen Hauptbahnhof

Es bleibt also schwierig. Nicht ganz so schwer war dann der gesellige Teil in der Säulenhalle. Es gab Gulaschsuppe und Bier. Augustiner natürlich. Und schon war die Welt wieder ein bisserl in Ordnung.

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