Interview

Der Mann, der aussieht wie Monaco Franze: "Die jungen Leute flirten nimmer"

Martin Kain ist Fan der ersten Stunde vom Monaco Franze - für Stadtführungen schlüpft er gerne auch ein bisserl in die Rolle. Ein Gespräch über Helmut Fischer, dessen Filmfigur und zufällige Ähnlichkeiten.
| Hüseyin Ince
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Monaco Franze und sein Double Martin Kain ("Monaco Martl") im Lieblingscafé Helmut Fischers an der Münchner Freiheit.
Monaco Franze und sein Double Martin Kain ("Monaco Martl") im Lieblingscafé Helmut Fischers an der Münchner Freiheit. © Daniel Loeper

München - Es ist Dienstagmittag, leichter Wind. Die Sonne glitzert am Helmut-Fischer-Denkmal. Und wer es nicht besser weiß, verfällt der Illusion, dass der leibhaftige Monaco Franze vor einem sitzt. Aber es ist Martin Kain, gebürtiger Sendlinger. Kain ist Stadtführer auf den Spuren des ewigen Stenz. Mit der AZ spricht er über Fischer, Flirts und die Wiesn.

AZ: Herr Kain, haben Sie schon immer ausgesehen wie der Monaco Franze?
MARTIN KAIN: Nein, früher war ich ein ganz anderer Typ.

Nämlich?
80er Jahre. Schnauzer. Goldkettchen. Lange Haare, Locken. Da hat mich niemand mit Helmut Fischer verwechselt.

Eher der junge Mosi als Helmut Fischer: So sah Martin Kain in den 70ern und 80ern aus. Eine Goldkette war obligatorisch.
Eher der junge Mosi als Helmut Fischer: So sah Martin Kain in den 70ern und 80ern aus. Eine Goldkette war obligatorisch. © Martin Kain

Stadtführer Martin Kain war schon immer Fan vom Monaco Franze

Wann haben Sie sich ihm äußerlich angenähert?
Vor etwa zehn Jahren. Meine damalige Freundin war schuld. Sie sagte: Schnauzer und Dauerwelle müssen weg.

Sie waren schon immer ein großer Fan vom Monaco Franze. Warum?
Ach, dieses Lebensgefühl, das Münchnerische. Das ist einzigartig. Ich kenne fast alle Szenen aus der Serie. Und vor allem die ganzen Sprüche. Fabelhaft.

Was gefällt Ihnen an den Sprüchen?
Es sind sympathische Sätze. Ganz freundlich, zurückhaltend, gewitzt. Ist doch klar, dass die Frauen in der Serie den Monaco Franze mögen.

Sind das auch Sätze, die Sie selbst früher gesagt haben?
Ich war in meiner Jugend ein schüchterner Typ. Erst über dieses Selbstbewusstsein, das Helmut Fischer in der Serie spielte, bin ich auch selbstsicherer geworden. Heutzutage ist ja alles anders. So digital. Die Leute sprechen sich nicht mehr an. Das ist schade.

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Flirten in München? "Alle verschwinden hinter ihrem Handy"

Wie lief das denn früher ab?
Man ging in eine Disco, schaute sich um, sprach eine Frau an, die einem gefällt. Auch Frauen sprachen Männer an, die ihnen gefielen. Wir fragten uns, ob wir tanzen wollen. So lernte man sich langsam kennen. Die Spannung war herrlich. Hat sie Interesse, kriegt man einen Korb?

Und heute?
Ich wollte das genau wissen und ging vor einigen Jahren in die Muffathalle. Die Leute starrten auf ihr Handy. Ich sprach eine junge Frau an und fragte, wie sich denn die jungen Leute heutzutage kennenlernen. Sie sagte: Internet. Wir verabreden und treffen uns dann in einem Club oder Café wie hier. Manchmal denke ich mir, die können gar nicht mehr flirten. Alle verschwinden hinter ihrem Handy.

Und dann kam noch die Pandemie dazu, die Distanz schafft.
Ja leider. Das ist dramatisch.

Gibt es Ausnahmen, wo sich die Leute noch so offen ansprechen wie in den 80ern?
Ja, auf der Wiesn. Da sprechen sich die Leute ganz oft an. Es muss wegen dem Alkohol sein.

Martin Kain als Monaco Franze: "Je nachdem, wie groß die Gruppen sind"

Wie hat Sie Monaco Franze in Ihrem Flirtverhalten beeinflusst?
Diese Lässigkeit. Ganz locker, freundlich. Da dachte ich mir, aha, so geht es also auch. Manche Sprüche gehen heute natürlich nimmer.

Zum Beispiel?
"Geh Fräulein, haben Sie ein Telefon daheim?" Fräulein braucht man eh keine Frau mehr nennen. Da kriegt man einen Vogel gezeigt. Früher war das Wort Fräulein ein Zeichen von Freundlichkeit und Zurückhaltung. Trotzdem gehen bei meinen Touren auch jüngere Leute mit und sie interessieren sich für die Filmfigur, für ihre Sprüche, für ganze Szenen. Es sind sogar Gäste auf den Touren, die haben die Serie noch nie gesehen. Die wissen, ah, da gab's den Monaco Franze, den schau ich mir mal an. A bisserl was geht da immer.

Wie oft machen Sie die Touren als Monaco Franze?
Je nachdem, wie groß die Gruppen sind. Es gibt keine festen Zeiten. Einmal hatte ich sogar abends eine Führung.

Wie sieht die Route Ihrer Monaco-Franze-Tour aus?
Es geht los an der Filmwohnung am Elisabethplatz. Vorbei an der Wohnung von Helmut Dietl. Dann geht es zum Drehort der Faschingsszene, Herr der Sieben Meere, zum Englischkurs, Antiquitätenladen, rüber nach Altschwabing und zu den nächsten Filmschauplätzen. Zwischendurch erzähle ich aus Fischers Privatleben und über die Filmfigur Monaco Franze.

Autogrammkarten von den Schauspielern der Serie: Repro-Fotograf Kain hat auf seinem Stadtführungsordner diese Collage zusammengestellt.
Autogrammkarten von den Schauspielern der Serie: Repro-Fotograf Kain hat auf seinem Stadtführungsordner diese Collage zusammengestellt. © inc

Und was können Sie zum Café erzählen, in dem wir sitzen?
Es war sein Lieblingscafé, hier an der Münchner Freiheit. Er war privat regelmäßig da. Fischer wohnte in der Nähe.

Wissen Sie, was Fischers erste Rolle gewesen ist?
Sein Filmdebüt war in "Die Lokalbahn". Da spielt er einen Friseurmeister.

Helmut Fischer spielte auch in "Pumuckl" mit

Aber hat er nicht auf der Wiesn eine Rolle gehabt?
Ach, Sie meinen, als Hinterteil eines Zebras. Ja, das stimmt. Er nahm eine Zeit lang jeden Job an, den er bekam. Auch als Zeitungsträger. Zwischendurch hausierte er sogar. Alles in der Zeit, lange vor der Rolle als Monaco Franze, seinem Durchbruch. Da war er ja schon über 50 Jahre alt. Sogar beim Pumuckl hat er mitgespielt.

Beim Meister Eder?
Ja, da hat er einen weißen Kittel an. Er hatte viele kleine Rollen.

Würden Sie sich als Helmut-Fischer-Experte bezeichnen?
Nein, wenn, dann als Monaco-Franze-Experte.

Wann wurden Sie denn das erste Mal angesprochen, ob Sie der Helmut Fischer oder der Monaco Franze sind?
Vor etwa zehn Jahren. Da hatte ich gerade den Oberlippenbart rasiert und die Haare kürzer schneiden lassen.

Und wo?
Am Oktoberfest. Sie müssen wissen, ich bin jeden einzelnen Tag am Oktoberfest. Schon immer. Ich habe selten einen Tag ausgelassen.

Martin Kain wäre beinahe auf der Wiesn zur Welt gekommen

Woher kommt das?
Als meine Mutter schwanger gewesen ist, mit mir, da war sie kurz vor der Entbindung im Kreißsaal an der Lindwurmstraße noch im Bierzelt auf der Theresienwiese. Sie ist auch ein großer Oktoberfest-Fan gewesen. Ich glaube, das hat sie mir vererbt.

Sie wären beinahe auf der Wiesn zur Welt gekommen?
Da hat nicht viel gefehlt. Einmal bin ich mit sechs Jahren von zu Hause abgehauen. Und wo hat man mich wieder gefunden?

Auf der Wiesn.
Richtig. Bei der Bavaria, bei den Pferden.

Aber Sie trinken sich bestimmt nicht bewusstlos, oder?
Nein, gemütlich, wie auch der Monaco Franze das gemacht hätte. Der Nachmittag beginnt unter weiß-blauen Palmen, im Augustiner-Biergarten. Da zelebriere ich die erste Maß. Ich schaue den Krug an, sehe die Perlen am Glas, setze den Krug auf die Unterlippe, die Sonne glitzert im Schaum. Bei dem Gedanken kriege ich Gänsehaut.

Wie viele Maß trinken Sie dann pro Tag?
Eigentlich nie mehr als drei. Zwischendurch eine alkoholfreie. Und am Ende gibt es noch das Rischart Partyzelt und das Weinzelt.

Das ist also ein großer Unterschied zu Helmut Fischer, der kein großer Wiesn-Fan war.
Den hat man da kaum gesehen. Er hat die Wiesn gemieden, glaube ich. Ich kenne ein einziges Foto von ihm auf dem Oktoberfest, mit Janker und Hut, vor der Bavaria.

Wissen Sie, warum das so war?
Nein.

Jedenfalls wurden Sie am Oktoberfest oft angesprochen, weil Sie Fischer so ähnlich schauen.
Häufig. Hier ein Foto, da ein Selfie. Gemeinsam anstoßen. Es ist schön und bisserl unangenehm zugleich.

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So wurde Martin Kain Stadtführer als Monaco Franze

Und wie kam es dazu, dass Sie Stadtführer als Monaco Franze wurden?
Da sprach mich eine Stadtführerin an. Im Käfer-Biergarten, vor etwa sechs Jahren. Sie sagte, wollen Sie nicht solche Touren machen? Ich habe erst abgelehnt. Aber als sich abzeichnete, dass ich in Rente gehe, dachte ich mir, warum nicht? Bin ja wie gesagt ein Monaco-Franze-Fan der ersten Minute. Es war auch meine Zeit, meine Jugend, als die Serie gesendet wurde.

Wann haben Sie sich das erste Mal über Helmut Fischer genauer informiert?
Als meine Freundin, die mich dazu brachte, Schnauzer und Dauerwelle loszuwerden, mich verließ. Sie schenkte mir ein Buch über den Monaco Franze, zum Abschied, vor etwa 15 Jahren. Mit den Worten: Das wird nichts mit uns.

Interessante Art, sich zu verabschieden. Waren Sie denn so untreu wie der Monaco Franze?
Ich flirte gern. Meine Partnerin darf das übrigens auch, keine Frage.

Also steckt in Ihnen mehr Monaco Franze als in Helmut Fischer? Mehr Stenz? Mehr Don Juan aus der Au?
Wahrscheinlich schon. Fischer war sein ganzes Leben mit einer Frau verheiratet. 44 Jahre lang. Andererseits: Man weiß halt nichts über Eskapaden. Vielleicht gab es welche und er konnte sie verheimlichen.

Stenz ist "ein bayrischer Mann mit einem durch und durch unsoliden Lebenswandel"

Waren Sie jemals verheiratet?
Ja, habe einen Sohn aus der Ehe. Von 1983 bis 2000. Getrennt waren wir schon 1993 etwa. Nach meiner Ehe begann eigentlich erst diese Phase, dass ich viel flirtete.

Bereuen Sie es, verheiratet gewesen zu sein?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin überzeugt, dass diese Erfahrung, eine Familie zu gründen, für jeden wichtig ist. Das kann ja wunderschön sein.

Monaco Franze geht irgendwann in die Bibliothek und sucht ein Buch über den Begriff des Stenz. Was ist ein Stenz?
Ich würde sagen, ein bayrischer Mann mit einem durch und durch unsoliden Lebenswandel. So sagt er es ja selbst zu der Bibliothekarin.

Traf das nach der Ehe auf Sie zu, waren Sie dann ein Stenz?
Nein. Ich war einfach nur frei. Und als Double vom Monaco Franze wurde ich viel häufiger angesprochen. Ich ging mal auf den Fasching und die Leute sagten: Eigentlich brauchst dich gar nicht verk

leiden. Aber ehrlich, ich möchte ja nicht der zweite Helmut Fischer sein. Der Mann ist Kult. Ich sehe ihm nur zufällig ähnlich.

Fanden Sie es schade, dass es nur zehn Folgen vom Monaco Franze gab?
Nein, es war genau richtig. So gut wäre es nie wieder geworden. Diese Dialoge sind alle perfekt geschliffen. Die Pointen sitzen. Die haben es krachen lassen. Wenn Erni Singerl dem Harlander sagt, mei die Schwammerl kosten a Fuchzgerl, du spinnst ja! Und der Harlander sagt ganz trocken: Morgen is immer no billiger wia übermorgen. Das sind so münchnerische Gags.

Haben Sie einen Lieblingsspruch aus der Serie? Beim Flirten zum Beispiel?
Das kann man pauschal nicht sagen. Ich habe schon einiges ausprobiert. Aber heutzutage bekommt man auf solche Sprüche eher die Gegenfrage: Sind Sie geimpft? Eine, die ich angesprochen habe, war etwas jünger und fragte: Sehen Sie nicht, dass ich telefoniere?

Das klingt jetzt sehr nach Monaco Franze. War das auch eine, die vom Schicksal gestreift ist, mit Drang zum Höheren?
Ja, auch einer dieser bemerkenswerten Sätze. In der Serie geht es ja darum, dass Monaco Franze eine Frau sucht, die er zufällig gesehen hat. Eben die Elli. Und da fragte er sich, woher die schöne Unbekannte kommen könnte, aus welchem Stadtteil. Eine großartige Episode. Thomas Gottschalk, als frecher Türsteher, gibt ihm Tipps, woher sie sein könnte.

Hätten Sie gerne mal Helmut Fischer kennengelernt?
Das wär schön gewesen. Leider ergab sich nie die Gelegenheit.


Monaco-Franze-Tour mit Martin Kain: 0176-96330029 oder unter www.stadtführung.info

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