Das Warten hat ein Ende: „O'zapft is“

„Ozapft is“! Mit zwei Schlägen hat Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) am Samstag das erste Bierfass angezapft und damit das 176. Münchner Oktoberfest eröffnet.
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MÜNCHEN - „Ozapft is“! Mit zwei Schlägen hat Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) am Samstag das erste Bierfass angezapft und damit das 176. Münchner Oktoberfest eröffnet.

„Ozapft is“ heißt es seit Samstag wieder auf dem Münchner Oktoberfest. Routiniert stach Oberbürgermeister Christian Ude mit nur zwei Schlägen um Punkt 12.00 Uhr das erste Fass an und wünschte eine „friedliche Wiesn“. Über Dirndl-Verweigerung mussten sich Traditionalisten in diesem Jahr nicht empören: Ministerpräsidenten-Gattin Karin Seehofer kam zu ihrer Anzapf-Premiere gut gelaunt in einem blauen Dirndl mit rot-weiß karierter Schürze. Ihre Vorgängerin Marga Beckstein hatte im vergangenen Jahr kritische Blicke auf sich gezogen, weil sie im geblümten Blazer etwas lustlos zu der urbayerischen Traditionsveranstaltung erschienen war.

Eine Woche vor der Bundestagswahl wurden Ministerpräsident Horst Seehofer und seine Gattin von den 6.000 Gästen im vollbesetzten Schottenhamel-Zelt mit wohlwollendem Applaus begrüßt. Für den bayerischen Regierungschef, der seit Oktober 2008 im Amt ist, war es seine Anzapf-Premiere. Im vergangenen Jahr hatte Ude dem Franken Günther Beckstein die erste Maß gereicht, 2007 noch Edmund Stoiber. „Jetzt sind wir wieder unter uns Oberbayern“, sagte Oberbürgermeister Ude, nachdem er Seehofer die erste Maß gereicht hatte. „Ich genieße es, die Chance zu haben, jedes Jahr einen neuen Ministerpräsidenten kennenzulernen“, frotzelte Ude. „Wo ist so viel Abwechslung geboten?“ Seehofer kündigte an, er werde alles tun, „damit das Rotationsprinzip bei den Ministerpräsidenten beendet wird“. Im Trachtenanzug verfolgte der Regierungschef den Anstich.

Dass seine Frau ein Dirndl trage, sei allein ihre Entscheidung gewesen, beteuerte er. „Ich zieh' gern ein Dirndl an“, erklärte Karin Seehofer. Fünf Stück habe sie in ihrem Schrank. Die Aufregung um Marga Becksteins Wiesn-Outfit im vergangenen Jahr habe sie aber überzogen gefunden. „Man muss das jedem selbst überlassen“, meinte die bayerische First Lady. Obwohl Horst Seehofer beteuerte, das Oktoberfest sei für ihn „eine politikfreie Zone“, lieferte er sich mit Grünen-Chefin Claudia Roth auf der Empore des Schottenhamel-Zelts einen Prosit-Wettbewerb mit den Festzeltbesuchern. Als Roth dem Publikum zuprostete, schallten deutliche Buhrufe zurück. Seehofer dagegen erntete Applaus - allerdings hatte er sich klugerweise auch den Münchner Volkstribun Ude an die Seite geholt. Der Oberbürgermeister durfte bereits zum 16. Mal anzapfen.

Roth, die im lindgrünen Dirndl mit Sonnenblumen-Anstecker erschienen war, deutete die Buhrufe gegen sie aber positiv. Diese seien „die höchste Form der politischen Anerkennung“ und zeigten, dass die Festzeltbesucher sie wenigstens kennen würden, erklärte sie. Trotz Bundestagswahlkampf blieb weitere bundespolitische Prominenz dem Anstich fern. Zu den Stammgästen beim Anzapfen gehört inzwischen aber Moderator Florian Silbereisen. Auch die Schauspieler Axel Milberg, Michaela May und Jutta Speidel feierten mit. Unmittelbar nach dem offiziellen Anstich gaben zwölf Böllerschüsse auf der Theresienwiese das Signal, dass nun in allen 14 Festzelten Bier ausgeschenkt werden darf. Bei bedecktem Himmel drängten sich zum Auftakt Hunderttausende Besucher auf dem Festgelände. Obwohl sie sich schon am frühen Morgen angestellt hatten, schafften es viele erst gar nicht in die überfüllten Zelte mit insgesamt rund 100.000 Sitzplätzen.

Maß Bier kostet bis zu 8,60 Euro

Das größte Volksfest der Welt dauert bis zum 4. Oktober. Insgesamt werden sechs Millionen Gäste aus aller Welt zur 176. Wiesn erwartet. Der Liter Festbier kostet in den großen Bierzelten durchgängig zwischen 8,50 und 8,60 Euro. Im vergangenen Jahr lag der Höchstpreis noch bei 8,30 Euro. Auch in diesem Jahr wollen die Münchner Brauereien wieder mehr als sechs Millionen Maß Bier, rund eine halbe Million Hendl und über 100 Ochsen an die Festbesucher bringen.

Neben den großen Festzelten gibt es rund 270 Schausteller, über 300 Marktkaufleute und mehr als 100 kleinere und mittlere Gastronomiebetriebe. Zu den ältesten Attraktionen zählen Schiffschaukel, der Flohzirkus, die Enthauptung im Varieté-Theater „Schichtl“ und die Krinoline. Letztere ist ein gemütliches Karussell mit Live-Blasmusik. Die Schausteller warten aber auch mit Neuheiten auf, wie dem Hochgeschwindigkeits-Karussell „Techno Power“ und dem fast 30 Meter hohen Schaugeschäft „The Tower“ mit einem Erlebnisparcours. (dpa)

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