Darum stehen heute Busse und Bahnen in München für eine Minute still

Am 22. Juli 2016 tötete David S. (†18) in München aus rassistischen Motiven neun Menschen. Zehn Jahre danach kämpfen ihre Angehörigen und Überlebende noch immer um Anerkennung, Aufklärung und ein würdiges Gedenken. Was damals geschah, was für Mittwoch geplant ist.
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Bei dem rassistisch motivierten Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum wurden 2016 neun Menschen erschossen. (Archivbild)
Bei dem rassistisch motivierten Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum wurden 2016 neun Menschen erschossen. (Archivbild) © Peter Kneffel/dpa

Der 22. Juli 2016 ist ein Tag, den kaum ein Münchner, der damals in der Stadt gewesen ist, je vergessen wird. Eine ganze Stadt wurde durch das Attentat am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) in Terror-Angst versetzt. Neun Menschen sind an diesem Tag gestorben, fünf weitere wurden verletzt. Der Täter dieses rassistisch motivierten Anschlags hatte sich schließlich selbst gerichtet. 

Zehnter Jahrestag des OEZ-Anschlags: So läuft das Gedenken

Am Mittwoch jährt sich der rechtsterroristische Anschlag am OEZ zum zehnten Mal. Aus diesem Anlass wird es am Ort des Geschehens ein Gedenken an die Opfer geben.

Um 16 Uhr beginnt das Gedenken mit der Begrüßung durch Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne). Im Anschluss redet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD).

Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) wird nach dem Präsidenten das Wort ergreifen. Im Anschluss sind dann die Reden der Hinterbliebenen vorgesehen. Danach wird der OB ebenfalls eine Rede halten.

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Um 17.51 Uhr soll es eine Schweigeminute geben, bevor dann die Kränze am Denkmal vor dem OEZ niedergelegt werden. Ab 18 Uhr sind anschließend weitere Beiträge und Musik eingeplant.

Bereits am vergangenen Freitag ist am Rathaus eine neue Gedenktafel für die Opfer enthüllt worden. Bei einer Demonstration am Sonntag wurde in München ebenfalls der neun Opfer gedacht.

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MVG-Fahrzeuge stehen während Schweigeminute still

Wenn zum Tatzeitpunkt der Opfer unter anderem mit einer Schweigeminute gedacht wird, beteiligt sich auch die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und unterbricht dafür kurzzeitig den Betrieb, um ein Zeichen des gemeinsamen Erinnerns zu setzen.

Trambahnen, Busse und U-Bahnen bleiben am 22. Juli in München um 17.51 Uhr für eine symbolische Minute stehen. (Symbolbild)
Trambahnen, Busse und U-Bahnen bleiben am 22. Juli in München um 17.51 Uhr für eine symbolische Minute stehen. (Symbolbild) © IMAGO/Sabine Gudath

Um 17.51 stehen alle öffentlichen Verkehrsmittel der MVG – U-Bahnen, Trams und Busse – für eine Minute still, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Um den Aufenthalt auf freier Strecke beziehungsweise im Tunnel zu vermeiden, sollen die Fahrzeuge in Einzelfällen bereits kurze Zeit vorher an der nächstgelegenen Haltestelle oder einer anderen passenden Stelle stehen bleiben. "Die Fahrgäste werden sowohl in den Fahrzeugen als auch an den Haltestellen über digitale Anzeigen und Durchsagen darauf hingewiesen", heißt es weiter.

Umleitungen mehrerer Buslinien im Bereich des OEZ

Wegen der Sperrungen anlässlich der Gedenkveranstaltung muss die MVG ab 5 Uhr morgens bis etwa 0 Uhr mehrere Buslinien umleiten.

  • Die Expressbuslinien X35 und X36 werden zwischen Bingener Straße und Oberwiesenfeld umgeleitet. Die Haltestelle Olympia-Einkaufszentrum West entfällt. Stattdessen wird die Haltestelle Olympia-Einkaufszentrum (Linie 175 Richtung Ludwigsfeld bzw. Linie 50 Richtung Dessauerstraße) bedient.
  • Die Linien 50, 60 und 163 werden zwischen Lassallestraße und Dessauerstraße umgeleitet. Die Haltestellen Olympia-Einkaufszentrum West und Olympia-Einkaufszentrum entfallen. Auf der Umleitungsstrecke werden der Haltestelle Olympia-Einkaufszentrum Ost (Linie 175) sowie in Richtung Dessauerstraße die Haltestelle Riesstraße (Linie 175 Richtung Georg-Brauchle-Ring) bedient.
  • Der Bus 175 wird zwischen Olympia-Einkaufszentrum und Olympia-Pressestadt umgeleitet. Die Haltestellen Olympia-Einkaufszentrum West, Riesstraße und Olympia-Einkaufszentrum Ost entfallen. In Richtung Georg-Brauchle-Ring wird zusätzlich die Haltestelle Olympia-Einkaufszentrum (Linie 50 Richtung Dessauerstraße) bedient.
  • Beim Bus 51 entfällt darüber hinaus von etwa 7 Uhr bis gegen 17 Uhr die Endhaltestelle Moosach Bahnhof. Die Busse wenden in dieser Zeit vorzeitig an der Haltestelle Bunzlauer Platz.

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22. Juli 2016: Die Chronologie des Tathergangs

Am Nachmittag des 22. Juli 2016 versendet der 18-jährige David S. Nachrichten an seine Opfer, lockt sie in ein Schnellrestaurant am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ). Um 17.51 Uhr eröffnet er dort mit seiner Tatwaffe, einer Glock 17, das Feuer auf eine Gruppe aus sechs Jugendlichen und Kindern. Fünf Menschen wurden tödlich getroffen, ein 13-jähriges Kind erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

Ab 17.52 Uhr gehen die ersten Notrufe bei der Polizei ein. Der Täter verlässt gleichzeitig das Restaurant und schießt auf Passanten. Insgesamt werden vier weitere Menschen getötet. Gegen 20.30 Uhr wird David S. von der Polizei gestellt. Er erschießt sich. Aber erst im Laufe des Abends stellt sich heraus, dass er alleine gehandelt hatte. München atmet auf. Und trauert um die Opfer. David S. hatte neun Menschen mit Migrationshintergrund erschossen, fünf weitere verletzt – wie erst sehr viel später anerkannt wurde, aus rassistischen Motiven. Am OEZ wurde ein Denkmal für die meist jugendlichen Opfer errichtet, seit Freitag erinnert am Rathaus eine Gedenktafel an sie. 

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) steht am fünften Jahrestag des Terroranschlags am OEZ vor dem Denkmal.
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) steht am fünften Jahrestag des Terroranschlags am OEZ vor dem Denkmal. © Peter Kneffel/ dpa

Die Ermittlungsbehörden sprachen schnell vom Amoklauf eines Einzeltäters. Dabei deutete schon das Datum auf seine rechte Überzeugung hin: Fünf Jahre zuvor, am 22. Juli 2011, hatte der Rassist Anders Behring Breivik in Norwegen 77 überwiegend junge Menschen getötet. Erst im Oktober 2019 stuften die Ermittler die Tat am OEZ als rechtsextremistisch motiviert ein.  

Zum Jahrestag fordern Hinterbliebene einen Untersuchungsausschuss

Dieses Motiv sei lange ignoriert oder bagatellisiert worden, kritisiert die Initiative München-erinnern, die Angehörige der Opfer und Überlebende mit weiteren Unterstützern gegründet haben.  

Zum Jahrestag fordern Hinterbliebene einen Untersuchungsausschuss. Sie wollen wissen, ob die Tat hätte verhindert werden können, wenn Hinweise aus dem Umfeld des 18-Jährigen ernst genommen worden wären – und ob erneut ermittelt werden müsste, um mögliche Hintermänner zu finden und rechte Netzwerke aufzudecken.   Größter Wunsch der Angehörigen sei es dabei, dass sich eine solche Tat nicht wiederhole, hieß es von der Initiative München erinnern. Niemand solle erleben, was sie erlebt hätten.

 

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  • MUC vor 11 Minuten / Bewertung:

    Der Name des Amokläufers ist mit David S. etwas verkürzt, der Täter heißt David Ali Sonboly.

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  • Der wahre tscharlie vor 19 Stunden / Bewertung:

    Finde ich sehr gut, dass der ÖPNV am Mittwoch für eine Minute still steht!
    Wir gedenken der Opfer.

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