Darum droht der Mieten-Schock in München

Lebensmittel, Strom und Gas sind so teuer wie nie. Und das könnte für Zigtausende Münchner eine saftige Mieterhöhung bedeuten.
| Christina Hertel
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Münchner Mietshäuser: Nicht nur das Heizen und der Strom werden aktuell teuer, sondern möglicherweise auch die Miete.
Münchner Mietshäuser: Nicht nur das Heizen und der Strom werden aktuell teuer, sondern möglicherweise auch die Miete. © imago/Sven Simon

München - Gerade wird alles teuer. Tomaten kosten fast ein Fünftel mehr als vor einem Monat. Auch für Heizöl und Benzin muss man momentan so viel bezahlen wie seit Jahren nicht. Schuld ist die Inflation, die sich auf dem höchsten Niveau seit 1993 befindet. An der Supermarktkasse geht es um Centbeträge. Zigtausende Münchner Mieter könnten allerdings bald Hunderte Euro im Jahr mehr Miete bezahlen.

Immer häufiger "Index-Mieten"

Immer häufiger werden in München Mietverträge abgeschlossen, die sich an dem Verbraucherpreis orientieren. Index-Miete nennt sich dieses Prinzip. Weil es mit diesen Verträgen seltener zu einem Rechtsstreit kommt und weil Mieterhöhungen einfacher durchzusetzen sind, empfiehlt sie der Eigentümerverein "Haus und Grund".

Der Vorsitzende Rudolf Stürzer schätzt, dass sie etwa 70 Prozent aller neuen und 40 Prozent aller Mietverträge insgesamt in München ausmachen. Der Vorteil für Vermieter: Statt mit den Mietern über jede Erhöhung zu streiten, richtet sich die Miete nach dem Preisindex, der jährlich vom Statistischen Bundesamt ermittelt wird. In die Berechnung fließen die durchschnittlichen Preise für Lebensmittel, Kleidung, Versicherungen, Strom und Sprit ein.

Preise könnten bis Jahresende noch weiter steigen

Und weil das alles gerade teurer wird, müssen wohl bald auch sehr viele Mieter mehr fürs Wohnen zahlen. Ein Preisbeispiel: Wer Anfang des Jahres 1.000 Euro Miete zahlte, dem könnte eine Erhöhung um 36 Euro im Monat drohen. So zeigt es ein Rechner von Haus und Grund München auf seiner Homepage - und die Verbraucherpreise sollen noch weiter anziehen. Die Bundesbank erwartet bis Jahresende einen Preisanstieg um fünf Prozent.

Doch weil die Index-Miete anders als der Preis im Supermarkt nicht automatisch steigt (Vermieter dürfen sie einmal im Jahr anpassen), appelliert Volker Rastätter, der Geschäftsführer des Mietervereins, an das gute Herz: Wegen der Corona-Pandemie seien viele Mieter ohnehin finanziell am Limit, sagt er. "Wer dazu in der Lage ist, sollte nicht auch noch eine Mieterhöhung oben drauf setzen."

SPD will Miet-Modell abschaffen

Die SPD-Stadträtin und stellvertretende Vorsitzende des Mietervereins Simone Burger beobachtet derweil mit Hoffnung die Koalitionsverhandlungen in Berlin: Denn die SPD fordert, die Index-Mieten komplett abzuschaffen. Laut Burger sind Index-Mieten vor allem deshalb problematisch, weil es bei den Preissteigerungen keine Grenze nach oben gibt.

Hat der Mieter einen Vertrag unterschrieben, der sich nach der ortsüblichen Vergleichsmiete orientiert, ist das anders. Da darf sich die Miete um maximal 15 Prozent innerhalb von drei Jahren erhöhen.

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Dass ausgerechnet die SPD dafür ist, Index-Mieten abzuschaffen, kann Stürzer von "Haus und Grund" nicht nachvollziehen: "Damit schießt die SPD der eigenen Klientel ins Knie", glaubt er. Denn in den vergangenen Jahren, als die Preise nicht so stark stiegen, hätten vor allem die Mieter profitiert.

Möglicherweise hunderttausende Münchner von Mieterhöhung betroffen

Auch der Geschäftsführer des Mietervereins räumt ein, dass eine Index-Miete nicht immer von Nachteil sein muss. In nächster Zeit aber könnte es Hunderttausende Münchner Mieter doppelt hart treffen: Wenn sie auf die Stromrechnung schauen und wenn im Briefkasten Post vom Vermieter liegt.

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