Neubaugebiet auf der alten Bayernkaserne: Die neue 15-Minuten-Stadt

Auf der alten Bayernkaserne entsteht bis 2030 ein urbanes Viertel für 15.000 Einwohner. Die Stadt will den Nachbarn Ängste nehmen.
| Christina Hertel
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Rechts wird schon der neue Schulcampus gebaut.
Rechts wird schon der neue Schulcampus gebaut. © Stattbau/LHM

Freimann - Wenn man im Münchner Norden die Flügel ausbreiten, abheben und über das Areal fliegen würde, wo einst Flakeinheiten der Wehrmacht stationiert waren und wo in den nächsten Jahren ein neues Viertel für 15.000 Menschen entstehen soll, sähe man eine riesige Schotterfläche, Haufen aus Kies und Schutt, ein paar Baukräne.

Die Stadt hat das alles mit einer Drohne gefilmt. Kyrill Hirner zeigt die Aufnahmen in seinem Büro. Er arbeitet für "Stattbau München" und ist der Ansprechpartner für alle, die wissen wollen, was gerade in der ehemaligen Bayernkaserne vor sich geht. Von der Stadt hat er den Auftrag bekommen, aus dem 48 Hektar großen Baufeld ein lebendiges Quartier zu machen. "Und der Aufbau dieses Viertels beginnt gerade", sagt Hirner.

Ethnologe Kyrill Hirner.
Ethnologe Kyrill Hirner. © LHM

Bayernkaserne: Bis 2030 sollen 5.500 Wohnungen stehen

An dem neuen Schulcampus wird bereits gebaut. Er soll 2024 fertig sein. Noch in diesem Jahr beginnt die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG mit dem Bau der ersten Mietwohnungen. 2030 werden auf dem Areal etwa 5.500 Wohnungen stehen. Die eine Hälfte baut die Stadt, die andere Hälfte bauen Genossenschaften.

"Es ist nachvollziehbar, wenn die Menschen, die heute in der Nachbarschaft wohnen, Bedenken haben", meint Hirner. Immerhin soll Freimann um etwa die Hälfte wachsen. 15.000 Einwohner sollen einmal in dem Quartier (für das die Stadt übrigens noch immer einen Namen sucht) wohnen.

So wird das Areal der Bayernkaserne derzeit neu geplant.
So wird das Areal der Bayernkaserne derzeit neu geplant. © Grafik: Planungsreferat, Bearbeitung: AZ

Keine reine Wohnsiedlung, sondern urbanes, lebendiges Quartier

Hirner und das Münchner Planungsreferat wollen deshalb am Mittwochabend bei einer Online-Veranstaltung die Bürger informieren – auch den Drohnenfilm wollen sie zeigen.

Denn die Stadt geht mit dem neuen Quartier ein Wagnis ein: Es soll viel dichter bebaut werden als andere Neubaugebiete in den vergangenen Jahren. Am Ende soll aus der Bayernkaserne keine reine Wohnsiedlung mit hohen Hecken werden, sondern ein urbanes, lebendiges Quartier entstehen.

Die Gebäude haben alle eine Höhe von etwa 25 Metern, an den Straßenecken oftmals sogar noch höher, sagt Hirner. So ähnlich wie in den beliebten Vierteln in der Maxvorstadt oder rund um den Gärtnerplatz. So wie dort sollen in die Erdgeschosse Läden, Büros, Cafés und Restaurants einziehen. "Damit es was zum Schauen gibt, wenn man dort durch die Straßen läuft", sagt Hirner.

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Viele Flächen für die Allgemeinheit in der Bayernkaserne

Gleichzeitig wird vieles ganz anders als im Münchner Stadtkern: Denn schließlich wird der alteingesessene Schuster nicht plötzlich sein Geschäft in das neue Viertel verlegen. Damit am Ende die Erdgeschosse nicht alle leer stehen oder sich ein Coffee-Shop an den nächsten reiht, muss sich die Stadt andere Nutzungen überlegen.

Zum Beispiel sollen, so schildert es Hirner, viele Flächen für die Allgemeinheit entstehen: Werkstätten, Mehrzweckräume, Partykeller, Proberäume für Bands aus dem Viertel oder Ateliers für lokale Künstler. Was am Ende genau kommt, hängt davon ab, was sich die neuen Bewohner und die alte Nachbarschaft wünschen.

Denn auch diejenigen, die schon lange in Freimann wohnen, sollen einmal mehr von dem neuen Viertel haben als viel Verkehr und lauter neue Nachbarn.

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Hirner zählt auf: Ein neues Schwimmbad, vier Schulen, 14 Kitas, ein Alten- und Service-Zentrum, eine Bibliothek, eine Volkshochschule, Parks, Grünflächen, eine neue Feuerwache und eine Tramlinie, die zur U-Bahn-Station Kieferngarten führt.

Alte Kaserne soll zur 15-Minuten-Stadt werden

Ziel sei, dass aus der alten Kaserne eine sogenannte 15-Minuten-Stadt wird, sagt Hirner. Das heißt: Innerhalb einer Viertelstunde soll man alles erreichen – vom Hörgeräteakustiker bis zum Sportgeschäft. Die meisten Läden und Einrichtungen sollen sich rund um den Hauptplatz ansiedeln. Dort soll es eine Mobilitätsstation geben, wo man sein Lastenrad ausleihen kann, auch die Tram soll hier einmal halten. Wie in Italien sollen die Menschen hier auf Bänken unter Bäumen das Leben beobachten, sagt Hirner.

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