CSD 2014 in München: Für die Vielfalt

Beim diesjährigen Christopher Street Day soll es nicht nur um Homosexuelle gehen, sondern auch um Menschen, die sich zwischen den Geschlechtern sehen – wie ESC-Gewinnerin Conchita Wurst.
| Natalie Kettinger
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In wenigen Tagen ist es wieder so weit: Diesen Samstag beginnt in München die CSD-Pride-Week. Am 19. Juli zieht die bunte Politparade durch die Stadt.
dpa In wenigen Tagen ist es wieder so weit: Diesen Samstag beginnt in München die CSD-Pride-Week. Am 19. Juli zieht die bunte Politparade durch die Stadt.

München – Spätestens seit Conchita Wurst ist klar, dass sich nicht jeder Mensch in eine der Schubladen „Mann“ oder „Frau“ pressen lässt. Die teils extrem bösartigen, homophoben Kommentare zum Grandprix-Sieg der österreichischen Dragqueen haben aber auch gezeigt: Beim Thema sexuelle Identität besteht noch enormer Aufklärungsbedarf.

Auch deshalb haben die Veranstalter des Münchner Christopher-Street-Days (CSD) sich heuer für das Motto „Regenbogen der Geschlechter – wertvoll sind wir alle!“ entschieden. Während der Pride-Week, die am Samstag beginnt, sind dazu zahlreiche Veranstaltungen geplant.

„Unsere Geselschaft ist es gewohnt, Menschen einzuteilen, zum Beispiel in die Kategorien ,Mann’ und ,Frau’“, sagt CSD-Pressesprecherin Rita Braaz. Doch was ist mit Männern, die als biologische Frau geboren wurden? Mit Frauen, die sich schon immer als Mann gefühlt haben? Oder mit Menschen, die sich keinem der beiden Geschlechter zuordnen lassen wollen? „Was dazwischen liegt, diese Vielfalt, das wird häufig gar nicht gesehen“, sagt Rita Braaz.

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Beim 35. CSD in München soll diese Diversität sichtbar gemacht und für mehr Toleranz geworben werden.

Auch in der Regenbogen-Gemeinschaft selbst. „Abwertung und Diskriminierung geschehen nicht nur in der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft, sondern auch in unserer Community“, sagt Rita Braaz. „Wir müssen ebenfalls diese Gedanken aufweichen: Dass der Schwule besser ist als die Lesbe und beide zusammen besser sind als ein Transgender. Wir sind alle gleich wertvoll.“ Beim CSD wolle man deshalb gemeinsam feiern „und gemeinsam politische Forderungen stellen – mit und für einander“.

Zumal man den Eindruck haben könne, dass Homophobie und Schwulenhasse wieder gesellschaftsfähig zu werden beginnen, wenn in Baden-Württemberg Eltern gegen das Unterrichtsthema „Schwulsein, Lesbischsein“ protestierten und „Kräfte wie die AfD erstarken, die Lesben und Schwule als weniger wertvoll betrachten“, sagt die CSD-Sprecherin. Die Pride-Week beginnt traditionell mit dem Lesbischen Angertorstraßenfest von Letra (15 bis 23 Uhr).

Zu den Highlights der Regenbogen-Woche gehören außerdem die Lesung des bekannten Comic-Zeichners Ralf König („Der König liest, das Volk soll lauschen“) am Montag, 14. Juli, um 19 Uhr im Löwenbräukeller am Stiglmaierplatz und die Diskussionsrunde „Rechts – radikal? Alte Werte im neuen Gewand. Wie die europäische Rechte gegen LGBT mobil macht“ am Dienstag, 15. Juli, ab 20 Uhr im Sub (Müllerstr. 14). „Blaue Augen bleiben blau“, heißt das Buch von Balian Buschbaum, aus dem er am Mittwoch, 16. Juli, ab 19 Uhr im Stadtmuseum am St.-Jakobs-Platz vorliest. Bekannt geworden ist Balian als erfolgreiche Stabhochspringerin Yvonne Buschbaum. 2007 entschied er sich für eine Geschlechtsumwandlung.

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Ebenfalls im Stadtmuseum findet am Donnerstag, 17. Juli, ab 19.30 Uhr die Diskussionsrunde „Geschlecht Mensch – weiblich, männlich abschaffen“ statt.

Höhepunkt der Pride-Week ist natürlich die Politparade, die am Samstag, 19. Juli, um 12 Uhr auf dem Marienplatz beginnt und erstmals unter der Schirmherrschaft von OB Dieter Reiter stattfindet, der gemeinsam mit Bürgermeister Josef Schmid (CSU) und Stadtrat Thomas Niederbühl (Rosa Liste) den Zug anführen wird. 61 Gruppen haben sich diesmal zu dem bunten Spektakel angemeldet. Am Abend bittet die Community dann zum Rathaus-Clubbing (22 bis 5 Uhr, Restkarten an der Abendkasse).

Beim Showprogramm auf dem Marienplatz treten am Samstag und Sonntag etliche Künstler auf, darunter die Komikerin Hella von Sinnen, der Schweizer Songwriter Bastian Baker, die Big Band der Hochschule München und Daniel Schumacher, der 2009 bei DSDS gewann. Nur eine lässt die Münchner aus Termingründen im Stich: Conchita Wurst. Natalie Kettinger Infos: www.csdmuenchen.de

 

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