Coronacontrol: Kamera in Münchner Einkaufzentrum sucht Verdachtsfälle

Hubert Aiwanger stellt eine Technik vor, die das Einkaufen sicherer machen soll. Datenschutz ist angeblich kein Problem. Zahlen sollen die Händler.
| Marie Heßlinger
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Abgescannt: Die Gesichter von Menschen, die den Laden betreten.
Abgescannt: Die Gesichter von Menschen, die den Laden betreten. © Peter Kneffel/dpa

München - Wer künftig ein Einkaufszentrum betritt, könnte bald in eine Kamera blicken: Eine Software könnte die Zahl der Ankömmlinge zählen und prüfen, ob der einzelne eine Maske trägt oder gar Fieber hat. Sollte die Temperatur des Eintretenden erhöht sein, könnte sein Foto ans Wachpersonal geschickt und ihm der Eintritt verwehrt werden. Dafür warb am Montag Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler).

Münchner Unternehmen: Künstliche Intelligenz soll gegen Corona helfen

"Ich bin der Meinung", sagte er bei einem Besuch im Forum Schwanthalerhöhe, "dass wir vieles erlauben können, wenn wir auf moderne Technik setzen." Er verwies auf Kulturveranstaltungen, Sportevents und Einkaufsmeilen. Und warb für die "Parsifal Covid Control" Software des Unternehmens G2K. Das Münchner Unternehmen mit 120 Mitarbeitern hat weltweit unter anderem an Smart City Projekten mitwirkt: An Städten, die mithilfe von digitaler Technik energetisch effizienter werden sollen. Nun soll künstliche Intelligenz auch als Teil des Gesamtkonzepts gegen Corona helfen.

Sieht komplex aus: Das Kamera-System im Forum Schwanthalerhöhe.
Sieht komplex aus: Das Kamera-System im Forum Schwanthalerhöhe. © Sigi Müller

In einigen deutschen Unternehmen sei die Software bereits im Einsatz, sagte Jörg Hensen, Mitglied der Geschäftsführung. Auch im Fußball-Supercup-Finale in Budapest im September habe sie Anwendung gefunden. Wer damals bei der Einlasskontrolle eine erhöhte Temperatur aufwies, konnte sich an das anwesende medizinische Personal wenden. Ähnliches sei auch bei Kulturveranstaltungen in Deutschland denkbar.

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Wärmemessung zum Beispiel bei Kultur- oder Sportveranstaltungen

Bedenken, dass die Wärmemessung ungenau sein könnte, wies das Unternehmen ab: Die Künstliche Intelligenz trage Informationen zusammen, die Einfluss nehmen könnten - wie beispielsweise Kopfhörer im Ohr oder die Außentemperatur. Dennoch seien nicht alle Menschen, bei denen die Software beim Supercup Alarm geschlagen habe, Corona-positiv gewesen. Oft hätten sie aus anderen Gründen eine wärmere Stirn gehabt - die Mediziner hätten sie passieren lassen.

Für diese Fälle seien Schnelltests gut, warb das Unternehmen. Doch für diese braucht es medizinisches Fachpersonal. Bei Großveranstaltungen sei das Rote Kreuz ohnehin anwesend, sagte Hensen. Auch Datenschutzbedenken wies der Manager ab: Kameras seien ohnehin in Einkaufszentren installiert. Die Software nutze keine Gesichtserkennung und lösche die Bilder nach Gebrauch sofort. "Unsere komplette Software ist normiert nach den Datenschutzregeln der EU", sagte Hensen.

Da ist das Ding! - Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger stolz beim Vorstellen der Technik.
Da ist das Ding! - Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger stolz beim Vorstellen der Technik. © Sigi Müller

Corona-Control-Software "als Teil eines gesamtheitlichen Sicherheitskonzeptes"

Es gehe nun darum, sagte Aiwanger, den wirtschaftlichen Schaden zu minimieren, "indem wir schneller auf moderne Technik setzen". Der Lockdown schade Unternehmen und Staat: Mit den reduzierten Steuereinnahmen verliere dieser seine "Handlungsfähigkeit für die Zukunft". Aiwanger geht davon aus, dass Schulen, Kitas und Friseure in absehbarer Zeit wieder öffnen werden. "Ich würde mir das auch für den Handel wünschen." Er könne sich vorstellen, sagte der Minister, dass Unternehmer, die Technik wie die Corona-Control-Software "als Teil eines gesamtheitlichen Sicherheitskonzeptes" vorlegten, "schneller einen grünen Haken" zur Wiederaufnahme ihrer Arbeit bekommen würden, "als wenn sie gar nichts haben".

Finanzieren müssten die Unternehmen die Software laut Vorschlag des Ministers selbst. Rund 10.000 Euro kostet die Technik für einen Eingang. "Wie bei einem Auto kann man alle möglichen Variationen dazu kaufen", sagte Hensen. Aiwanger verwies auf die Überbrückungshilfe des Bundes. Kleine Läden könnten die Zahl ihrer Kunden hingegen auch ohne Technik überblicken. Engpässe bei der Produktion der Technik könne es nicht geben, heißt es von Hensen: "Wir haben ein sehr, sehr starkes Partnernetzwerk. Wir könnten tatsächlich innerhalb kürzester Zeit liefern."

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