Corona-Warnung von Münchner Ärzten: "Die zweite Welle wird schlimmer"

In den Kliniken gibt es wieder mehr Covid-19-Erkrankte. Ärzte dort warnen: Die Zahlen werden steigen – noch mindestens bis Neujahr.
| Nina Job
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Die Covid-Stationen - hier die Intensivstation im Rechts der Isar - füllen sich wieder.
Die Covid-Stationen - hier die Intensivstation im Rechts der Isar - füllen sich wieder. © argum / Falk Heller

München - Die Zahl der Neuinfektionen schnellt schon seit Wochen nach oben - nun tritt ein, wovor Klinikärzte und Virologen seit Langem gewarnt haben: Die Corona-Stationen in den Krankenhäusern werden wieder voller. 158 Covid-Patienten (Stand Dienstag) liegen derzeit in Münchner Kliniken, wie das Referat für Gesundheit und Umwelt auf AZ-Anfrage mitteilte. 17 dieser Patienten liegen auf der Intensivstation.

Zweiter Corona-Welle: Höhepunkt erst zum Jahreswechsel erreicht?

"Vor zwei, drei Wochen hatten wir noch sechs bis sieben Covid-Patienten, jetzt sind es mit 30 deutlich mehr", sagt Professor Bernhard Zwißler, Direktor der Anästhesiologie in der LMU-Klinik.

Prof. Bernhard Zwißler.
Prof. Bernhard Zwißler. © Dietmar Lauffer/LMU

Inzwischen steigt auch das Alter der Patienten wieder. "Derzeit sind die Patienten auf unseren Intensivstationen durchschnittlich etwa 70 Jahre alt. Aber es ist auch ein Mittfünfziger dabei", sagt Zwißler. In der Uniklinik wurde mittlerweile eine zweite Normalstation für Covid-Patienten eingerichtet. Doch das wird nicht reichen.

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"Es ist ohne Zweifel, dass die zweite Welle deutlich größer werden wird als die erste", ist sich Zwißler sicher. "Wenn man sich Prognosemodelle für die nächsten Monate anschaut, waren die Zahlen im Frühjahr dagegen nur eine Mini-Welle. Es ist eine besorgniserregende, mathematisch zwingende Logik, dass die Zahl betroffener Patienten in den nächsten Wochen stark ansteigen wird. Der Höhepunkt wird wahrscheinlich erst um den Jahreswechsel erreicht sein", sagt der Arzt voraus.

LMU-Professor Zwißler: "Wir alle haben den Anstieg zugelassen"

Den Hauptgrund, warum die zweite Welle schlimmer wird, sieht Zwißler darin: "Die Politik konnte nicht so schnell und radikal reagieren wie beim ersten Mal. Wir alle haben den Anstieg kommen sehen und zugelassen." Für den Arzt ist das eine Tatsache, als Kritik will er das nicht verstanden wissen. Dazu kommt: "Viele waren der Regulationen überdrüssig und sind im Privaten nicht mehr so vorsichtig", so Zwißler. Zudem wird es in der kalten Jahreszeit mehr Ansteckungen und schwere Krankheitsverläufe geben, da man sich weniger draußen treffen kann.

Trotzdem sehen sich die großen Münchner Kliniken gut gerüstet. Die Ärzte und das Pflegepersonal haben heute deutlich mehr Erfahrung mit Covid-19. Atemgeräte, Schutzausrüstung und medizinisches Material sind ausreichend vorhanden. "Das große Problem ist das Pflegepersonal", sagt Anästhesie-Professor Zwißler. "Der Pflegemangel ist unsere Achillesferse. Ohne genug qualifiziertes Personal geht es nicht."

Mehrere Patienten und Pfleger haben sich wohl in der Klinik angesteckt

In den vergangenen Tagen fielen nun auch noch mehrere Pflegekräfte im Klinikum Großhadern und im Klinikum rechts der Isar aus. Sie wurden positiv getestet und/oder befinden sich in Quarantäne. Auf der Intensivstation im Klinikum Großhadern hat ein Patient offenbar andere angesteckt. Er war bei seiner Aufnahme negativ auf das Virus getestet worden, trug es aber offenbar in sich. Zwei Patienten, sechs Pflegekräfte und zwei Ärzte haben nun ebenfalls Corona. 

Im TU-Klinikum rechts der Isar sind zwölf Mitarbeiter (von insgesamt mehr als 6.000) aus unterschiedlichen Bereichen positiv getestet, darunter auch eine Mitarbeiterin in der Notaufnahme. Sie alle sind nun in Quarantäne - wie auch fünf Kollegen, die engeren Kontakt zu Infizierten hatten.

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Das Problem: Obwohl alle Patienten bei der Aufnahme ins Krankenhaus getestet werden und sich Pflegekräfte und Ärzte in Risikobereichen ebenfalls regelmäßig testen lassen – ein negatives Ergebnis ist keine Garantie. Hat man sich erst kurz zuvor angesteckt, kann das Ergebnis ebenfalls negativ sein. "Es gibt ein blindes Fenster", erklärt Zwißler. "Das Virus muss sich erst vermehren, damit der Test anschlagen kann."

Dr. Christoph Spinner, Oberarzt Infektiologie im Klinikum rechts der Isar, erklärt: "Im Grunde ist ein Test erst sieben bis zehn Tage nach dem Kontakt sinnvoll, um eine Infektion mit hoher Wahrscheinlichkeit auszuschließen." Ansteckend ist ein Infizierter aber etwa drei bis sieben Tage nach dem Kontakt.

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