Corona-Alltag einer Münchner Opernsängerin: Immer mit Maske, außer beim Singen

Susanne Grobholz (41) ist Chorsängerin an der Staatsoper. Corona lässt sie Pilze züchten.
| Ruth Frömmer
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Susanne Grobholz arbeitet an der Staatsoper, manchmal nimmt sie ihre Dackel-Dame Gusti dorthin mit. Die hat sich über den Lockdown sogar gefreut, denn die Gassirunden sind länger geworden.
Bernd Wackerbauer Susanne Grobholz arbeitet an der Staatsoper, manchmal nimmt sie ihre Dackel-Dame Gusti dorthin mit. Die hat sich über den Lockdown sogar gefreut, denn die Gassirunden sind länger geworden.

München - Als der reguläre Betrieb des Nationaltheaters von März bis Mai komplett stillgelegt wurde, hatten wir erst keine Vorstellungen und kurz darauf auch keine Proben mehr. Es war natürlich ungewohnt, von heute auf morgen nicht mehr in der Oper zu arbeiten und seine Kollegen nicht zu sehen.

Im Gegensatz zu anderen Menschen bin ich als Angestellte des Staates abgesichert, dafür bin ich sehr dankbar. Viele Freunde von mir sind Freiberufler und machen gerade sehr harte Zeiten durch. Die freie Zeit habe ich für mich genutzt, sei es in Gesangstechnik, Liedliteratur oder dem Auffrischen von unseren Repertoirestücken. Das sind Aspekte, für die im straffen und durchorganisierten Alltag am Theater manchmal nicht viel Zeit bleibt.

Ihre Hündin freut sich über den Lockdown

Auch mit Atemtechniken und dem Unterrichten von Gesang und Meditation habe ich mich auseinandergesetzt. Langweilig war mir eigentlich nie. Außerdem habe ich mich bei zwei Hilfsorganisationen gemeldet, um Menschen zu helfen, denen es im Moment nicht so gut geht. Ansonsten hatte ich die Gelegenheit, mich einigen Hobbys einmal ausführlicher zu widmen. So habe ich mir eine Nähmaschine angeschafft und anfangs Corona-Masken genäht. Inzwischen wage ich mich auch an größere Projekte. Außerdem habe ich viele Pflanzen, Gemüse und sogar einen Kombucha-Pilz in meiner Wohnung gezüchtet.

Und es gibt jemanden, der sich über den Lockdown sogar gefreut hat: meine Hündin Gusti. Unsere Spaziergänge sind ausgedehnter als im normalen Arbeitsalltag, das genießen wir beide sehr. Trotzdem war ich erleichtert, als es im Juni wieder mit den Proben weiterging. Das hatte mir schon gefehlt.

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Der aktuelle Lockdown ist nicht mehr ganz so radikal, da wir noch proben und ich den Kontakt zu den anderen Sängern wieder habe. Wir Bühnenmenschen sind präzises und diszipliniertes Arbeiten gewohnt, so halten wir uns auch genau an die Hygiene- und Abstandsregeln: Es werden immer Masken getragen, außer im Moment des Singens, und regelmäßig PCR-Tests durchgeführt. Auch die Abstände werden eingehalten.

Wir proben aktuell in kleinerer Besetzung und in viel größeren Räumen. Manche Stücke können aufgrund ihrer Anforderungen im Moment gar nicht umgesetzt werden. Das bedeutet, dass auch der Spielplan angepasst werden musste. Das verlangt Flexibilität, funktioniert aber sehr gut. Trotzdem freue ich mich, hoffentlich bald wieder vor einem großen Publikum zu singen.

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