Christian Ude: Sein Abschied im AZ-Protokoll

Das Alt-Oberbürgermeister hat am Freitag 1450 Gäste ins Deutsche Theater geladen. Hier lesen Sie das AZ-Protokoll.
| Timo Lokoschat
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Der Alt-Oberbürgermeister hat am Freitag 1450 Gäste ins Deutsche Theater geladen. Hier lesen Sie das AZ-Protokoll.

10.45 Uhr: Über ein Dutzend Polizisten stehen an der Schwanthalerstraße und blockieren die wenigen Parkplätze – zum Beispiel für den rubinschwarzen BMW, dem Horst Seehofer entsteigt.

10.51 Uhr: Alt-Oberbürgermeister Christian Ude, der schon da ist, begrüßt den Ministerpräsidenten frotzelnd: „Auch Sie werden mal zu einer Verabschiedung einladen!“ Das Datum lässt er als charmanter Gastgeber offen.

10.53 Uhr: Die beiden posieren mit den Morisken-Tänzern des Deutschen Theaters, die hinter ihnen akrobatisch ein menschliches Gebirge formen. „Oben bleiben!“, bittet Ude.

11.00 Uhr: Eigentlich soll’s jetzt losgehen. Doch noch immer stehen Gäste auf dem roten Teppich Schlange – über den Innenhof des Theaters bis auf die Schwanthalerstraße. Unter ihnen Herzog Franz von Bayern, Schauspielerin Jutta Speidel und Volkstheater-Intendant Christian Stückl.

11.02 Uhr: Hep Monatzeder, Udes langjähriger Rathaus-Spezl, lässt den Teppich und die Journalisten links liegen. Offenbar hat er keine Lust, die gescheiterte Koalitionspolitik seiner grünen Parteifreunde zu kommentieren...

Der OB wählt die Musik aus

11.04 Uhr: Dafür muss OB Dieter Reiter die rot-schwarze Koalition erklären, spricht vom „lockeren Zusammenhalt“, der nicht locker erzielt worden sei. Edmund Stoiber stellt sich dazu und gibt Tipps: „Sie müssen die Stadt voranbringen.“

11.10 Uhr: Das Theater füllt sich. Anzugträger, Trachtler, Uniformierte nehmen ihre Plätze ein. 1450 Gäste sind geladen.

11.15 Uhr: Der Beginn verzögert sich. Ein bekannter Chefredakteur sieht schwarz. „Wie lange geht das denn hier?“, fragt er.

11.16 Uhr: Schriftstellerin Amelie Fried, die die Veranstaltung moderiert, kündigt an, dass Ude persönlich die Musik für den Festakt ausgesucht habe – das gebe „Anlass zur Sorge“. Der Alt-OB gelte als unmusikalisch. In seiner Wohnung sei einst gar eine Richard-Clayderman-CD gesehen worden.

11.20 Uhr: Falscher Alarm. Das Münchner Ensemble „Blechschaden“ spielt auf – und wie! Dirigent Bob Ross winkt, boxt, tanzt und nimmt den Taktstock zwischen die Zähne. Gespielt wird der Disco-Song „The Hustle“ von 1975. Yeah!

Lobeshymne von Horst Seehofer

11.28 Uhr: Dieter Reiter spricht, nennt Ude einen „Glücksfall für München“ – und berichtet von der Klage des Karikaturisten Dieter Hanitzsch, dass ein OB mit Schnauzer viel besser zu zeichnen sei. Reiter will sich trotzdem weiter rasieren.

11.37 Uhr: Jetzt ist Horst Seehofer dran, stimmt zu einer Lobes-Hymne auf den Alt-OB an. Die sei im Wahlkampf natürlich nicht möglich gewesen. Ude nennt er einen „sehr guten OB“. Und konstatiert: „Unsere Zusammenarbeit war reizvoll.“ Nachfolger Dieter Reiter wünscht er einen guten Start – und merkt mit Blick auf die Große Koalition im Rathaus an: „Wir helfen Ihnen!“

12 Uhr: Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD), von Amelie Fried als „unübersehbar“ quantifiziert, erklimmt die Bühne. Von ihm gibt’s eine politische Bilanz – und eine Buchvorstellung: „Ude. Die Reden“ ist im Keyser Verlag erschienen – Rhetorisches von der Abirede bis zur Traueransprache für Dieter Hildebrandt. Jeder Besucher bekommt ein Gratisexemplar. „Auch du, Horst!“

12.13 Uhr: Ulrich Maly, Nürnbergs Oberbürgermeister, scherzt über die Einladungskarte, auf der ein von Dieter Hanitzsch gezeichneter Ude in einem prächtigen Mantel zu sehen sei, den „nicht mal mehr der Papst“ trage. Maly lobt, dass der OB nie rechthaberisch war, sondern höchstens „sanft unfehlbar“.

Udes Seitenhieb auf die Rathauspolitik

12.30 Uhr: Jetzt dreht die Spider Murphy Gang auf – von „Schickeria“ bis „Skandal im Sperrbezirk“ ist alles dabei. Hunderte Gäste singen mit, brüllen Münchens wohl berühmteste Telefonnummer in den Saal: „32 16 8!“

12.50 Uhr: Christian Ude bedankt sich: „Es macht saumäßig viel Spaß, verabschiedet zu werden!“ Launig verspricht er, sich nicht einzumischen („solange im Rathaus vernünftige Politik gemacht wird!“). Und übt deutliche Kritik an den langwierigen und erfolglosen Bündnisgesprächen von CSU, SPD und Grünen: "Ihr sollt nicht nur der Stadt Bestes suchen, sondern irgendwann müsst ihr es auch finden.“

12.55 Uhr: Ude lobt das überparteilich geführte Kreisverwaltungsreferat. Wieder eine mehr oder weniger subtile Spitze. An der Frage der künftigen Besetzung waren die Koalitionsgespräche gescheitert.

13.13 Uhr: Blechschaden spielt „YMCA“ von den Village People und den Griechen-Klassiker „Sirtaki“. Mykonos-Liebhaber Ude ist gerührt, sehr. Hat er was im Auge?

13.15 Uhr: Stehempfang in allen Foyers des Theaters. Es gibt Kalbsfleischpflanzerl mit Radieserl-Dip, Serviettenknödel von der Brezen und Geschichtete Bayerisch-Creme mit marinierten Erdbeeren.

Edith von Welser-Ude erleidet einen Schwächeanfall

13.21 Uhr: Sabine Nallinger gibt Interviews und macht ihrem Ärger über das Ende von Rot-Grün Luft: „Wir wurden von den Großen zermalmt“, klagt sie in die Kameras. Danach eilt die Grüne zu ihren Parteifreunden und fragt laut: „Darf ich mich zu euch stellen, damit ich mich nicht mit dem Schmid unterhalten muss?“

13.24 Uhr: Josef Schmid (CSU), Münchens künftiger Bürgermeister, wird derweil von Edmund Stoiber in Beschlag genommen, der ihn für seine Kompromissbereitschaft lobt und „junger Mann“ nennt. Schmid („Ich bin tiefenentspannt“), der bei den anstehenden Personalentscheidungen im Rathaus "Überraschungen" ankündigt, muss weiter zu einem Ball. Unter dem Arm hat er ein rotes Buch: Udes Reden.

14.30 Uhr: Udes Gattin Edith von Welser-Ude erleidet einen Schwächeanfall, sinkt von ihrem Stuhl am Ehrentisch. Ein Notarzt bringt sie vorsichtshalber zur Untersuchung in die Klinik. Christian Ude beruhigt, dass es sich lediglich um Kreislaufprobleme handele. Wir wünschen gute Besserung.

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