Befangenheitsanträge: NSU-Prozess unterbrochen

Erster Tag im NSU-Prozess: Eine eisern schweigende Beate Zschäpe, offensive Verteidiger und massive Sicherheitsvorkehrungen. Der Liveticker zum Nachlesen.
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Prozessbeobachter beschreiben Beate Zschäpes Auftretebn vor Gericht als arrogant und anmaßend.
dpa Prozessbeobachter beschreiben Beate Zschäpes Auftretebn vor Gericht als arrogant und anmaßend.

Es ist einer der größten Prozesse, den es in München je gab. Eine eisern schweigende Beate Zschäpe, offensive Verteidiger und massive Sicherheitsvorkehrungen. Der Liveticker zum Nachlesen.

München - Eigentlich hätte der Prozess bereits am 17. April beginnen sollen. Doch wegen des Streits um die Vergabe von Presseplätzen geht der NSU-Prozess an diesem Montag erst im zweiten Anlauf los. Ab 10 Uhr wird das Verfahren gegen die Hauptangeklagte Beate Zschäpe eröffnet. Sie soll mit den Neonazis Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos die Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) gebildet haben. Zschäpe ist die einzige Überlebende des Trios. Wie wird der erste Tag in diesem Mammut-Prozess ablaufen?

Hier gibt es den Liveticker der AZ zum Nachlesen:

17:13 Uhr: Das war's von unserem Liveticker vom NSU-Prozessauftakt in München. Selbstverständlich halten wir Sie auf az-muenchen.de, speziell auf unserer Themenseite zum NSU-Prozess weiter auf dem Laufenden.

17:07 Uhr: Hammer-Meldung ganz zum Schluss: Der NSU-Prozess ist wegen der nötigen Entscheidung über Befangenheitsanträge bis zum 14. Mai unterbrochen. Das sagte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl am Montag.

17:02 Uhr: Noch ein Antrag: Die Zschäpe-Verteidigung hat einen Antrag auf Aussetzung des Verfahrens angekündigt. In dem Antrag werde es um den Gerichtssaal und eine Aussetzung des Prozesses gehen, sagte der Rechtsanwalt Wolfgang Heer am Montag vor einer neuerlichen Verhandlungspause. Details nannte er zunächst nicht.

16:57 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat mit Blick auf den NSU-Prozess zugesichert, dass parallel auch die politische Aufarbeitung der Morde weitergehen wird. Es müssten entsprechende Schlussfolgerungen gezogen werden, „damit sich das nie wiederholen kann“, sagte Merkel am Rande einer Fraktionsvorsitzendenkonferenz der Union am Montag in Dresden. Dafür werde sie weiter arbeiten.

Derzeit befassen sich mehrere Untersuchungsausschüsse im Bundestag und in Landtagen mit der Aufarbeitung der Ermittlungspannen rund um die NSU-Morde. Zu dem am Montag gestarteten Gerichtsverfahren vor dem Oberlandesgericht München sagte Merkel: „Es ist sehr wichtig, dass der Prozess stattfindet.“

16:52 Uhr: Jetzt müsste der erste Prozesstag schön langsam zu Ende sein. OLG-Sprecherin Titz hatte zuvor von "spätestens" 17 Uhr gesprochen.

16:42 Uhr: Nochmal hat sich Mehmet Daimagüler, ein Anwalt der Nebenkläger zu Zschäpes Verhalten vor Gericht geäußert: "Anmaßend und arrogant".

16:34 Uhr: Erste Kurzbilanz am Tag des NSU-Prozessauftakts: Eine eisern schweigende Beate Zschäpe, offensive Verteidiger und massive Sicherheitsvorkehrungen.

16:28 Uhr: Die Entscheidung über den Befangenheitsantrag hat das OLG zurückgestellt. Jetzt muss also spätestens bis zu Beginn des übernächsten Gerichtstages entschieden werden.

16:24 Uhr: In Cottbus hat es einen Anschlag auf eine Rechtsanwaltskanzlei gegeben. Der betroffene Anwalt vertritt den ehemaligen NPD-Funktionär Ralf Wohlleben. Unbekannte schlugen in der Nacht zum Montag Fensterscheiben mit Steinen ein.

Außerdem besprühten sie die Fassade mit einem elf Meter langen Schriftzug „NSU-Anwalt – Rassismus tötet!“. Die Polizei bestätigte entsprechende Informationen der „Lausitzer Rundschau“. Angaben zur Schadenshöhe lagen nicht vor. Der Staatsschutz ermittelt. Wohlleben ist wegen Beihilfe zum Mord angeklagt.

16:21 Uhr: Anschlag auf eine Anwaltskanzlei im Zusammenhang mit dem NSU-Prozess vermeldet die dpa!

16:19 Uhr: Setzt Wohllebens Anwalt Klemke auf Ermüdungstaktik? Er verlas den Antrag des Mitangeklagten auf Befangenheit der Richter mehr als eine Stunde lang.

16:16 Uhr: Weiterer Grund für die Anträge Wohllebens: OLG-Präsident Karl Huber habe schon vor dem Eröffnungsbeschluss der Presse mitgeteilt, dass der Gerichtssaal für den Prozess umgebaut werden soll. Das mache nur dann Sinn, wenn Huber vorab vom Vorsitzenden Richter Götzl informiert worden sei. Damit habe Götzl seine Befugnisse weit überschritten. Klemke beklagte eine Vorverurteilung seines Mandanten, eine „vorgreifende Bejahung eines hinreichenden Tatverdachts“. Die Verhandlung wurde daraufhin erneut für einige Minuten unterbrochen.

16:09 Uhr: Neue Einzelheiten zum Befangenheitsantrag von Ralf Wohllebens: Der Mitangeklagte hat drei Anträge gestellt, gegen Richter Manfred Götzl sowie zwei weiterer Richter des
Staatsschutzsenats. Wohlleben lehne die Richter wegen Besorgnis der Befangenheit ab, sagte dessen Anwalt Olaf Klemke. Er begründete ihn vor allem damit, dass ein Antrag Wohllebens auf einen dritten Pflichtverteidiger vom Gericht abgelehnt worden sei.

16:04 Uhr: Jetzt wieder Verhandlungspause! Um 16:15 Uhr soll es weitergehen.

16:01 Uhr: Die Befangenheitsanträge ziehen den gesamten Prozess weiter in die Länge. Zunächst waren 80 Verhandlungstage angesetzt – bis Januar 2014. Das Gericht rechnet aber nun damit, dass dies bei weitem nicht ausreicht und der Prozess bis zu zweieinhalb Jahre dauern könnte.

15:57 Uhr: Es hat noch einen Befangenheitsantrag gegen die Richter gegeben. Mitangeklagter Ralf Wohlleben hat einen entsprechenden Antrag gestellt, weil er weniger Anwälte als Zschäpe zugeteilt bekommen hatte.

Der ehemalige NPD-Funktionär Ralf Wohlleben sowie Carsten S. sind wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Sie sollen die Pistole besorgt haben, mit der neun Morde verübt worden waren.

15:39 Uhr: Auch vor dem Reichstag in Berlin gibt es übrigens Demonstrationen zum Auftakt des NSU-Prozesses. "Wir gedenken der vom NSU Ermordeten. Das Problem heißt Rassismus", steht auf einem großen roten Plakat.

15:29 Uhr: Das Spielchen geht weiter. Nach dem abgelehnten Antrag folgt der nächste Befangenheitsantrag gegen Götzl.

15:25 Uhr: Antrag abgelehnt! Die Generalstaatsanwaltschaft hat den Befangenheitsantrag gegen Richter Götzl abgeschmettert. "Eine Diskriminierung liegt nicht vor. Auch andere Besucher werden durchsucht", lautet die Begründung.

15:09 Uhr: Es handelt sich bei einem der beiden mutmaßlichen Rechtsextremisten, die soben den Gerichtssaal betreten haben um Maik E., dem Bruder des Angeklagten André F.

15:03 Uhr: Die beiden Männer sind also doch im Gerichtssaal! Es gibt dazu sogar ein Statement von OLG-Sprecherin Titz: "Jedem muss Zugang zum Gericht gewährt werden im Rahmen des Platzangebotes. Es darf nicht nach Gesinnung ausgesucht werden", sagt die Sprecherin zur SZ.

14:55 Uhr: Die beiden Neonazis waren offenbar doch nicht erfolgreich mit ihrem Versuch, in das Gebäude zu kommen. Jetzt versuchen sie, sich als normale Prozessbesucher anzustellen.

14:49 Uhr: Laut den Tweets von @nsuwatch sollen es nun doch zwei Neonazis geschafft haben, in das Justizgebäude zu gelangen. Bei einem von beiden soll es sich um den Bruder eines Angeklagten handeln.

14:39 Uhr: Friedrich setzt darauf, dass die Hauptangeklagte Beate Zschäpe ihr Schweigen brechen wird: „Ich hoffe sehr, dass Frau Zschäpe aussagen wird, weil das die Aufklärung der Dinge ein erhebliches Stück weiterbringen würde.“

14:38 Uhr: Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat an die Ankläger im Münchner NSU-Terrorprozess appelliert, mit Sorgfalt vorzugehen. In Strafprozessen gehe es darum, Schuldige auch zu bestrafen, sagte Friedrich am Montag in München. „Dazu ist es notwendig, dass man ihnen die Schuld nachweisen kann.“

14:35 Uhr: Vor dem Justizzentrum wird's langsam ruhiger. Die ersten Demonstranten haben ihre Stände abgebaut. Die beiden türkischen Mädchen, die kurz zuvor für etwas Tumult gesorgt haben, sind übrigens noch da. Sie sitzen auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf dem Randstein.

14:30 Uhr: Es geht immer noch um den Befangenheitsantrag. Muss dieser noch heute vor Gericht behandelt werden oder spätestens in zwei Tagen? Noch einmal Pause für 10 Minuten.

14:10 Uhr: Was bedeutet dieser Befangenheitsantrag? Laut Strafprozessordnung muss nun „spätestens bis zum Beginn des übernächsten Verhandlungstages“ entschieden werden. Richter Götzl sagte nach der Mittagspause, der Antrag sei erst am Samstagabend eingereicht und dem Senat erst am Montagmorgen zugeleitet worden. Die Durchführung der Hauptverhandlung sei unaufschiebbar. Götzl verwies auf die Grundsätze der Beschleunigung eines Verfahrens in Haftsachen.

14:03 Uhr: Die Entscheidung über den Befangenheitsantrag gegen Richter Götzl wird erst einmal zurückgestellt. Das bedeutet die nächste Prozessunterbrechung.

14 Uhr: Die heutige Verlesung der Anklage wird immer unwahrscheinlicher. Es sollen noch zwei weitere Anträge der Angeklagten vorgebracht werden.

13:58 Uhr: Der Prozess läuft. Die Bundesanwaltschaft wird sich zunächst zu dem Befangenheitsantrag der Zschäpe-Verteidigung äußern.

13:46 Uhr: Den dunklen Blazer hat Beate Zschäpe inzwischen ausgezogen. Ein Polizeibeamter hatte im Gespräch mit der AZ das auffallend lange Haar der Angeklagten betont. Zschäpe hat ein Laptop vor sich und spricht mit ihren Verteidigern.

13:38 Uhr: Die Prozessbeteiligten sind zurück im Gerichtssaal. Die Mittagspause ist beendet. Es sollte in wenigen Minuten weitergehen.

13:37 Uhr: Die Angehörigen der Opfer können in den Prozesspausen in einen separaten Raum kommen und das Gespräch suchen. „Wir können sie beraten und in irgendeiner Weise auch betreuen“, sagte Barbara John (Ombudsfrau der Bundesregierung). Sowohl die Ombudsfrau als auch die psychologische Betreuerin durften nicht in den Gerichtssaal. Der Berliner Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler, der zwei Opferfamilien vertritt, sagte: „Es ist eine sehr, sehr schwierige Situation, jenen Menschen gegenüber zu sitzen, die dafür verantwortlich sind, dass der Familienvater umgebracht wurde.“

13:36 Uhr: Die Opferangehörigen sollen die erste Begegnung mit der Hauptangeklagten Beate Zschäpe gefasst aufgenommen haben. Das sagte die Ombudsfrau der Bundesregierung, Barbara John, am Montag in einer Prozesspause der Nachrichtenagentur dpa. Die Familien habe sie als sehr ruhig empfunden. Es sei für sie sehr erleichternd, dass der Prozess endlich begonnen habe. Viele wollten an weiteren Tagen wiederkommen.

13:32 Uhr: Morgens ist es übrigens zu einem kleinen Zwischenfall gekommen, wie ein Polizeibeamter unserem Reporter Ralph Hub schildert. Vier Neonazis hatten in der Früh versucht, sich in den Gerichtssaal zu schleichen. Sie sind aber recht schnell enttarnt und abgefangen worden. Außerdem musste die Polizei sieben Autos vor dem Justizzentrum abschleppen.

13:22 Uhr: Die Angeklagten haben die Mittagspause übrigens in den Vorführzellen verbracht. Zu Essen gab es das gleiche wie für die Angestellten des Justizzentrums. Zur Wahl standen Putengeschnetzeltes nach Gyros-Art, Spinat-Pflanzerl mit Salzkartoffeln, Hirschgulasch in Edelpilz-Soße mit Semmelknödel oder Bunte Fusilli mit Schinken-Käse-Soße.

13:14 Uhr:  Sehen Sie hier das Video: Beate Zschäpe vor Gericht

12:58 Uhr: Die beiden türkischen Mädchen, die sich vorher schreiend und mit einem Banner in Händen gegen die Absperrung geworfen hatten, sind inzwischen von Angehörigen abgeholt worden. Die Mädchen wurden mit sieben Polizeibeamten auf die andere Straßenseite begleitet.

12:53 Uhr: Die Anträge lähmen erstmal den Prozess. Anwalt Sebastian Scharmer, der die Interessen der Dortmunder Opferfamilie Kubasik vertritt, sagt zur AZ: "Ich schätze, dass es heute nicht mehr zur Verlesung der Anklage kommt."

12:48 Uhr: Noch gut 40 Minuten Mittagspause. Die Bundesanwaltschaft nutzt die Unterbrechung, um eine Stellungnahme zum Befangenheitsantrag der Zschäpe-Anwälte vorzubereiten. Übrigens werden noch zwei weitere Anträge erwartet.

12:36 Uhr: Mehmet Daimagüler, ebenfalls Anwalt der Nebenkläger, über das Verhalten von Beate Zschäpe: "Anders Breivik hatte wenigstens den Mut, zu seinen Taten zu stehen, während sie (Beate Zschäpe) sich hinter der Strafprozessordnung versteckt, die ihr das Recht gibt, zu schweigen."

12:30 Uhr: Anwalt Schön über den Befangenheits-Antrag: "Man hätte diesen Antrag auch vor dem 17. April stellen können, ohne den gesamten Prozess dadurch zu verzögern."

12:26 Uhr: Nebenanklage-Anwalt Reinhardt Schön ärgert sich über das freche Verhalten von Beate Zschäpe und den übrigen Angeklagten. "Es ist sehr deprimierend, mit welcher Frechheit hier umgegangen wird". Vor Prozessbeginn hatte Zschäpe mit ihren Anwälten offensichtlich gelacht und Späße getrieben. "Hier wird so getan, als wäre das ein ganz normaler Prozess und nicht eines der schrecklichsten Verbrechen durch Rechtsextreme in der Deutschen Nachkriegszeit", sagt Schön der AZ. Ein Thema, bei dem wir Deutschen etwas sensibler sein sollten.

12:20 Uhr: Nochmal zum Hintergrund des Befangenheitsantrages: In dem Antrag lehnen Zschäpes Verteidiger Götzl wegen Besorgnis der Befangenheit ab. Hintergrund ist, dass Götzl eine Durchsuchung auch aller Verteidiger vor jedem Prozesstag angeordnet hat – im Gegensatz etwa zu den Vertretern der Bundesanwaltschaft. Das sei eine bewusste Diskriminierung und Desavouierung der Verteidiger, heißt es in dem Antrag, den der Rechtsanwalt Wolfgang Stahl verlas.

12:19 Uhr: Die Bundesanwaltschaft will in der Mittagspause eine Stellungnahme zu einem Befangenheitsantrag der Verteidiger der Hauptangeklagten Beate Zschäpe gegen den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl vorbereiten.

12:14 Uhr: Mittagspause! Der Prozess wird bis 13.30 Uhr unterbrochen.

12:08 Uhr: OLG-Sprecherin Andrea Titz: "Es bleibt zu hoffen, dass die Nebenkläger die Antworten bekommen, die sie sich vom Prozess erhoffen." Aber in erster Linie gehe es darum, ob das Gericht die Punkte aus der Anklage beweisen könne.

12:05 Uhr: Einem Kollegen aus dem Gerichtsaal wurde übrigens das Handy konfisziert, weil er aus dem Gerichtssaal getwittert hatte. Kurioserweise ereilt uns diese Meldung von einem anderen Prozess-Zuschauer - ebenfalls per Twitter.

11:54 Uhr: Sprecherin Andrea Titz sagt: "Das Verfahren läuft. Unklar ist aber, ob die Anklage heute noch verlesen wird". Unklar sei auch, ob heute noch über den Befangenheitsantrag gegen Richter Götzl enthschieden wird.

11:53 Uhr: Vor dem Justizzentrum fangen viele Journalisten an zu schreiben. Andere legen eine Pause ein. Eine TV-Kollegin raucht eine.

11:51 Uhr: Gerichtspräsident Karl Huber gibt derweil wieder Interviews. Zu Beate Zschäpe sagt er nichts. Wohl aber zur Dauer des Verfahrens. Die Anzahl der angesetzten Termine sei "nicht ausreichend"; der NSU-Prozess wird also länger dauern als geplant.

11:48 Uhr: Demirtas bedauert, dass es für ihn keine Möglichkeit gab, in den Saal zu kommen. Seine schwangere Frau Semiya Simsek ist im Gerichtssaal. „Sie will wissen und fragen, warum es gerade ihre Familie traf.“ Das Paar lebt in der Türkei. Die rechtsextreme NSU-Terrorzelle soll neun türkisch- und griechischstämmige Kleinunternehmer sowie eine Polizistin ermordet haben.

11:47 Uhr: Nervenkrieg für die Angehörigen der Opfer. „Mir geht es nicht gut“, sagte Fatih Demirtas, Ehemann von Semiya Simsek, deren Vater das erste Mordopfer des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ war. „Ich bin mit den Gedanken die ganze Zeit im Prozess“, sagte Demirtas der dpa.

11:44 Uhr: Immer mehr Fotos aus dem Gerichtssaal laufen bei der AZ ein. Es ist deutlich zu erkennen, wie Beate Zschäpe dem Publikum demonstrativ den Rücken zudreht. Die Angeklagte kam übrigens ohne Handschellen und mit verschränkten Armen in den Gerichtssaal.

11:36 Uhr: Der NSU-Prozess läuft wieder! Nach etwa 20-minütiger Unterbrechung geht's weiter.

11:31 Uhr: Was für ein Bild! Die Vertreter legen den schwarzen Trauerkranz vor dem Justizgebäude ab und sind umringt von Mikrofonen, Kameras und Journalisten. Kurz darauf steigen die schwarzen Luftballons in den Himmel.

11:25 Uhr: Vertreter türkischer und griechischer Gemeinden sowie der Israelitischen Kultusgemeinde München gedenken der Opfer. In Kürze wollen Sie einen schwarzen Trauerkranz vorm  Justizzentrum ablegen - danach werden schwarze Luftballons verteilt. Es gibt viel Applaus für die Redebeiträge.

11:23 Uhr: Übrigens ist inzwischen die Nymphenburger Straße wieder gesperrt.

11:22 Uhr: In dem Antrag argumentieren die Verteidiger, ihre Mandantin habe Anlass, an der Unparteilichkeit Götzls zu zweifeln. Grund hierfür ist die Anordnung, dass die Verteidiger vor Betreten des Sitzungssaals etwa auf Waffen durchsucht werden sollen, nicht aber die Vertreter der Bundesanwaltschaft sowie Polizeibeamte und Justizbedienstete. Damit würden die Verteidiger unter den Verdacht gestellt, sich an „verbotenen und letztlich kriminellen Handlungen zu beteiligen“, heißt es in dem Antrag.

„Eine derart diskriminierende und desavouierende Haltung gegenüber den Verteidigern der Mandantin muss das Vertrauen in die Unvoreingenommenheit des abgelehnten Vorsitzenden zutiefst erschüttern und rechtfertigt daher dessen Ablehnung.“

 

10:57 Uhr: Der Prozess wird kurzfristig unterbrochen. Grund ist ein Befangenheitsantrag, den die Verteidiger der Hauptangeklagten Beate Zschäpe am Wochenende gegen den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl gestellt hatten. Götzl äußerte sich auf Nachfrage des Verteidigers Wolfgang Stahl nicht dazu, wie genau mit dem Antrag verfahren werden solle. Daraufhin beantragten Zschäpes Verteidiger eine kurze Unterbrechung

Ein anderer Antrag ging laut „Spiegel“ bereits am Sonntagabend per Fax beim Oberlandesgericht München (OLG) ein. Demnach beantragt Rechtsanwalt Khubaib-Ali Mohammed, der Opfer des vom NSU verübten Bombenanschlags in Köln vertritt, eine Unterbrechung der Hauptverhandlung für mindestens sieben Tage. In dieser Zeit sollen auch die Opfer des Attentats vom 9. Juni 2004 benachrichtigt werden, die bislang nicht als Opfer benannt wurden.

 

10:47 Uhr:  Es gibt jetzt die ersten Fotos von Beate Zschäpe im Gerichtssal. Mit fast halbstündiger Verzögerung hatte der OLG-Senat unter Vorsitz von Manfred Götzl um 10:24 Uhr den Saal betreten, um 10.26 Uhr schlossen sich die Türen.

10:39 Uhr: Liebe Leser, wir bemühen uns, sie möglichst lückenlos vom Geschehen auch im Gerichtssal zu informieren. Allerdings: Wegen der Auflagen der Justiz sind erschwerte Bedingungen für die Medien zu erwarten. Unter anderem dürfen Journalisten nur in Verhandlungspausen per Computer Material an ihre Redaktionen senden, auch die Benutzung von Handys ist während der Verhandlung nicht erlaubt.

10:32 Uhr: Die Polizei hat offenbar zwei junge Türkinnen festgenommen, die versucht haben, ins Gericht zu gelangen. Es scheint zu tumultartigen Szenen gekommmen zu sein

10:22 Uhr: Jetzt hat der Prozess begonnen.

10:12 Uhr: Fünf Abgeordnete aus der Türkei sind zur Beobachtung des NSU-Prozesses nach München gekommen. „Wir erwarten Gerechtigkeit“, sagte der Parlamentarier Ayhan Sefer Üstün kurz vor Beginn des Prozesses. „Wir erwarten ein Urteil, das die Gewissen beruhigt.“ Die Abgeordneten wollen zunächst die ersten beiden Prozesstage begleiten. Der türkische Generalkonsul in München, Kadir Hidayet Eris, begleitete die Delegation. „Das ist vor allem psychologisch ein wichtiger Tag für die Angehörigen“, sagte Eris. Seine Botschaft wolle jeden Prozesstag beobachten. Auch der türkische Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu werde am Prozessauftakt teilnehmen

10:08 Uhr: Die Angeklagten sind bereits in den Gerichtssaal geführt worden. Mit Aktendeckeln und Kapuzen schützten sich zwei von ihnen vor dem Blitzlichtgewitter der Fotografen. Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe wurde ohne Handschellen in den Gerichtssaal geführt und unterhielt sich mit ihren Anwälten. Sie trug einen schwarzen Anzug und eine weiße Bluse. Mit verschränkten Armen betrat sie den Saal und machte einen gefassten Eindruck. Sie vermied jedoch den Blick in die Kameras.

10:05: Uhr: Protest kommt allerdings von türkischen Diplomaten. Sie kritisieren, dass sie sich mit den übrigen Besuchern in der Schlange anstellen müssen.

10:02 Uhr: Der Aufruhr täuscht. Sonst ist es ruhig, Die Leute vor dem Platz lachen. Andere, auch Türken, unterhalten sich und Trinken Kaffee. Mittendrin: der Polizeipräsident.

Bilderstrecke: Hier wird Beate Zschäpe zum Gericht gefahren

09:51 Uhr: Riesenaufruhr am Gehweg!! Zwei offenbar türkische Mädchen werfen sich schreiend gegen Absperrungen. Antifaschisten skandieren "Alerta antifaschista!". Polizisten rücken auf. Die Mädchen sind völlig wirr und laufen Richtung Straße. Geschrei, Gezerre. Mitten im Pulk: AZ-Reporter Thomas Gautier.

09:45 Uhr: Münchens Oberbürgermeister Christian Ude ist seit dem frühen Morgen vor dem Gerichtsgebäude. Ude ist begehrter Interviewpartner. Er schätzt,  mindestens 20.Fernsehinterviews gegeben zu haben. "Ich bin froh, wenn ich noch weiß, was ich zu wem gesagt habe." Dann redet Ude mit der griechischen Generalkonsulin. Sie ist nicht reingekommen - auch die Vertreter der religiösen Organisationen aus der Türkei haben sich zu spät angestellt.

09:40 Uhr: Zwanzig Minuten noch. Dann eröffnet Richter Manfred Götzl einen der spektakulärsten Prozesse, die jemals in München stattgefunden haben.

09:35 Uhr:  Ein Blick hinüber in die Sandstraße: Dort ist die Zentrale der Polizei: Dutzende Busse und Autos, Beamte des USK patrouillieren in Vierergruppen. Gespenstisch.

09:22 Uhr: Ein Bus - eskortiert von einem Polizeiauto. Die Angehörigen der Opfer steigen aus, schütteln Bekannten die Hände und gehen gleich rein. Kein Statement.

09:16 Uhr: Einsatzleiter Robert Kopp kommt am Nebeneingang an. Da bahnt sich was an.

09:05 Uhr: Jetzt ist es offiziell. Die Polizei bestätigt: Beate Zschäpe ist im Gericht angekommen.

08:59 Uhr: Fast alle sind da - bis auf die Nebenkläger natürlich. Die werden am Nebeneingang schon von Beamten, Anwälten und der Presse erwartet.

08:50 Uhr: Es gibt Geürchte, wonach das Justiz-Auto mit der Angeklagten Beate Zschäpe bereits in der Tiefgarage des Gerichtsgebäudes angekommen ist. Wir bemühen uns gerade um eine Bestätigung. Beate Zschäpe hat die Nacht vor dem Prozess in der JVA Stadelheim verbracht.

08:42 Uhr: AZ-Reporter Daniel von Loeper meldet: Die Verteidiger von Beate Zschäpe sind angekommen. Sie haben in der Tiefgarage des Gerichts geparkt.

08:39 Uhr: Sigi benker halt seine Rede. Er kritisiert das Gericht. "Sie haben juristisch alles richtig, aber gesellschaftlich alles falsch gemacht." Die Aufarbeitung dauere zu lange. Dann verliest er die Namen der Opfer.

08:30 Uhr: Etwa zehn Vertreter der religiösen Vereinigungen Ditib, atib , milli görüs und dem Zentralrat der Muslime stellen sich an.

08:25 Uhr: Übrigens: keine Spur von Neonazis.

08:20 Uhr: Nicht schön: Einige drängen sich vor. Sie gehen über die Journalisten-Reihe rein, werden angehalten und stehen auf einmal ganz vorne - vor Münchnern, die seit über 12 Stunden da stehen. "Ein Chaos ist das hier", sagt ein Holländer. Er ist stinksauer.

08:14 Uhr: "Frauen und Kinder zuerst!", ruft einer aus der Schlange. Hier geht gerade nichts weiter.

08:07 Uhr: Stau vorm Gericht: noch immer kommen viele Pressevertreter nicht rein. Die Kontrollen im Gebäude werden gewissenhaft durchgeführt und dauern recht lange.

08:04 Uhr: Es ist Das Bündnis gegen Naziterror und Rassismus, das sich auf seinen Auftritt vorbereitet . Auch der Ex-Fraktionsvorsitzende der Münchner Grünen, Sigi Benker, ist mit dabei. Eine ihrer Hauptforderungen: Verfassungsschutz abschaffen

07:52 Uhr: Draußen an der Nymphenburger Straße die erste Antifa-Fahne. Sie wird aus einem Laster ausgeladen, die ersten Demonstranten bereiten sich vor.

07:49 Uhr: Jetzt werden auch die Zuhörer langsam ungeduldig. Es gibt erste Unmutsbekundungen.

07:48 Uhr: Sehen Sie hier: Die ersten Bilder von Tag eins des NSU-Prozesses

07:42 Uhr: Jetzt gibt's Ärger. Manche Journalisten durfen schon rein, andere müssen noch warten. "Nach welcher Reihenfolge geht das hier bitte?",ereifert sich einer. "Das ist doch völlig willkürlich!"

07:30 Uhr: "Nicht viel los hier", sagt ein türkischer tv Reporter. Er stellt sich für seinen Beitrag ganz nah an die Schlange. Sieht nach mehr aus. Wobei: könnte sein, dass nicht alle reinkommen.

07:26 Uhr: Die Türe zum Gericht ist auf! Die ersten können jetzt rein - nach stundenlangem Warten. Zuerst sind die Journalisten mit reservierten Plätzen an der Reihe

07:16 Uhr: Trubel in der Schlange: der türkische Abgeordnete AYhan Üstün ist da - mit einem großen Tross. Üstün ist Vorsitzender des Ausschusses für Menschenrechte. Kommt er noch rein? Ganz knapp wohl.

07: 14 Uhr: Etwa 40 Menschen stehen jetzt in der Schlange der Zuhörer. Wer noch rein will, sollte sich also beeilen, es sind nur noch rund zehn Plätze frei. Auf dem Platz: ratschende Journalisten inmitten von Kamerateams, Reporterinnen fallen sich in die Arme, andere schütteln sich die Hand, TV-Moderatoren schminken sich.

07:11 Uhr: Pressesprecherin Andrea Titz im Kamera-Rudel. Sie sagt: Der Staatsanwalt muss die 488 Seiten lange Mega-Anklageschrift nicht vorlesen, sondern nur den Teil, der die maßgeblichen Verbrechen aufzählt.

07:09 Uhr: Prozessbeobachter stehen schon seit Stunden an.Schon um 4.30 Uhr waren rund 20 Leute im Zelt, das für die Wartenden vor dem Gebäude ajufgestellt wurde. Je zur Hälfte Zuhörer und Journalisten. Draußen patrouillieren Polizisten und Sicherheitsleute, insgesamt etwa 15 Männer und Frauen. Polizisten leuchten Büsche mit ihren Taschenlampen ab. Nix erhellendes.

07:06 Uhr: Reporter aus aller Welt sind nach München angereist, um über den NSU-Prozess zu berichten. Schon um halb sieben Uhr hat der Reporter BBC seine erste Schalte per Telefon nach England. Er berichtet vom Chaos rund um die Vergabe der Presseplätze. Das Gericht habe es "sehrm, sehr schlecht gemacht hat."  Die BBC hat keinen reservierten Platz bekommen. Wie so viele.

07:04 Uhr: Die ersten türkischen Demonstranten entrollen ihr Banner. Zu nah am Zentrum. Sie mussen ein paar Meter weiter auf den Gehsteig ausweichen.

07:02 Uhr: Vor wenigen Minuten ist Polizei-Vizepräsident Robert Kopp gekommen. Er ist Einsatzleiter und schaut sich die Lage an. Kopp ist ganz cool. "Bis jetzt ist es wirklich entspannt. Aber die Demos kommen ja noch." Sechs sind angemeldet, die ersten drei ab 8 Uhr. Laut Kopp sind 500 Polizisten "summa summarum" im Einsatz. "Man sieht sie nur nicht alle."

07: 00 Uhr: Guten Morgen und herzlich willkommen aus dem Newsroom der Abendzeitung. Unsere Reporter Matthias Maus und Thomas Gautier sind bereits seit mehreren Stunden auf den Beinen. Sie befinden sich vor dem Justizgebäude an der Nymphenburger Straße.   

 

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