Ausgefallene Superfoods: Junge Lebensmittel aus der Stadt

In den Lockdown-Zeiten der Gastronomie lohnt sich ein Blick auf die Start-up-Szene der Stadt. Gute Ernährung in den eigenen vier Wänden war noch nie so einfach wie heute.
| Ruth Frömmer
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Das Team mit den süßen Kugeln.
Das Team mit den süßen Kugeln. © ruf

München - Ob ausgefallen oder einheimisch - die kulinarische Vielfalt wird in Zeiten der Globalisierung immer größer. Klar, dass da vor allem junge Unternehmer mitmischen wollen. Essen und trinken muss schließlich jeder, da ist Raum für Innovation.

Wer die Gründer-Sendung "Die Höhle der Löwen" (Vox) schon einmal gesehen hat, weiß, wie schwierig der Weg von der Idee bis zur Verwirklichung selbst einer brillanten Idee sein kann.

Die AZ zeigt Ihnen drei junge Unternehmen aus München vom fast schon etablierten Getränke-Start-up bis zum brandneuen Superfood-Vertreiber. Eines haben alle gemeinsam: eine tiefe Überzeugung vom eigenen Produkt.

Spoons of Taste: Nachhaltig naschen

So ein Reizdarm-Syndrom kann durchaus inspirierend sein. Das hat zumindest Agata Andryszczak erfahren. Jahrelang arbeitete die junge Frau als Unternehmensberaterin und Investmentbankerin. Dann kam die Diagnose mit der Darmkrankheit und stellte ihr Leben auf den Kopf.

Nichts, was ihr gut schmeckte, konnte sie mehr essen, ohne hinterher Beschwerden zu haben. Also fing sie neben ihrem Job an, zu Hause Süßigkeiten ohne Gluten, Zucker, Laktose und Soja herzustellen. Heraus kamen süße Kugeln auf Dattel-Basis in den drei Geschmacksrichtungen Schoko, Kokos und Matcha.

Die süßen "Feel Good Bites" und ihr Unternehmen Spoons of Taste waren geboren. Die Kugeln brachte sie Anfang 2020 erst einmal auf verschiedenen Food Festivals unter die Leute. Aber auch in Cafés, Bioläden und Yoga-Studios werden die "Feel Good Bites" angeboten. Seit März hat das junge Start-up bereits 65.000 Packungen verkauft.

Das Team mit den süßen Kugeln.
Das Team mit den süßen Kugeln. © ruf

Agata Andryszczak blickt nach vorne: "Wir machen weiter!"

Dank Social Media und Influencern gibt es bereits viele Stammkunden im Internet. Die Corona-Krise macht alles langsamer Obwohl das Unternehmen nicht von der Gastronomie abhängig ist, erschwert die Corona-Krise das Geschäft enorm. "Wir haben schon neue Produkte entwickelt. Aber da die Mitarbeiter vieler Unternehmen in Kurzarbeit sind, verzögern sich für uns die benötigten Zertifizierungen", sagt Andryszczak.

Außerdem haben Händler abgesagt, die bereits große Mengen an Ware bestellt hatten, da sie ihren Lagerraum Corona-bedingt für andere Produkte brauchen. Aber die junge Unternehmerin blickt nach vorne: "Wir machen weiter!"

Zu Weihnachten gibt es schöne Geschenkpakete, verpackt in klimaneutralem Geschenkpapier und mit persönlicher Widmung. Mit einer Kampagne will man lokale Geschäfte und Firmen darauf aufmerksam machen. Die Idee: die hübschen Pakete zu Weihnachten an die Mitarbeiter zu verschenken. Eine Kooperation mit BMW Mini ist schon geschlossen. Jeder Kunde, der in den nächsten sechs Monaten einen Mini kauft, bekommt eine Box mit "Feel Good Bites" dazu. 

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Balis: Flüssiges Basilikum für Genießer

Die Idee zur Firma Balis Drinks ist vor ein paar Jahren in der Loretta-Bar in der Müllerstraße entstanden. Immer mehr Gäste bestellten Basilikum-Spritz und andere Drinks mit Basilikum. Die sind ziemlich aufwendig in der Zubereitung, denn bis dahin gab es außer frischem Basilikum nichts, womit man solche Getränke mischen kann.

Und so dachten sich Musiker und Unternehmer Robert Redweik, seine Schwester Jasmin und Loretta-Betreiber Kristijan Krolo: "Da machen wir selber was!" Monatelang waren sie unterwegs, haben viel getüftelt, rumprobiert und schließlich das perfekte Basilikum-Getränk mit Ingwer und reiner Fruchtsüße kreiert. "Damit waren wir Pioniere auf dem Markt" sagt Redweik stolz.

Die klassische Balis-Limo enthält Basilikumextrakt, Ingwerextrakt sowie Zitronen- und Limettensaft. Erst einmal begann das Trio, die Limonade in der Gastronomie aufzubauen. Die Barkeeper waren dankbar für ein hochwertiges Produkt, das ihnen noch dazu viel Zeit beim Mixen spart. Aber schnell wurde klar: Die Basilikum-Limonade kommt auch ohne Alkohol gut bei den Gästen an.

Mit seiner Firma Balis macht Robert Redweik spritzige Basilikum-Limonade populär.
Mit seiner Firma Balis macht Robert Redweik spritzige Basilikum-Limonade populär. © ruf

Für 2021 ist eine neue Sorte mit Cranberry und Rosmarin geplant

Vor zwei Jahren dann gewann das Start-up für diese Idee den Preis für das beste Getränk beim Food Innovation Camp, einem renommierten Preis in der Lebensmittelbranche. Unter anderem war das der Startschuss für eine großflächige Ausweitung der Aktivitäten auf den Handel. Die Kooperationen mit Rohstoff-Lieferanten und Vertriebspartnern wurden ausgebaut.

Abfüller der Limonade nach original Balis-Rezept ist der bekannte Fruchtsaft-Hersteller Dietz. Inzwischen kann man die Limonaden in ganz Deutschland bei Getränkehändlern und großen Supermarkt-Ketten kaufen. Insgesamt acht Mitarbeiter kümmern sich um den Vertrieb von Balis. Es ist nicht so leicht, ein unbekanntes Getränk einfach irgendwo zu verkaufen. "Immerhin schwimmen wir im Haifischbecken mit den großen Marken", gibt Redweik zu bedenken.

Um auf sich aufmerksam zu machen, braucht man umfangreiches Marketing, große Aufsteller und Verkostungsaktionen in den Läden. Aber die Mühe scheint sich zu lohnen. Neben "Balis", dem klassischen Basilikum Ingwer Drink, gibt es mit "Tiki" auch eine Variante mit Ananas und Minze. Für 2021 ist schon eine neue Sorte mit Cranberry und Rosmarin in Planung - angelehnt an den berühmten Drink Cosmopolitan. 

Kraftvoll Superfoods: Im Moment füllt Frank Matthiesen seine Ware noch persönlich ab.
Kraftvoll Superfoods: Im Moment füllt Frank Matthiesen seine Ware noch persönlich ab. © ruf

Regionale Superfoods in nachhaltiger Verpackung

Frank Matthiesen hat sich schon immer für das Thema Ernährung und Umweltschutz interessiert. Der gelernte Banker und Betriebswirtschaftler war zuletzt im Finanzbereich tätig. Nach einem Sabbatical in Südostasien kam ihm zunächst die Idee, Kokosprodukte zu importieren.

Wieder zurück in Deutschland stellte er sich dann aber die Frage: "Warum in die Ferne schauen und nicht Landwirte in Deutschland unterstützen? Auch hier gibt es jede Menge gesunde Superfoods!"

Seit vier Monaten ist er jetzt mit seinem Unternehmen Kraftvoll Superfoods am Start. Hier dreht sich alles um pflanzliche Lebensmittel mit Proteinen, Vitaminen und Co. Er bezieht nährstoffreichen Grünkern, Sojabohnen und Quinoa von einheimischen Landwirten, meist aus Bayern. Aber auch Hanfsamen, Hanf- und andere Nüsse, Mohn, Beeren und vieles mehr für eine abwechslungsreiche und gesunde Küche kann man bei ihm bestellen.

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Umweltschutz steht immer im Vordergrund

Vegetarier, Veganer und solche, die ihren Fleischkonsum einfach nur etwas reduzieren wollen, finden bei Kraftvoll alles, was es für die nährstoffreiche Küche braucht. "Warum nicht einmal ein Chili mit einheimischem Soja statt Fleisch zubereiten?", so Matthiesens Vorschlag. In Deutschland wachsen so viele wertvolle Pflanzen. Auch die trendigen Goji- und Aronia-Beeren werden in Deutschland angebaut. Neu im Sortiment sind jetzt auch Mix-Tüten mit Beeren und Nüssen à la Studentenfutter.

Die Produkte haben Namen wie "Schönheitskörner" (Hirse, 3,99 Euro) oder "Regenwaldretterin" (Sojabohnen, 3,29 Euro ). Der Renner sind aktuell verschiedene geröstete und glasierte Kürbiskerne, zum Beispiel die "Pure Verführung" mit Schokolade (4,49 Euro).

Im Moment ist Kraftvoll Superfoods noch eine reine One-Man-Show, aber Matthiesen ist umtriebig. Aktuell ist er mit einer Behinderten-Werkstätte im Gespräch. Wenn alles gut läuft, wird das Verpacken und Etikettieren bald dort erledigt. Erste Versuche sind schon auf große Begeisterung gestoßen.

Sein Beitrag zum Umweltschutz liegt dem Gründer besonders am Herzen. Alle Produkte sind nicht nur regional, sondern auch verpackt in Tüten aus Holzzellulose. "Die kann man sogar auf den Kompost werfen", erklärt er stolz. Gerade ist er dabei, Kontakte zum Handel zu knüpfen. In einigen Bioläden kann man seine Körner, Beeren und Nüsse schon kaufen. Bis jetzt läuft das Geschäft aber vorwiegend online.

 

 

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