Aperol war gestern? Neuer Spritz wird zum Verkaufsschlager in München

Klimpernd fällt eine Handvoll Eiswürfel ins Glas. Dann greift der Mann hinter der Bar nach einer Flasche Aperol. Eine Szene, die sich derzeit wohl tausendfach täglich in den Cafés, Bars und Restaurants der Stadt abspielt. Denn die Münchner lieben ihren Aperol Spritz und lassen ihren Feierabend gerne mit einem Glas in der Hand und Blick auf die Isar ausklingen. So auch die Gäste von Yilmaz Demir.
Mit Schwung gießt der 50-Jährige einen Schuss Aperol hinterher. Der knallorangene italienische Likör sickert zwischen die Eiswürfel. Bis hierhin sieht alles nach einem klassischen Aperol Spritz aus. Doch das soll es nicht werden. Denn diesen Sommer hat es den Gästen von Yilmaz Demirs Boazn noch eine andere Spritzvariante angetan.
Die AZ hat sich umgehört: Das sind die liebsten Sommergetränke der Münchner
Hinter der sogenannten Boazn am Karl-Müller-Weg 2 steht ein Familienbetrieb mit rund 20 Leuten. Darunter auch Demirs Sohn und dessen Partnerin. Entstanden ist sie aus den Räumen eines ehemaligen Klohäuschens, eingebaut in den Brückenpfeiler der Ludwigsbrücke.
Vor drei Jahren konnte das Team die Boazn eröffnen, nachdem sie acht Jahre lang um die entsprechenden Genehmigungen gekämpft hatten, erzählt Demir. Mittlerweile ist die Bar, die Kneipe und Tanzbar zugleich ist, zu einem festen Teil des Stadtbilds geworden. Sieben Tage die Woche genießen hier zahlreiche Münchnerinnen und Münchner an der Isar ein kühles Feierabendgetränk (So-Do 15-1 Uhr, Fr-Sa 12-3 Uhr).
Yilmaz Demir zeigt der AZ, wie sich das Genussgetränk zusammenmixen lässt
Etwa eines von den drei Eigenbieren, die in Niederbayern gebraut werden. Zum Beispiel das Helle "Gustel" für 5,20 Euro. Oder sie schlürfen eine der zehn Spritzvarianten. Darunter Limoncello Spritz, Campari Spritz oder Aperol Spritz, die zwischen 8,90 und 9,90 Euro kosten.
Diesen Sommer hat sich eine neue spritzige Variante dazu gesellt, der sogenannte "GrapefruitSpritz" – mit einem ungewöhnlichen Topping. Kreiert hat ihn Yilmaz Demirs Sohn Silvan. Papa Yilmaz zeigt der AZ, wie sich das Genussgetränk zusammenmixen lässt.

Zu den Eiswürfeln und dem Aperol gießt der Wirt einen Schluck Sprudelwasser und 100 Milliliter Bitter Pink Grapefruit, presst etwas Zitronensaft hinzu und lässt noch eine Scheibe frische Grapefruit ins Glas plumpsen. Dann folgt das Topping, das dem Getränk seine außergewöhnliche Note verleiht: eine Prise Meersalz. "Ratsch" – mit einer kleinen Umdrehung der Salzmühle rieseln die feinen Kristalle auf den Spritz.
Das Salz funktioniere gerade deshalb so gut in der Kombination, weil es die Bitterkeit der Grapefruit mildere, ohne dass der Drink zusätzlich gesüßt werden müsse und so seine Leichtigkeit verliere, erklärt Demir. Und: Bei den aktuellen Temperaturen seien Elektrolyte ohnehin wichtig, sagt der Wirt. "Weshalb Meersalz in Verbindung mit einem Spritz etwas Wunderbares ist."
Stammgästin ist begeistert vom neuen Spritz: "Wie ein gutes Gericht"
Für die Gäste zählt aber wohl vor allem der Geschmack – und der überzeugt, wie Stammgast Katinka Behnke (50) beweist: "Der ist süßlich, der hat eine Frische, der hat eine natürlich leichte Bitternote von der Grapefruit. Aber genau richtig, weil das Salz eben alles verbindet – wie ein gutes Gericht."
Ob Elektrolyte oder nicht: Bei Yilmaz Demir gehen vor allem alkoholische Getränke über den Tresen – auch bei der aktuellen Hitze. Anders verhält sich das bei zwei anderen Getränkeverkäufern in Isarnähe.
André Löwig betreibt seit 25 Jahren den Kiosk an der Wittelsbacher Brücke (Schyrenplatz 2). Die Öffnungszeiten stimmt er auf das Wetter ab. An heißen Tagen wie diesen verkauft sich bei ihm vor allem eines: Wasser. 2,50 Euro kostet eine Flasche mit oder ohne Sprudel. Ebenso ein Verkaufsschlager: Johannisbeer- und Rhabarberschorlen, ebenfalls für 2,50 Euro.

Allgemein habe sich das Kaufverhalten seiner Gäste in den vergangenen 25 Jahren verändert, erzählt Löwig. "Als ich damals angefangen habe, war der Renner Augustiner Bier, Jägermeister und Schwarzer Krauser, der Tabak", erinnert er sich und lacht. "Und jetzt kommen vor allem erst einmal die ganzen alkoholfreien Getränke, auch Cola Zero – da schreien die danach."

Viel alkoholfrei verkauft auch Florian Eschrich an seine Kundschaft, die auf dem Weg zur Isar an seinem Laden vorbeikommt. Seit über 10 Jahren betreibt er die Getränkequelle am Schlachthof (Thalkirchner Str. 51, Mo-Fr 8-12.30 Uhr und 15-18.30 Uhr, Sa 8-13 Uhr). Bei der aktuellen Hitze gehe der Trend automatisch zu Getränken ohne Alkohol, erzählt der 45-Jährige. "Weil wenn du da zwei Bier im Kopf hast, bist du eigentlich schon gaga", sagt er und lacht.

Dieser Hitze-Trend lasse sich auch an Lieferengpässen bei bestimmten Saftschorlen ablesen: "Du kriegst über Wochen, über Monate nichts mehr. Die sind schier leer gesoffen."
Wer doch zum Bier greift, entscheide sich aktuell gerne für alkoholfreie oder leichte Varianten, sagt Florian Eschrich. Ein Vorteil in der Getränkequelle am Schlachthof: Hier findet man neben denen der gängigen Brauereien auch solche, die in klassischen Münchner Getränkemärkten oft nicht zu finden sind – etwa Bier von Aldersbacher, Rhaner oder Kuchlbauer. Zwischen 1,40 und 1,50 Euro kostet hier eine Flasche.

Ob Bier, Wasser, Schorlen oder Spritz – am liebsten genießen die Münchner ihr kühles Getränk im Moment draußen im Schatten oder mit den Füßen in der Isar. Anlaufstellen gibt es dank Getränkehändlern wie Eschrich oder Kioskbesitzern wie Löwig. Und wer sich nach noch mehr Urlaubsgefühl sehnt: Der bekommt bei Yilmaz Demir und Team eine Prise Meer ins Glas.
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