Antje Schneider: Mama, die Wiesn-Wirtin

Antje Schneider leitet mit ihrer Mutter Anneliese Haberl die Ochsenbraterei – bis die vier Kinder kommen und sie entführen.
| Laura Kaufmann
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Antje Schneider (rechts) leitet mit ihrer Mutter Anneliese Haberl die Ochsenbraterei – bis die vier Kinder kommen und sie entführen. (ARCHIVBILD)
Daniel von Loeper Antje Schneider (rechts) leitet mit ihrer Mutter Anneliese Haberl die Ochsenbraterei – bis die vier Kinder kommen und sie entführen. (ARCHIVBILD)

München - Antje Schneider hat ihr Wiesndebüt nicht, wie man meinen würde, in der Ochsenbraterei gegeben. Nein, beim Käfer hat sie mit 17 Jahren angefangen: „Weil ich dort Köchin gelernt habe!“ Aber nach Feierabend, da ist sie rüber ins Zelt der Eltern, und gemeinsam ist die Familie Haberl heimgefahren. Die Ochsenbraterei, die war Hermann Haberls großer Traum, der 1980 in Erfüllung ging. Und den seine Frau Anneliese und Tochter Antje Schneider jetzt, nach dem Tod des Wiesn-Originals im Februar 2011, als Duo fortführen.

„Wenn alles steht, kommt meine Mama zur Abnahme – habt’s ihr des nicht gesehn’, das der Kranz schräg hängt – irgendwas findet sie immer. Sie ist eine Perfektionistin. Sie sagt zwar, sie sei in Rente, aber ich weiß nicht, woran man das merkt.“ Die beiden Frauen unterstützen sich gegenseitig. Jetzt, wo Antje Schneider als Wirtin unter anderem von der Kugler Alm, dem Chinesischen Turm und Taxisgarten auch noch im Wiesnstress ist, ist Oma Haberl mit den vier Enkeln an den Tegernsee gefahren. „Auf der Wiesn muss die ganze Familie zusammen halten“, sagt Schneider. „Auch die Kinder: Letztes Jahr sind sie mit dem Papa ins Zelt gekommen und haben fragen lassen, ob ich Zeit hätte, mit ihnen ein Hendl zu essen. Das hat mich so gerührt, da habe ich alles stehen und liegen lassen.“

Denn die kriegen in den 16 Tagen nicht besonders viel von ihrer Mama mit. Egal, wie viel Mühe sich Antje Schneider gibt. Das weiß Antje noch aus ihrer eigenen Kindheit – mit einem Papa, der aus dem Nichts mit viel Unternehmergeist ein ganzes Gastro-Imperium aus dem Boden gestampft hat. Da blieb nicht viel Zeit für Familie. Aber Schneiders sechsjährige Zwillinge und die beiden Buben, 9 und 11 Jahre, sind sich bewusst, was für eine Ehre es ist, ein Zelt auf dem Oktoberfest führen zu dürfen. „Und es ist ja eine begrenzte Zeit, 16 Tage.“ Eine Mama, die Wiesnwirtin ist – so etwas macht sich auch auf dem Schulhof ganz gut. Überhaupt, eine weibliche Wirtin zu sein, das war für Schneider nie ein Problem. „Ich bin ja nicht die erste. Die Fischer Vroni war auch lange in Frauenhand“, sagt sie.

„Unter den Wirten hilft man sich, da gibt’s kein Konkurrenzdenken.“ Morgens liebt Antje Schneider die Wiesn am meisten. Alles noch ruhig, „wirtschaftlich ist das natürlich Schmarrn, da ist ja alles noch leer – aber das ist was fürs Herz, finde ich.“ Wenn sie auf dem Weg durch die Ochsenbraterei wie in „Täglich grüßt das Murmeltier“ immer die gleiche Szenerie ihrer Wiesnfamilie erwartet: „Guten Tag hier, guten Tag dort. Die einen essen ihr Frühstück beim Ochsen, die anderen putzen gerade Besteck – jeden Tag ein Wiedersehen, immer ein tolles Gefühl.“

 

 

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren