Altstadtradring, Isarparallele und Co.: So planen die Parteien Münchens Radverkehr

CSU: Mehr Fahrradstraßen und eine Brücke
Werden mit der CSU gar keine Radlwege mehr gebaut? Das ist eine Frage, die sich der CSU-OB-Kandidat Clemens Baumgärtner im Wahlkampf oft anhören muss. Schließlich gab es kaum ein Rad-Projekt, über das die CSU in dieser Legislatur nicht schimpfte. "Auch ich würde als OB neue Radwege schaffen – allerdings nicht im Goldstandard, aber vor allem dort, wo es sinnvoll ist", stellt er klar.

Baumgärtner erinnert daran, dass er sich dafür einsetzte, dass die Königinstraße zur Fahrradstraße wird. Aus seiner Sicht ist das die bessere Lösung als breitere Radwege auf der Ludwig- und Leopoldstraße zu bauen und dafür Bäume zu fällen. Baumgärtner kann sich Fahrradstraßen auch an anderen Stellen vorstellen.
Zum Beispiel, sagt er, könne man doch ausprobieren, auf der Lindwurmstraße auf jeder Straßenseite eine Auto-Spur probeweise zur Fahrradstraße zu machen. Dort müssten Autofahrer Rücksicht auf Radler nehmen, allerdings blieben alle Spuren erhalten. Der bestehende Radweg würde mit dieser Lösung bleiben. Der Gehweg könnte also wohl nicht breiter werden. Investieren würde er in eine Fuß- und Radfahrerbrücke am Giesinger Berg.
Grüne: Jedes Jahr fünf Projekte umsetzen
Natürlich haben wir uns mehr gewünscht, gibt Grünen-Stadtrat Florian Schönemann zu. „Aber wir sind in einer Koalition, in der es unterschiedliche Vorstellungen gibt." Außerdem sei es aufwendig, die beste Lösung zu finden. Bei den Rad-Projekten habe es immer viele Diskussionen mit Anwohnern und den Bezirksausschüssen gegeben.
Grundsätzlich ist Schönemann mit den Projekten, die umgesetzt wurden, zufrieden. Weil nie einfach nur ein Radweg gebaut wurde, sagt Schönemann. Zum Beispiel erhöhe sich an der Karl-Theodor-Straße in Schwabing durch die breiteren Fuß- und Radwege die Sicherheit für Schulkinder. Mehr Bäume werden gepflanzt, Lieferzonen geschaffen. Viele profitieren also aus seiner Sicht – und deshalb wollen die Grünen weitermachen.

"Wir wollen den Radentscheid weiter umsetzen", sagt er. "Wir haben uns fünf Projekte pro Jahr als Ziel gesetzt." Ist das nicht zu teuer? "An der Lindwurmstraße haben wir ausprobiert, dass es mit Pollern und Markierungen schneller geht und weniger kostet", sagt Schönemann.
Ganz oben auf seiner Prioritätenliste für die nächste Legislatur steht die Isarparallele entlang der Widenmayer- und Steinsdorfstraße. Heute verläuft der Radweg dort in zwei Richtungen. Doch dort sei so viel los, dass der Radweg an seine Grenzen stoße, sagt Schönemann. Denkbar sei, die Parkplätze daneben dem Radweg zuzuschlagen.
Den Altstadtradring will Schönemann vollenden. Er kann sich vorstellen, dass dafür die Frauenstraße zur Einbahnstraße wird.
Den konkreten Vorschlag müsse aber die Verwaltung machen. "Und dann werden wir uns das genau anschauen."
SPD: Altstadtradring? Keine Priorität
"Die Zeit der teuren Prestige-Projekte ist vorbei", sagt die SPD-Fraktionschefin Anne Hübner. Lieber wolle sie in mehr Straßen Radwege schaffen, als viel Geld in wenige teure Umbauten stecken. Sie fordert mehr Pragmatismus, mehr Augenmaß – auch aufgrund der Haushaltslage.
Vorstellen kann sich die SPDlerin zum Beispiel Markierungen am Gebsattelberg in der Au und auch an der Paul-Heyse-Straße, wo es heute noch keinen Radweg gibt. So lange die Projekte sinnvoll und finanzierbar seien, werde die SPD diese Projekte nicht blockieren, sagt Hübner. "Aber überall da, wo es schon Radwege gibt, auch wenn sie schmal sind, wollen wir sie erst einmal so lassen."

Dass der Altstadtradring in der nächsten Legislatur weitergebaut wird, kann sich Hübner nicht vorstellen. Denn besonders entlang des Viktualienmarkts (an der Frauenstraße und an der Blumenstraße) werde eine Realisierung nicht einfach. Wenn dann müsste die Straße zur Einbahnstraße werden. "Doch selbst dem Mobilitätsreferat fehlt die Fantasie, wie das gehen soll", sagt Hübner. Auch der Bau von Radschnellwegen hat für sie wegen der Kosten keine Priorität.
FDP: Parkplätze nicht ersatzlos streichen
Den neuen breiten Radweg an der Zeppelinstraße wollte die FDP kurz vor Baubeginn stoppen. Ohne Erfolg. Der FDPler Fritz Roth bedauert das: "Gestalterisch ist das nicht das, was wir uns vorstellen." Grundsätzlich hält er es für schwierig, wenn die Stadt (so wie dort geschehen) Parkplätze ersatzlos streicht. "Wir müssen Lösungen für die Autofahrer finden", sagt Roth.

Sein Vorschlag: Die Stadt müsse mit Behörden, Kaufhäusern und Supermärkten verhandeln, dass in ihren Tiefgaragen Anwohner parken dürfen. "Diese Mühe muss sich die Stadt machen, um die Situation zu befrieden", sagt er. Denn gerade gebe es um jeden Radweg eine riesige Aufregung.
Für die nächste Legislatur fordert Roth, dass der Altstadtradring, insbesondere an der Sonnenstraße, weitergebaut wird. Auch an der Paul-Heyse-Straße und der Dachauer Straße müsse die Radinfrastruktur besser werden. Schneller könne es mit Markierungen gehen.
ÖDP: "Mehr Radwege auf die Straße pinseln"
Die ÖDP gehört zu den Parteien, die in München den "Radentscheid" initiiert haben. Doch mit der Bilanz, wie das Rathaus das Bürgerbegehren umgesetzt hat, sei er "extrem unzufrieden", sagt ÖDP-Chef Tobias Ruff. "Wenn es so langsam weitergeht, dauert es noch bis zum nächsten Jahrhundert, bis wir überall sichere Radwege haben."

Noch immer würden viele Radwege im Nichts enden. Der Altstadtradring sei nur zu einem Bruchteil fertig. Und auch Radschnellwege seien gar keine entstanden (außer ein paar Stücke). Der größte Fehler aus seiner Sicht: "Man hat immer an der großen baulichen Lösung gearbeitet." Dabei sei ein Umbau oft teuer und aufwendig. Einfacher, schneller und günstiger hätte es gehen können, meint Ruff, wenn die Stadt stattdessen Radwege abmarkiert hätte. "Auch den Altstadtradring könnte man einfach auf die Straße pinseln", meint Ruff.
Diesen müsste die Stadt in den nächsten Legislatur dringend vollenden, findet er. Denn beim Viktualienmarkt an der Frauenstraße gibt es noch gar keinen Radweg. "Das ist extrem gefährlich", sagt Ruff. Angehen würde er auch die Radwege an der Ludwig-, Leopold- und der Wasserburger Landstraße.
Linke: Radwege sind kein Luxus
Die Bezeichnung "Luxus-Radweg" kann Katharina Horn gar nicht leiden. Sie ist Spitzenkandidatin der Linken und eine der Sprecherinnen des Radentscheids. Was ihr daran nicht gefällt? "Etwas, das Luxus ist, ist unnötig. Sichere Radwege sind aber eine Notwendigkeit", antwortet Horn. Und stellt klar: "Wir vom Radentscheid haben nie verlangt, dass die Radwege alle im höchsten Standard gebaut werden müssen."

Auch durch Markierungen und Schutzelemente können aus ihrer Sicht mehr Radwege entstehen. "Da ist viel mehr möglich, wenn man sich traut." Vorantreiben will Horn, dass die Projekte, die jetzt schon in der Planung sind, auch umgesetzt werden. Besonders wichtig ist ihr ein neuer Radweg auf der Sonnenstraße, eine breitere Isarparallele und der Radweg an der Martin-Luther-Straße in Giesing. Nicht vergessen dürfe man, dass sich mit neuen Radwegen auch immer die Situation für die Fußgänger verbessere.