Interview

Achim Waseem Seger über neue Partei: "Wollen von allen gewählt werden"

Hip-Hop ist eine Musikrichtung. Und seit ein paar Jahren auch eine Partei, nur in Bayern noch nicht. Achim Waseem Seger will das ändern - und in den Bundestag.
| Christina Hertel
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Achim Waseem Seger baut von München aus einen bayerischen Landesverband der Hip-Hop-Partei auf.
Achim Waseem Seger baut von München aus einen bayerischen Landesverband der Hip-Hop-Partei auf. © Daniel von Loeper

München - AZ-Interview mit Achim Waseem Seger: Der 35-Jährige ist Künstler, Rapper, DJ und leitet Projekte für Geflüchtete.

Mehr als 40 Prozent der Münchner haben einen Migrationshintergrund. In der Politik ist das aber kaum ersichtlich. Gerade mal acht Prozent der Politiker haben ausländische Wurzeln.

Achim Waseem Seger möchte das ändern. Der 35-Jährige Moslem, dessen Mutter aus dem Allgäu stammt, dessen Vater in Ägypten geboren wurde und der selbst in München lebt, engagiert sich bei "Die Urbane - eine Hip-Hop-Partei". Sie wurde 2017 von einer Gruppe von Hip-Hop-Aktivisten in Berlin gegründet. Und Seger baut für die Bundestagswahl gerade einen bayerischen Landesverband auf.

Achim Waseem Seger: Dieses Sprachrohr möchte er sein

AZ: Herr Seger, was hat Hip-Hop mit Politik zu tun?
ACHIM WASEEM SEGER: Viele wundern sich, weil Hip-Hop schnell mit den Rappern aus den Charts und deren Sexismus in Verbindung gebracht wird. Aber ursprünglich war Hip-Hop das Mittel der schwarzen Menschen in Amerika, sich Gehör zu verschaffen, um gegen die Versklavung, Unterdrückung und Ghettoisierung zu protestieren. Und so ein Sprachrohr möchten wir auch sein.

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Wollen Sie mit Ihrer Partei nur Menschen ansprechen, die einen Migrationshintergrund haben?
Wir wollen von allen Menschen gewählt werden, weil sie Verbündete sein möchten oder weil sie selbst diskriminiert werden. Denn davon sind ja nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund betroffen, sondern zum Beispiel auch Frauen. Unser Ziel ist am Ende, solche Kategorien in der Gesellschaft aufzulösen. Es soll keine Rolle mehr spielen, welches Geschlecht man hat oder woher man kommt.

Achim Waseem Seger: "Die Unterstützung ist groß"

Wie wollen Sie das schaffen?
Wir sitzen gerade an unserem Parteiprogramm. Dafür arbeiten wir mit den Communities eng zusammen. Uns ist wichtig, dass sich die Betroffenen gehört und repräsentiert fühlen. Denn momentan ist das nicht der Fall: In München haben nur zwei von 80 Stadträtinnen und Stadträten einen Migrationshintergrund.

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Bei der Stadtratswahl vergangenes Jahr sind Sie auch angetreten, aber es hat nicht geklappt. Warum sollte es diesmal anders sein?
Vergangenes Jahr hatten viele noch nicht auf dem Schirm, wie groß das Rassismus-Problem in Deutschland wirklich ist. Doch seit der Black-Lives-Matter-Bewegung ist das anders. Die Unterstützung ist groß. Es ist allerdings schwieriger, Menschen zu finden, die sich bei uns engagieren wollen. In Bayern sind wir momentan um die 20 aktive Mitglieder und wir arbeiten gerade daran, einen bayerischen Landesverband aufzubauen.

Seger: "Momentan fehlt uns eine weibliche nicht-weiße Person"

Warum ist das denn nicht so einfach in Bayern?
Wir haben uns selbst eine machtkritische Quote auferlegt. Zum Beispiel dürfen nur maximal die Hälfte der Posten mit weißen Cis-Männern (ihre Geschlechtsidentität entspricht dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, d. Red.) belegt sein. Das macht es ein bisschen komplizierter. Momentan fehlt uns eine weibliche nicht-weiße Person.

Aber wenn es so schwer ist, Menschen zu finden, die sich in Ihrer Partei engagieren wollen - ist das nicht ein Zeichen dafür, dass es sie gar nicht braucht?
Nein, viele haben einfach schon ein Ehrenamt. Andere sind vielleicht abgeschreckt. Ich habe es selbst schon erlebt, dass ich bestimmte Jobs nicht machen durfte, als die Auftraggeber mitbekommen haben, dass ich mich politisch engagiere. Wieder andere hinterfragen gar nicht mehr, dass fast alle, die in Deutschland etwas zu entscheiden haben, weiß sind. Denn sie kennen es nicht anders. Wir sind europaweit die einzige Partei mit einer schwarzen Doppelspitze. Gäbe es mehr schwarze Politiker und Politikerinnen, könnte das auf andere empowernd wirken.

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