Abseits des Scheinwerferlichts: So erleben die Viertel-Chefs den Wahlkampf vor Ort

Am 8. März werden auch die Bezirksausschüsse gewählt. In der AZ sprechen BA-Chefs von CSU, SPD und Grünen darüber, was ihren Wahlkampf so besonders machte – und, was bei ihnen im Viertel entschieden wird.
von  Eva von Steinburg
Sibylle Stöhr (Grüne) beim Straßenwahlkampf im Westend.
Sibylle Stöhr (Grüne) beim Straßenwahlkampf im Westend. © privat

Das Westend hält zusammen: "Wir sind der einzige Bezirk, in dem die AfD nicht antritt zur Kommunalwahl." Sie rechnet sich bei uns keine Chancen aus", sagt Sibylle Stöhr, grüne BA-Chefin der Schwanthalerhöhe.

Stöhr ist bekannt im Viertel, immer viel unterwegs. Und weil sie "Stadtteilbürgermeisterin" bleiben will, hat sie sich mit ihrem Team von den Grünen in den letzten Wochen voll in den Wahlkampf geworfen.

BA-Chefin der Schwanthalerhöhe: Bergwanderführerin Sibylle Stöhr (Grüne).
BA-Chefin der Schwanthalerhöhe: Bergwanderführerin Sibylle Stöhr (Grüne). © Ingrid Theiss

"Wir machen viel. Klassischer Infostand, Haustürbesuche. Anpacken für die Schwanthalerhöhe, heißt unserer eigener Flyer von den Grünen". Auf Spaziergängen zeigt sie Bürgern, was erreicht wurde: ein Zebrastreifen in der Ganghoferstraße, neue Tischtennisplatten und eine Toilettenanlage am Georg-Freundorfer-Platz. Am 4. März gibt es ein gemeinsames Nockherberg schauen im Bürgerheim Westend. "Wer wird OB, ist natürlich die herausragende Frage. Das steht an erster Stelle bei den Kommunalwahlen. Doch die Leute möchten auch wissen, was in ihrem Viertel los ist", sagt Sibylle Stöhr.

Das Westend – "ein progressives Viertel"

Seit 24 Jahren sitzt die quirlige Frau im Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe. Seit 12 Jahren ist sie die Vorsitzende. Die Bergwanderführerin ist auch Grünen-Stadträtin: "Wir möchten mehr Klimaschutz, mehr Bäume, mehr Verkehrsberuhigung. Das passt zu unserem progressiven Viertel. Ich bin zuversichtlich für weitere sechs Jahre im BA-Amt!", sagt die 55-jährige Münchnerin.

Die BA’s sind so wichtig, weil München so groß ist

Ähnlich bekannt in seinem Bezirk ist auch Patric Wolf von der CSU. Der BA-Vorsitzende von Schwabing-Freimann macht seit 30 Jahren Wahlkampf im Viertel: "Der Fokus liegt auf dem OB. Nur unser Kandidat darf auf den Plakaten abgebildet werden, das ist bei der CSU eine Besonderheit", erläutert er. An den Info-Ständen sucht Patric Wolf das Gespräch mit Bürgern. Er erklärt vielen, dass neben dem OB auch der Stadtrat und die Bezirksausschüsse am 8. März gewählt werden: "Die BA's sind so wichtig, weil München so groß ist".

Info-Stand der CSU in Freimann: Patric Wolf und Team.
Info-Stand der CSU in Freimann: Patric Wolf und Team. © privat

Die Stadtteilpolitiker kennen ihr Viertel

Sein Rechenbeispiel: Wenn man 1, 5 Millionen Einwohner durch 80 Stadträte teilt, ergibt das 19 000 Bürger pro Stadtrat: "Wir vom BA kennen unser Viertel. Wir sind nah dran. Wir sind ansprechbar. Wo es Probleme gibt, machen wir Ortstermine." Bei 12 Sitzen würde sich in Schwabing-Freimann ein BA-Mitglied um 2300 Bürger kümmern. "Das ist doch eine gute Quote!", so Patric Wolf. Der Jurist sagt: "Ich weiß vor Ort Bescheid. Ich erkläre den Stadträten unseren Stadtbezirk. Ich reiche den Willen der Bürger an sie weiter.

Der OB-Wahlkampf – "sachbezogen und ruhig"

Damit die jungen Leute erleben, wie BA-Politiker über lokale Probleme entscheiden, baut der Lokalpolitiker Distanz ab. Wolf lädt Schülerinnen und Schüler einer 11. Klasse zu den monatlichen BA-Sitzungen ein. Sie können dort auch Anträge stellen – für Verbesserungen im Viertel. Den aktuellen OB-Wahlkampf empfindet er als sachbezogen und ruhig. "Es gibt kein großes Aufregerthema." Man gehe "gut miteinander um", das gefällt Patric Wolf, der BA-Chef bleiben möchte. Der AfD traut er zu zwei oder drei Sitze im Gremium zu erringen. Und so rät er: "Wenn nicht CSU, bitte demokratisch wählen."

Patric Wolf (CSU), seit sechs Jahren BA-Chef von Schwabing-Freimann.
Patric Wolf (CSU), seit sechs Jahren BA-Chef von Schwabing-Freimann. © privat

"Wir sind der direkte Draht zum Bürger", erklärt Markus Lutz (SPD) seine Funktion. Der beliebte BA-Chef von Sendling punktet mit seiner Lokalkompetenz. Er hat sich als Kandidat für den Stadtrat aufstellen lassen. "Wenn die SPD ein gutes Ergebnis erzielt, könnte es klappen, doch jetzt heißt es abwarten", sagt der 45-jährige Sendlinger. Die Reaktionen im Straßenwahlkampf? "Die Leute sind sehr interessiert. Es gibt auch mal Lob. Sie lesen unseren Flyer. Viele achten darauf, dass der Flyer von einer demokratischen Partei ist, bevor sie ihn mitnehmen", sagt Markus Lutz. So stellt er sich Sendling vor: "Die Großmarkthalle soll bleiben, mehr Barrierefreiheit."

Die OB-Frage überstrahle natürlich alles. Diesen Tipp möchte Politiker Lutz den Wählerinnen und Wählern mitgeben: "Geben Sie bitte am 8. März auch auf dem kleinen grauen Wahlzettel ihre Stimme ab – wählen Sie ihre ersten Ansprechpartner vor Ort!"

Markus Lutz (SPD), BA-Chef von Sendling.
Markus Lutz (SPD), BA-Chef von Sendling. © privat

Das sind die BAs: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie gegründet: die 25 Münchner Bezirksausschüsse (BA). Ihre Mitglieder werden am 8. März neu gewählt. Jedes "Stadtteil-Parlament" trifft sich einmal im Monat zur Sitzung. Die Themenpalette, über die abgestimmt wird, ist breit: Schanigärten, Parkplätze, Sommerstraßen, Neubauten, Kulturzentren, Bürgerbeschwerden – und die Förderung von Initiativen im Stadtteil: Jeder Bezirksausschuss verfügt über ein Budget, das Vereinen und sozialen Initiativen ausgezahlt werden kann. Gewünschte Verbesserungen, also Forderungen an die Stadt, stellt der BA per Antrag.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.