Aber wer wird zweiter Münchner Bürgermeister?

Dass Dieter Reiter Münchner OB bleibt, scheint kurz vor der Kommunalwahl sehr wahrscheinlich. Sehr viel spannender könnte die Frage nach seinen Stellvertretern werden.
| Emily Engels
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Katrin Habenschaden, OB-Kandidatin der Grünen.
Sven Hoppe/dpa 4 Katrin Habenschaden, OB-Kandidatin der Grünen.
Die neue SPD-Fraktionsspitze am Dienstag: Christian Müller und Verena Dietl.
AZ/ee 4 Die neue SPD-Fraktionsspitze am Dienstag: Christian Müller und Verena Dietl.
Vehement: Kristina Frank während der Debatte.
Bernd Wackerbauer 4 Vehement: Kristina Frank während der Debatte.
Manuel Pretzls CSU will mit zwei Anträgen das Handwerk stärken.
Petra Schramek 4 Manuel Pretzls CSU will mit zwei Anträgen das Handwerk stärken.

München - In einer Woche wird Dieter Reiter wieder zum OB gewählt werden. Oder spätestens in drei, in der Stichwahl. Darauf zumindest deutet momentan sehr vieles hin. Wie künftig die Stadt regiert wird, ist trotzdem noch lange nicht klar. Denn eine Wiederholung der Großen Koalition scheint ebenso denkbar wie eine Wiederbelebung des rot-grünen Bündnisses. Und jeweils könnte die SPD stärkste Kraft sein – oder kleiner Partner.

Theoretisch könnte sogar eine schwarz-grüne Mehrheit versuchen, gegen den direkt gewählten SPD-OB ihre Mehrheit zu nutzen. Der neue Stadtrat wählt den Zweiten und Dritten Bürgermeister. Hier könnten also auch Fraktionen gegen Reiters Willen ihre Favoriten durchsetzen. Wer werden die Stellvertreter Reiters? Klar ist nur: Christine Strobl, die langjährige Bürgermeisterin von der SPD, hört auf. Die AZ gibt einen Überblick, wie man die Lage in den Parteien sieht.

Katrin Habenschaden, OB-Kandidatin der Grünen.
Katrin Habenschaden, OB-Kandidatin der Grünen. © Sven Hoppe/dpa

Katrin Habenschaden: Grünen-Kandidatin als OB oder Bürgermeisterin

Katrin Habenschaden will OB werden. Aber mag sie auch Zweite Bürgermeisterin sein? Ja!, heißt es in der Partei. Man geht fest davon aus, dass sie unter einem OB Dieter Reiter als Bürgermeisterin zur Verfügung stehen würde – und es Grünen-intern keinerlei Widerstand dagegen gäbe. Offiziell äußert sich die Partei dazu nicht. Ein anderer darf sich vielleicht trotzdem auch ein bisserl Hoffnung machen. Würde Habenschaden tatsächlich Oberbürgermeisterin und würde die Stimmverteilung für ein Zweierbündnis mit SPD oder CSU reichen, bekämen die Grünen wohl noch einen Bürgermeisterposten obendrauf. Für den wäre der langjährige Fraktionschef Florian Roth dann die naheliegendste Variante. "Er traut sich das auf jeden Fall zu", heißt es intern.

Die neue SPD-Fraktionsspitze am Dienstag: Christian Müller und Verena Dietl.
Die neue SPD-Fraktionsspitze am Dienstag: Christian Müller und Verena Dietl. © AZ/ee

Klare Favoritin der SPD: Verena Dietl

In der SPD würde es unter einem OB Dieter Reiter auf jeden Fall auf eine jüngere Frau rauslaufen. Als naheliegende Kandidatin und klare Favoritin gilt SPD-intern Stadtratsfraktionschefin Verena Dietl. Die hatte vor Monaten in der AZ schon Interesse bekundet. Auf Nachfrage unterstreicht sie: "Das wäre natürlich eine riesige Ehre – bei der ich natürlich nicht Nein sagen würde." Ein Dementi klingt anders, auch wenn Dietl schnell hinterherschiebt, ihr Schwerpunkt liege im Moment auf einem guten Ergebnis ihrer Partei. Eine Konkurrentin, die im Ruf steht, sich das Amt auch zuzutrauen und Lust zu haben, könnte Fraktionsvize Anne Hübner sein, die ebenfalls eine Frau, jung, ehrgeizig ist.

Vehement: Kristina Frank während der Debatte.
Vehement: Kristina Frank während der Debatte. © Bernd Wackerbauer

CSU: Kristina Frank oder Manuel Pretzl?

Besonders groß ist dieser Tage die Unruhe in der CSU. Hinter vorgehaltener Hand mäkeln viele über eine Kampagne, die nie so richtig gezündet habe, OB-Kandidatin Kristina Frank steht in der Kritik, nicht authentisch genug rüberzukommen, das bodenständige CSU-Stammklientel in den Randbezirken der Stadt nicht genug anzusprechen. Kann es sein, dass sie gar nicht Bürgermeisterin wird, wenn die CSU noch einmal mit einer SPD von OB Dieter Reiter koalieren würde? Ja!

Einflussreiche CSUler betonen zwar, dass noch keine Entscheidungen gefallen seien, man habe sich noch gar nicht zu der Frage beraten. Und dennoch ist ein deutliches Grummeln zu hören. "Die große Mehrheit, die etwas zu sagen hat, will Manuel Pretzl weiter im Amt sehen", sagt einer, der viel Einblick hat in die Führungsriege des Bezirksverbands. Pretzl selbst war im Wahlkampf als eigene Stimme deutlich wahrnehmbar, das Amt als Zweiter Bürgermeister bereitet ihm sichtlich Freude.

Dazu kommt: Die Doppelfunktion Pretzls als Fraktionschef und Bürgermeister gilt in der Partei als Erfolgsmodell. Pretzl will Fraktionschef bleiben, davon gehen alle aus.

Manuel Pretzls CSU will mit zwei Anträgen das Handwerk stärken.
Manuel Pretzls CSU will mit zwei Anträgen das Handwerk stärken. © Petra Schramek

Kristina Frank - Umfragewerte sind nicht vielversprechend

Und Frank? Die würde gerne Bürgermeisterin werden, heißt es. Wenn ihr Ergebnis weit hinter der Partei zurückbleibt, könnte das schwierig werden. Josef Schmid holte 2008 (beim ersten Versuch) gegen Bürgerkönig Christian Ude 24,4 Prozent und blieb so drei Punkte hinter dem Parteiergebnis zurück. Umfragen sehen Frank deutlich weiter zurückbleiben.

Was dann passiert? "Frank bleibt Kommunalreferentin", sagt der scheidende CSU-Stadtrat Richard Quaas bestimmt. "An Manuel Pretzl geht als Bürgermeister kein Weg vorbei." Den OB-Wahlkampf hat Quaas abgehakt. "Einige in der Partei glauben, dass Frank es noch schaffen könnte. Ich gehe nicht davon aus." Die unruhigen Wochen in der CSU haben wohl gerade erst begonnen.

Lesen Sie hier: ÖDP plant Bürgerentscheid für Grünflächen-Erhalt

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