2G im Handel: München zwischen Grant und "ganz ok"

Nun dürfen also nur noch Geimpfte und Genesene shoppen. Wie laufen die Kontrollen in der Innenstadt - und was halten die Händler davon? Ein AZ-Besuch.
| Irene Kleber
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Hier wird nun 2G kontrolliert, nur noch Geimpfte und Genesene dürfen Kleider shoppen. Die Schlangen in der Fußgängerzone lösten sich aber schnell auf.
Hier wird nun 2G kontrolliert, nur noch Geimpfte und Genesene dürfen Kleider shoppen. Die Schlangen in der Fußgängerzone lösten sich aber schnell auf. © Daniel von Loeper

München - Bis der alte Herr im Parka dran ist, flutscht es. Pling, pling, pling. Impfzertifikat aus Kundenhandys scannen, ein kurzer Blick auf den Personalausweis. Der bärtige Securitymann am Eingang beim Saturn in der Fußgängerzone winkt einen Kunden nach dem anderen durch.

Seit 10 Uhr geht das so an diesem ersten 2G-Mittwoch im Münchner Handel, an dem also nur noch Geimpfte und Genesene shoppen dürfen und Ungeimpfte ausgeschlossen sind.

Kontrollieren ohne Pause

Jetzt ist schon Mittag, und der Kontrolleur hat noch keine Sekunde Zeit gehabt zum Durchschnaufen. Der Laden brummt, sagt er, und "Stopp, der Herr!" - "Zertifikat nicht gültig" zeigt der Handyscanner an. Der alte Herr schaut verdutzt und fischt mit klammen Fingern Papierbelege zu seiner Impfung aus seiner Parka-Innentasche. Ein Glück, dass er die dabei hat, es hat wohl nur die Technik gesponnen, nun darf auch er passieren.

Anders als die zehn Leute, die die Saturn-Türsteher heute schon haben wegschicken müssen. "Die hatten keinen Personalausweis dabei", sagt der Sicherheitsmann, "oder keine vollständige Impfung oder ungültige Dokumente, vielleicht Fälschungen." Und ja, einige hätten "gepöbelt", aber die meisten sind "ganz friedlich wieder weggegangen".

So ist das vielfach zu hören an diesem Mittag in der Innenstadt. Vor den großen Geschäften wie bei Oberpollinger, bei H&M, TK Maxx und dem Kaufhof am Marienplatz wird brav Schlange gestanden, den Impfnachweis parat.

Thomas Berndt (56) findet 2G im Handel gut. Er hat sich extra freigenommen, um mit Tochter Leonie (18) einzukaufen.
Thomas Berndt (56) findet 2G im Handel gut. Er hat sich extra freigenommen, um mit Tochter Leonie (18) einzukaufen. © Daniel von Loeper

Trotz langer Schlangen geht es meist schnell

Ganz Clevere haben sich den Personalausweis sichtbar in die Handyhüllenrückseite geklemmt, so muss bei der Einlasskontrolle nicht lange herumgenestelt werden. Bestenfalls zwei, drei Minuten steht man auch in langen Schlangen, es geht streng kontrolliert, aber gut organisiert vorwärts.

Drinnen: Entspanntes Schlendern, Schauen, Anprobieren. Es laufe mit 2G sogar besser als in den letzten Tagen, ist etwa bei Hirmer zu hören. Viele Kundinnen und Kunden, die lange weggeblieben waren, seien heute da, "ich glaube, die kommen jetzt gern, weil sie nicht mit Ungeimpften zusammen einkaufen wollen", sagt ein Mitarbeiter, "viele fühlen sich jetzt einfach wohler".

2G-Regelung sorgt für entspannte Stimmung unter Shoppenden

Andererseits: Die Dichte an Menschen, die sich vollbepackt mit Weihnachtseinkäufen durch die Fußgängerzone schleppen, ist überschaubar. Thomas Berndt (56) und Tochter Leonie (18) gehören dazu, er habe sich gezielt heute wegen 2G freigenommen, sagt er, sie haben jede Menge Kleider, Unterwäsche, Düfte gekauft. Super sei das gelaufen, kein Gedrängel, kaum Ansteckungsgefahr, "ein entspannter Shoppingtag".

Zu entspannt wohl für viele der kleineren Geschäfte in der City. Was sie spüren, ist Zurückhaltung beim Nur-mal-schnell-Reinschauen. Wer nicht sicher kaufen will, spare sich den 2G-Kontrollvorgang, glaubt Verkäuferin Bruna bei Leder Fischer. Gerade mal zehn Menschen seien bis zum Mittag dagewesen, normal seien 30 in der Vorweihnachtszeit.

Meinung unter Händlern ist gespalten

"Dass jetzt die Händler ausbaden müssen, dass nicht rechtzeitig für mehr Impfungen gesorgt worden ist, das nervt", sagt sie. Und es nerve, die Kundschaft kontrollieren zu müssen. "Man ist als Verkäuferin ja kein Polizist."

Aber das ist wohl Typsache, beim Kofferladen Hetzenecker am Stachus kontrolliert Verkäufer Sebastian Dünsel gern, "weil es mir selber mehr Sicherheit gibt, dass ich mich bei der Arbeit nicht so leicht anstecken kann". An die 20 Kunden habe er überprüft, halb so viele, wie sonst an einem Mittwoch kommen, und davon drei weggeschickt.

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"Mitmachen und Durchhalten" lautet das Motto

Sein Chef Henry Mosner sagt, "bei mir schlagen zwei Herzen in der Brust". Geschäftlich sei 2G "natürlich katastrophal, ich rechne mit einem Drittel Umsatzminus, aber gesellschaftlich ist es richtig". Mitmachen und durchhalten, also.

Auch wenn der Andrang bei ihm nicht so üppig ist wie gegenüber bei Saturn. Dort hat der bärtige Securitymann inzwischen doch mal Pause machen dürfen. Nun steht der Kollege vor der Schlange und scannt, pling, pling, pling ...

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