Commerzbank-Studie: Verödet die Münchner Innenstadt langfristig?

Laut einer Umfrage befürchten sehr viele Geschäftsleute, dass kleine und mittelgroße Läden aus dem Zentrum verschwinden - und sich die Großen breitmachen.
| Hüseyin Ince
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Die Münchner Kaufingerstraße.
Die Münchner Kaufingerstraße. © Bernd Wackerbauer

München - Jedes Jahr befragt die Commerzbank Tausende Einzelhändler zur Geschäftsstimmung. Vor allem Geschäftskunden mit einem Umsatz bis zu 15 Millionen Euro jährlich sind da im Fokus. Und heuer zeigt sich: 68 Prozent der Händler geben in der repräsentativen Umfrage an, dass sie langfristig Angst vor einer "Verödung der Innenstadt" haben.

Einzelhändler befürchten, dass viele Läden aus München flüchten

Sie sorgen sich, dass viele kleinere Läden schließen könnten und somit die Attraktivität der Innenstädte darunter massiv leidet. Vor allem haben sie Angst um Bars, Restaurants sowie Kultureinrichtungen, die von Luxusbauten sowie lukrativen Büroflächen verdrängt werden und sich nicht mehr in zentraler Lage halten könnten.

39 Prozent der befragten Einzelhändler befürchten, dass viele Läden vielleicht in Einkaufszentren außerhalb der Stadt ausweichen oder in Stadtteile mit günstigeren Mieten. 29 Prozent hingegen können sich vorstellen, dass sich das Geschäft in der Münchner Innenstadt deutlich verbessert, weil eher Geschäfte in kleineren Städten und Dörfern schließen.

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"Wandel hat die Innenstadt schon immer geprägt"

Auch für Wolfgang Fischer vom Unternehmerverband der Münchner Innenstadthändler Citypartner wäre es ein Horror-Szenario, wenn die Innenstadt der Zukunft von monotonem Luxus-Business dominiert werden würde. "Der gute Mix aus Einzelhandel, Gastronomie sowie Hotellerie ist das Geheimnis einer gut besuchten Kernlage", sagt er, "kein Mensch will sechs Stunden pausenlos shoppen, sondern macht zwischendurch mal Pause mit einem Espresso und einem guten Essen."

Doch Fischer glaubt nicht an Verödung. Er sieht München in einer Sonderposition und sorgt sich nicht um die Innenstadt. "Vor kurzem wurde ja bekannt, dass die Platzmieten bis zu 30 Prozent gesunken sind", sagt Fischer, "das gibt auch in Zukunft Spielraum, dass sich kleinere oder mittelgroße Händler in der Innenstadt festsetzen."

Natürlich werde der ein oder andere wegziehen, aber "es werden Neue kommen. Wandel hat die Innenstadt schon immer geprägt", sagt Fischer, zudem gebe es da einen festen Stamm an Münchner Familienunternehmern, die er auch in Zukunft in der Innenstadt sieht.

Münchner Einzelhändler schauen zum großen Teil positiv in die Zukunft

In der großen Umfrage der Commerzbank erzählten die Geschäftsleute auch, wie sie die Corona-Krise bisher überwunden haben: 50 Prozent von ihnen griffen auf Eigenkapital zurück (zwischen 10.000 und 100.000 Euro), 37 Prozent auf staatliche Hilfen, 13 Prozent nahmen einen Bankkredit und sieben Prozent ließen sich von Bekannten und Familie finanziell unterstützen.

Dennoch schauen die Münchner Einzelhändler zum großen Teil positiv in die Zukunft (65 Prozent). Nur vier Prozent sind laut Studie grundsätzlich pessimistisch. Die Händler wünschen sich eine bessere Erreichbarkeit, egal mit welchem Verkehrsmittel. 60 Prozent gaben an, dass sowohl der Radverkehr als auch der Pkw-Verkehr attraktiver gestaltet werden sollen.

Das sieht Fischer auch so. "Es macht mir große Sorge, dass vor allem Kunden aus dem Umland, die das Einkaufserlebnis in München schätzen, in andere Städte ausweichen, wenn an bis zu 18 Wochenenden pro Jahr die Stammstrecke gesperrt ist", sagt er. Da sei es wichtig, alternativ für Autos gute Parkmöglichkeiten zu arrangieren. Die neue Tiefgarage am Thomas-Wimmer-Ring etwa sei hier "genau der richtige Weg."

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