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100-Tage-Bilanz: Und wo ist OB Dieter Reiter?

AZ-Lokalchef Felix Müller über den OB Dieter Reiter und sein Bündnis.
| Felix Müller
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Dieter Reiter (SPD), Oberbürgermeister von München.
Sven Hoppe/dpa Dieter Reiter (SPD), Oberbürgermeister von München.

Dieter Reiter urlaubt gerade. Es sei ihm, wie allen anderen Urlaubern auch, gegönnt. Doch dass er bei der 100-Tage-Bilanz seiner Rathaus-SPD nicht dabei war, wäre sowieso nicht besonders aufgefallen. Reiter ist abgetaucht, so sehr, wie es für einen Oberbürgermeister zu Beginn einer neuen Amtszeit beispiellos sein dürfte.

Dieter Reiter ist abgetaucht

In der Corona-Krise vertrat er – ganz anders als etwa der Hamburger Regierende Bürgermeister – nicht selbstbewusst die Position der Großstädter, keine einzige kritische Bemerkung zur durchaus diskutablen Söder-Politik ist bis heute bekannt. Und das, obwohl sogar Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger dieser Tage erklärte, dass man so nicht noch einmal mit Hunderttausenden Münchner Singles umgehen könne, die zum Beispiel über Wochen hinweg nicht mal einen Freund oder eine Freundin in ihrer Wohnung treffen durften. Und die großen Rathaus-Themen? Ist die Verkehrswende ein Herzensprojekt Reiters? Fühlt er sich getrieben von den Grünen oder freut er sich über das Ende aller Tunnelprojekte? Was sind seine großen Pläne für diese Amtszeit? Man weiß es nicht. Reiter macht hier und da mal einen Fototermin, grundsätzlich wird er nicht.

Als seine Koalition kürzlich ihre Prioritätenliste präsentierte – und nebenher eine Streichliste von Tunnelprojekten bis Stadtmuseums-Sanierung – hätte einen auch interessiert, wie der OB das all jenen erklärt, die davon direkt betroffen sind. Aber Reiter war nicht da.

Der OB muss politisch vorangehen

All das kann man durchaus irritierend finden. Es ist aber auch strategisch nur schwer nachvollziehbar. Es gibt Menschen, die sich sehr freuen über den neuen Schwung, den Grün-Rot gebracht hat – in der Verkehrspolitik, bei der Umverteilung von öffentlichem Raum. Es sind aber Themen, die per se schon eher den Grünen als Verdienst angerechnet werden, weil sie als deren glaubwürdige Herzensthemen gelten. Und Reiter versucht gar nicht erst, die Pläne mit sich zu verbinden.

Er hat die SPD mit seiner Popularität alleine noch mal in die Rathaus-Regierung gerettet. Wie Reiter die SPD in Richtung nächste Wahl führen will, ist aber bisher überhaupt nicht erkennbar. Das ist bitter für die SPD. Denn es gibt keine Alternative. Der OB muss politisch vorangehen. Ein reiner Verwaltungschef wird zu wenig sein gegen Zeitgeist-Grüne mit Riesen-Selbstbewusstsein.

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